„Sie sind also der Mann mit dem Koffer voller Monster?“

Vor mehr als sieben Jahren kam die traurige Gewissheit für jeden Harry Potter-Fan: Eine Ära geht zu Ende. Mit Ausstrahlung des letzten Filmes, dem zweiten Teil von Die Heiligtümer des Todes musste sich die Welt fragen: Wofür stehen wir als nächstes ab Mitternacht vor den Buchläden? Bei welchem Film prügeln wir uns um Karten zu den Kinopremieren?
Zugegeben, Joanne K. Rowling und viele Anhänger der Fantasy-Reihe gaben ihr Bestes, um die Zaubererwelt am Leben zu erhalten, denkt man nur an die Website Pottermore, die zahlreichen internationalen Ausstellungen und die Fan Fiction, welche ihren vorläufigen Höhepunkt im fanproduzierten, inoffiziellem Prequel Voldemort – Origins Of The Heir fand.
Vor genau zwei Jahren überschritt die Zaubererwelt dann Landesgrenzen, als der Film Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind in die Kinos kam. Diese geplante fünfteilige Filmreihe basiert auf dem gleichnamigen Begleitwerk zu den Harry Potter-Büchern, ebenfalls von Rowling geschrieben. Während das Buch von 2001 jedoch ein tatsächliches Nachschlagewerk für magische Tiere wie Snallygaster, Murtlaps, Einhörner und Feuerkrabben ist, entsteht in den Filmen eine komplett neue Geschichte, welche sich, so wird gemunkelt, über gleich mehrere Jahrzehnte hinweg erstrecken soll.
Zwei bekannte Gesichter treten in der neuen Filmreihe auf, wenn auch hinter den Kulissen: David Yates und natürlich Joanne K. Rowling. Yates führte bereits in den letzten vier Harry Potter-Filmen Regie und produziert nun die neue Reihe. Rowling hingegen gab mit dem ersten Film um den Magizoologen Newt Scamander und seinem mysteriösen Koffer ihr Debüt als Drehbuchautorin.
Mitte November wird der zweite Film der Reihe, Phantastische Tierwesen: Grindelwalds Verbrechen in die deutschen Kinos kommen. Zeit genug, erneut ins magische Universum einzutauchen und den ersten Film zu sehen, falls noch nicht geschehen.


Der erste Teil
Newt Scamander (Eddie Redmayne) ist ein scheuer, exzentrischer Zauberer, der im Jahre 1926 zusammen mit einem Koffer voller Tiere nach Amerika kommt. In gewohntem Detailreichtum und beeindruckenden Bildern beschreiben Rowling und Yates die US-amerikanische Zauberergemeinschaft und den Magischen Kongress der Vereinigten Staaten von Amerika (MACUSA), welcher auf Scamander und seine illegal eingeführten Tierwesen aufmerksam wird. Einige dieser Tiere sind bei einem Zwischenfall mit dem Muggel, pardon, No-Maj, Jacob Kowalski (Dan Fogler) entkommen, der den magischen Koffer versehentlich für seinen hielt. Tina Goldstein, ehemalige MACUSA-Mitarbeiterin, bringt daraufhin Scamander, Kowalski und die verbliebenen Tiere zum Magischen Kongress, in welchem sowohl Scamander als auch Tina zum Tod verurteilt werden. Nach der gelungenen Flucht vor dem magischen Tod macht sich Scamander auf die Suche: „Wir müssen meine Tierwesen einfangen, bevor ihnen etwas zustößt. Sie sind jetzt auf unbekanntem Terrain, inmitten von Millionen der bösartigsten Kreaturen auf der Erde: den Menschen.“
Natürlich geht es nicht nur um ausgebüchste Viecher, wir sehen ja nicht Jurassic Park, eine viel größere Bedrohung zeichnet sich ab. Neben einem Obskurial, dessen Zerstörungswahn in New York gestoppt werden muss, tritt am Ende des Films ein mächtiger und gefürchteter Zauberer auf, der im Kampf von Scamander entwaffnet und vom MACUSA abgeführt wird.
Highlight des Filmes sind die liebevoll inszenierten Tierwesen. Besonders der goldgierige Niffler, optisch eine Mischung aus Schnabeltier, Maulwurf und Otter, stiehlt den Protagonisten immer wieder die Show. Als Harry Potter-Fan ist es schön, erneut in die magische Welt einzutauchen und es ist gut gewählt, die Handlung in einem wesentlich früheren Jahrzehnt spielen zu lassen – so muss der Film nicht unmittelbar mit der Pottersaga verglichen werden. Inhaltlich hat der Film einen einführenden Charakter, die zwei Handlungsstränge (das Einfangen der Tiere und das häuserzerstörende Obskurial) sind nicht gerade vielschichtig und werden erst zum Ende hin miteinander verknüpft. Doch gerade die letzten Sequenzen lassen spannende Vermutungen zu: Bereits in den Harry Potter-Büchern erfährt der fleißige Leser von einem bahnbrechenden Sieg Dumbledores über seinen einstigen Freund Gellert Grindelwald, wir werden also einen alten Bekannten wieder treffen und endlich im Detail erfahren, worin genau Grindelwalds Ideologie und Verbrechen besteht.

8 von 10 KinoKatzenpunkten

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Johanna Rädecke
Über Johanna Rädecke 34 Artikel
Johanna schreibt seit Anfang 2015 vornehmlich für das Ressort Gesellschaft. Seit Februar 2017 ist sie Chefredakteurin des ALBRECHT. Sie studiert seit dem Wintersemester 2014 Deutsch und Soziologie an der CAU.

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