Judith Rödger

„Stark abhängig von der studentischen Beteiligung“

Written by Judith Rödger. Posted in HOCHSCHULE

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Evaluationen // Quelle: Marc Asmuß

Published on Januar 18, 2018 with No Comments

Die Evaluation der Lehrveranstaltung als Chance

Was haben wir nicht alle schon in schlechten Vorlesungen oder Seminaren gesessen und uns Gedanken gemacht über die verschwendete Lebenszeit und Dinge, die wir stattdessen viel lieber getan hätten. Die Wohnung aufräumen, das Geschirr abwaschen, so einiges wäre manches Mal spannender gewesen. Doch wem berichten wir von unseren schlechten Erfahrungen oder auch dem Seminar, das uns tatsächlich gut gefallen hat, bei dem wir wirklich das Gefühl hatten, etwas gelernt zu haben? Meistens wohl nur unseren Kommiliton*innen. Das ist natürlich schön und gut, so unsere Erfahrungen weiterzugeben, damit andere wissen, bei wem eine gute Lehre erwartet werden kann und bei wem eher das Gegenteil der Fall ist. Wäre es da nicht trotzdem klüger, dem betreffenden Dozenten oder der Dozentin eine Rückmeldung darüber zu geben, was gut und was schlecht war? Wie gut, dass es an der CAU eine Möglichkeit gibt, mit dem dies getan werden kann – die Evaluation. Doch wie sinnbringend ist dieses System der Evaluation mit dem immer gleichen Fragebogen, der oft nicht recht zu der Lehrveranstaltung zu passen scheint, und wird es überhaupt genutzt? In den meisten Studiengängen, jedoch nicht in allen, wird regelmäßig nach einer Lehrveranstaltung eine Evaluation durchgeführt, manchmal sogar mit besonderen Anreizen für die Studierenden, die zum Beispiel mit einem Frühstück gelockt werden, wie es aus dem Studiengang Psychologie berichtet wird. Bei einer Umfrage des ALBRECHT auf facebook kam heraus, dass in anderen Fächern, wie Anglistik, Germanistik, Romanistik oder Geschichte zwar auch Evaluationen durchgeführt werden, jedoch kommen Zweifel auf, ob diese tatsächlich gewinnbringend sind. Denn auf der einen Seite nutzen nur sehr wenige Studierende die Möglichkeit, um ihre Rückmeldung zu geben, auf der anderen Seite kommt wiederum von den jeweiligen Dozierenden keine Rückmeldung zum Ergebnis der Evaluation, sodass das Gefühl entsteht, dass Feedback und Anregungen im Nichts verpuffen. Dabei sollte angemerkt werden, dass es keinen Nutzen hat, alles mit schlechten Noten zu bewerten, ohne zu sagen, was genau schlecht oder verbesserungswürdig ist. Der Satz: „Nicht beurteilbar, da nicht anwesend“, bringt da leider auch nicht sehr viel.

Die Lehrkräfte haben ebenso unterschiedliche Erfahrungen gemacht. So berichtet Professor Volker Seresse aus dem Fachbereich Geschichte, dass er in kleineren Lehrveranstaltungen einen auf den Kurs zugeschnittenen Fragebogen als Möglichkeit für die Rückmeldung anbietet. In größeren Vorlesungen kommt dann der vorgefertigte Evaluationsbogen zum Einsatz. Dort ist die Aussagekraft der Evaluation „jedoch stark abhängig von der studentischen Beteiligung“, berichtet Seresse.


Immer nur über die schlechte Lehrveranstaltung
meckern, aber nichts tun? Das geht anders!


Professor Andreas Mühling aus dem Fachbereich Informatik berichtet von seinen Kursen, in denen das Angebot der Evaluation gut genutzt wird. Jedoch seien dies eher kleine Lehrveranstaltungen und er werbe zusätzlich für die Teilnahme. „Ich versuche darüberhinaus auch andere Formen der Evaluation einzusetzen, die mir bereits früher im Semester ein Feedback zu den Veranstaltungen geben, sodass man gegebenenfalls rechtzeitig reagieren kann und nicht erst Verbesserungen im nächsten Durchlauf möglich sind“, so Mühling.

Der vorgefertigte Evaluationsbogen mit den immer gleichen Fragen ist also nicht die einzige Möglichkeit für die Dozierenden, sich Rückmeldungen von den Studierenden zu holen. Wichtig ist jedoch, dass möglichst viele an den Befragungen, in welcher Form auch immer, teilnehmen und ihre Kritik äußern. Allerdings sind viele Dozierende selbst kein Paradebeispiel. Von den fünf für die Recherche dieses Artikels angeschriebenen Dozierenden, antworteten nur zwei. Nur durch rege Teilnahme, von allen Seiten, kann die Lehre für die Zukunft optimiert werden. Also erzählt es nicht nur euren Kommiliton*innen, wenn eine Veranstaltung besonders gut oder schlecht war. Gebt das Feedback an die entsprechenden Lehrbeauftragten weiter, denn nur durch Lob oder konstruktive Kritik der Studierenden wissen sie, was besonders gut, oder was eher ein Schuss in den Ofen war. Wenn also wieder die unzähligen Aufforderungen zur Evaluationsteilnahme kommen, klickt sie dieses Mal nicht einfach weg, sondern nutzt eure Chance, die Lehre zu verbessern.


Titelbild: Marc Asmuß

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Judith Rödger

Judith ist seit April 2015 beim Albrecht. Sie studiert Deutsch und Geschichte auf Fachergänzung seit dem Wintersemester 2013/14.

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