„Solidarität statt Patriarchat!“

Der Women’s March in Kiel

Gänsehaut. Vielleicht weil das hier für mich die erste Demo-Erfahrung ist, vielleicht weil die Musik vibriert. Vielleicht auch wegen der vor mir herlaufenden Kette kleiner Mädchen, zwischen sechs und elf Jahre alt, die sich fest an den Händen halten, mit schreien und tanzen. Ob sie wirklich verstanden haben, worum es hier heute geht, oder ob sie sich einfach von der Stimmung und ihren Eltern haben mitreißen lassen, ist nicht wichtig für das, was hier gezeigt wird: Solidarität. Die Demonstrationen zeigen, dass es eine Gegenbewegung gibt, in Zeiten, in denen sich rechte Meinungen und Populisten in der Politik Gehör verschaffen, gegen Nationalismus, Sexismus und Rassismus.

Inspiriert von den, gegen US-Präsident Donald Trump gerichteten, Märschen in den USA, versammeln sich am Weltfrauentag, dem 8. März 2017, um die 800 Demonstrierende in der Landeshauptstadt. Aufgerufen zu der Demonstration hatten unter anderem das Kieler Frauenhaus, das PETZE-Institut für Gewaltprävention, das Kurdistan Solidaritäts-Komitee Kiel, der AStA der CAU, der Kreisverband Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen Schleswig-Holstein.

Ausgangspunkt der weltweiten Demonstrationen gegen Sexismus und Populismus waren die frauenfeindlichen und rassistischen Äußerungen Trumps während seines Präsidentschaftswahlkampfes. Beispielhaft dafür sind Aussagen, wie die, welche Trump über Carly Fiorina, seine ehemalige Rivalin um die Präsidentschaftskandidatur gegenüber dem Rolling Stone äußerte: „Look at that face! Would anyone vote for that?“ Nach Trumps Amtsantritt versammelten sich tausende von Frauen in der US-amerikanischen Hauptstadt zum Women’s March, um gegen sexistische Äußerungen und Diskriminierung zu protestieren. Zahlreiche, sogenannte ‚Schwestermärsche‘ bildeten sich parallel, sodass der Women’s March eine internationale Bewegung wurde. Die Bilder dieser Protestmärsche gingen um die Welt.

WM-Banner

Bei Betrachtung der Demonstrierenden zeigt sich ein heterogenes Bild. Frauen jeden Alters und jeder sexueller Orientierung halten Schilder in die Luft. Teilweise haben sie ihre Kinder, ihre Lebenspartner und Freunde mitgebracht. Das Kieler Wetter ist schrecklich windig und kalt, aber das hält die Protestierenden nicht auf – gemeinsam ziehen sie entschlossen in Regenbogenfarben, Spruchbändern und pinken ,Pussyhats‘ durch die Straßen. Bei jedem Zwischenstopp ist zu hören: „Lasst uns zusammen auf die Straßen gehen! Für eine solidarische Welt, in der alle Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht, ihrer Herkunft, ihrer Identität, ihrem Glauben und sexuellen Orientierung uneingeschränkt gleichberechtig zusammenleben! Für eine Welt ohne Sexismus, sexualisierte Gewalt und Rassismus!“

Ausgangspunkt der Demonstration war der Hauptbahnhof, von hier nahm der Menschenzug seinen Weg über die Andreas-Gayk-Straße hin zum Dreiecksplatz. Begleitet wurde der Marsch von einzelnen Kundgebungen. Zentrum der gesprochenen Reden und gerufenen Parolen war ein vorwegfahrender VW-Bus, auf dem mehrere Frauen fuhren. Wer und zu welcher Organisation diese Frauen gehörten, war für die Teilnehmer des Women’s March hierbei nicht erkenntlich. Neben Kommentaren zu Frauenrechten oder Rassismus fielen einige Reden durch ihren polarisierenden Inhalt auf. So äußerte das netzwerk antirassistische aktion kiel (Nara), dass es solidarische und militante Aktionen bräuchte. Auch wurden Kommentare laut wie: „Frauen werden getötet, weil sie Frauen sind! Wir wollen keine ermordeten Frauen mehr!“

Vorneweg laufen Frauen, Transsexuelle und Interpersonen. Männer werden aufgefordert, sich zurückzuhalten und in den hinteren Reihen zu laufen. Unmut und Unruhe macht sich breit. Demonstrierende fangen an, zu tuscheln. Erster Widerstand gegen die Regelung zeigt sich. Männer rufen: „Was kotzt uns an? Einteilung in Frau und Mann!“ Ihre Rufe werden ignoriert.

Die Veranstaltenden des Kieler Women’s March begründeten die von ihnen vorgegebene Protestformation damit, dass am Weltfrauentag Personen der FLTI (Frauen, Lesben, Transsexuelle und Interpersonen) im Vordergrund stehen sollten. Bereits im Voraus hatten sie um Verständnis gebeten. Was die Märsche gezeigt haben, ist, dass Menschen weltweit Sexismus und Populismus nicht hinnehmen wollen und bereit sind, sich dagegen zu solidarisieren. Für eine Welt ohne Sexismus, sexualisierte Gewalt und Rassismus.

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Bilder: frauenkampftagkiel

 

Maxine Holsten
Über Maxine Holsten 7 Artikel
Maxi ist 20 Jahre alt und studiert Deutsch und Philosophie an der CAU. Sie ist seit dem Wintersemester 2016/17 Redakteurin beim ALBRECHT und schreibt vor allem für die Ressorts Gesellschaft und Hochschule.

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