STAR TREK BEYOND – Filmkritik

“Der Weltraum, unendliche Weiten. […] Dies sind die Abenteuer des Raumschiffs Enterprise, das mit seiner 400 Mann starken Besatzung 5 Jahre unterwegs ist, um fremde Galaxien zu erforschen, neues Leben und neue Zivilisationen.“

Star Trek Beyond: Zwischen Nostalgie und neuester visueller Tricktechnik

Mit einem Verweis auf den legendären Einführungsmonolog der 1960er Fernsehserie beginnt der dritte Teil der neuen Star Trek Filme, mit dem Leonard Nimoy 2009 das Erstlingswerk beendete. Was uns gleich zu Anfang zu einem traurigen Thema führt, denn Star Trek Beyond nimmt Abschied von zwei verstorbenen Schauspielern: Leonard Nimoy, der wie kein anderer das Franchise geprägt hat und Anton Yelchin (Chekov), der tragischerweise in diesem Jahr bei einem Autounfall verstorben ist.

Die Enterprise befindet sich im dritten Jahr ihrer fünfjährigen Mission, als ein fremdes Raumschiff die Weltraumbasis Yorktown der Föderation erreicht. Ihr Schiff ist in einem unbekannten Nebel verloren gegangen. Da die Enterprise über das beste Navigationssystem der Sternenflotte verfügt, begibt sich die Crew auf eine Rettungsmission. Doch natürlich geht etwas schief. Die Enterprise wird angegriffen und so stark beschädigt, dass sich die Besatzung auf die umliegenden Planeten retten muss. Während ein Großteil der Mannschaft gefangen gehalten wird, stehen die entkommenen Crew-Mitglieder auf dem Planeten einer recht aggressiven Spezies gegenüber. Nun gilt es, die Gefangenen zu befreien und die Föderation vor der unbekannten Bedrohung zu warnen. Dies stellt sich jedoch als so gut wie unmöglich dar, wenn sie dort nicht auf die ebenfalls gestrandete Jaylah (Sofia Boutella) treffen würden.

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Die Erwartungen an Star Trek Beyond waren aufgrund von J.J. Abrams missglückten Vorgänger, Star Trek Into Darkness, sowie anfänglichen Schwierigkeiten in der Produktion, eher gering. Nachdem entschieden wurde, den ‚Death Cure‘ des Vorgängers (und damit auch die gesamte Filmhandlung) zu ignorieren und zusätzlich Shaun of the Dead Autor und Hauptdarsteller Simon Pegg die Mitarbeit am Drehbuch bestätigte, konnte es per se kein schlechter Film mehr werden. Pegg kündigte schon im Vorfeld an, sich als ‚Trekkie‘, und damit Vollblut-Nerd, auf die Ursprünge der Serie zu konzentrieren: So startet Star Trek Beyond auch nicht mit einer pompösen Introsequenz, sondern einer charmanten Side-Quest. Nachdem Captain Kirk dieses erste Miniabenteuer überwunden hat und eine Erzählstimme das bekannte Intro spricht, gefolgt von Kirks Voice-Over, war ich mir sicher: Das wird gut!

Dennoch verfügt die Story nur in Ansätzen über eine tiefere Charakterzeichnung oder Motivation des Antagonisten. Kirks Backstory Wound wird in einem Gespräch mit McCoy und einer Flasche Whisky nur kurz erwähnt, um nach der Einführung von Krall als Antagonisten entweder abgelöst oder überwunden wurde. Denn das zentrale Thema, neben der Rettung der Föderation, behandelt den Diskurs von Kraft durch Gemeinschaft versus Kraft durch Egozentrismus, allerdings nur so weit, um die Story voranzubringen. Doch das kann dem Film nicht wirklich vorgeworfen werden, weil es fern seiner Intention liegt. Dafür weist er den einfallsreichen Humor auf, den wir aus Simon Peggs Filmen kennen. Er verzichtet auf alberne Witze, eine große Liebesgeschichte und konzentriert sich auf das Wesentliche, Action und schnelle Bilder. Dafür hat sich J.J. Abrams das richtige Team ausgesucht, Regisseur Justin Lin und Kameramann Stephen F. Windon. Zusammen haben die beiden bereits an den letzten vier The Fast and The Furious Teilen gearbeitet. Windon verwendet in Star Trek Beyond häufiger längere Kamerafahrten, anstatt eines Schnittes von Szene A zu Szene B, führt die Kamera uns dorthin, weil in den Momenten überall Chaos und Action herrscht, die die Kamerafahrt einfängt. In anderen Sequenzen benutzt Windon erfolgreich den Verlust der Schwerkraft dazu, um von der Perspektive des Raums zur Figur zu wechselt und somit die Desorientierung visuell auf uns zu übertragen. In 3D können einige dieser längeren Kreisbewegungen der Kamera ein leichtes Schwindelgefühl erzeugen. Außerdem ist das Bild während des großen Angriffes auf die Enterprise, mit 3D-Brille, teilweise zu dunkel, sodass die Figuren kaum zu erkennen sind. Da die 3D-Brille einen Teil des projizierten Lichts abschirmt, sollte dies die 2D-Vorstellung nicht so stark beeinträchtigen.

Des Weiteren hat mir das Szenenbild der Enterprise sowie die zahlreichen Details sehr gut gefallen. Die runden Korridore erinnern an die Nostromos aus Ridley Scotts Alien, nur nicht so schmutzig, sondern strahlend weiß. Und die Weltraumbasis erinnert an Stanley Kubricks Raumstation in 2001: A Space Odyssey. Indes sogar eine gewisse Parallelität zwischen dem Angriff auf den Todesstern in Star Wars und dem Ende in Star Trek Beyond besteht, was eventuell an dem Einfluss J.J. Abrams liegt.


FAZIT


158503_poster_2Star Trek Beyond
macht unheimlich viel Spaß, ohne dabei ins alberne oder triviale abzudriften. Das Design und Setting ist eindrucksvoll und so detailreich, dass es sich allein dafür lohnt ihn mehrmals zu schauen. Die Figuren, besonders Krall, sind leider nicht so stark ausgeprägt und dessen Motivation nur eben so weit vorhanden, dass sie die Story trägt. Gleichwohl sind die knapp zwei Stunden Spielzeit durch die actionreiche Story wie im Flug vergangen. Alles in allem ist Star Trek Beyond, ein absolutes Kinoerlebnis.


WERTUNG: 7,5 Kinokatzenpunkte


 

Bildquellen: Paramount Pictures

 

Autor*in

Marc studierte Politik, Soziologie und Medienwissenschaft in Kiel. Für den ALBRECHT schreibt er seit 2015 insbesondere für das Kulturressort und dessen Filmsparte KinoKatze.

Marc Asmuß
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Marc studierte Politik, Soziologie und Medienwissenschaft in Kiel. Für den ALBRECHT schreibt er seit 2015 insbesondere für das Kulturressort und dessen Filmsparte KinoKatze.

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