Stimmgewaltig, aber wenig stimmig

Plattensau: MIKA – My Name Is Michael Holbrook

Bild: Leona Sedlaczek

Label: Republic
Veröffentlichung: 4. Oktober 2019

Mit Hits wie Grace Kelly, Big Girl (You Are Beautiful) und Relax, Take It Easy gelang dem britisch-libanesischem Sänger 2007 der Durchbruch. Doch zumindest in Deutschland konnte MIKA an diesen Erfolg nicht anknüpfen. Während treue Fans nicht oft genug betonen können, welch unterschätztes Talent der Musiker sei, graben Radiosender in Deutschland lieber die alten Hits wieder aus.

MIKAs neues Album My Name Is Michael Holbrook ist wie immer geprägt von seiner wandelbaren Stimme und Popelementen der 70er und 80er. Wie der Albumtitel verrät, wird es persönlich: Mit Tiny Love leitet MIKA das Album mit seiner ganz eigenen Hymne à la Elton John oder Freddy Mercury ein und springt dabei durch alle Genres. Der nachfolgende Discotrack Ice Cream hat definitiv Ohrwurm-Potential und steckt voller zweideutiger Anspielungen: I want your ice cream / I want it melting on my tongue. Einschlägig und mysteriös geht es in Dear Jealousy, einem Synth-Pop-Song, weiter. Zeilen wie I’m jealous of everything we could be / but it never really seems enough verraten dabei ganz persönliche, innere Konflikte des Sängers.

Der Song Sanremo zeigt im Musikvideo weitere private Facetten des Sängers: Als homosexueller Mann in den 1950ern, der seine Orientierung vor seiner Frau und Tochter geheim hält, streift er durch die Straßen von Sanremo. Auf der Suche ist er nach einem Ort, an dem er sich nicht verstellen muss: There you can shine like a star / There’s a place for you, whoever you are. In dem Song verarbeitet MIKA seine eigenen Hürden vor seinem Comingout. Auch andere Songs auf dem Album beweisen, dass es das bisher persönlichste von MIKA ist.

Doch sie plätschern wenig Aufsehen erregend vor sich hin. Auch wenn kein Song wie der andere klingt, lassen sie an einigen Stellen den bekannten Spritzer Glamour und einen musikalischen Zusammenhang im Album vermissen. Ein Plattenerfolg wie 2007 ist eher nicht zu erwarten, aber das wird dem selbstdefinierten Nischenkünstler wahrscheinlich herzlich egal sein.

Bild: Kārlis Dambrāns // flickr
Autor*in

Alexandra studiert Biochemie und Molekularbiologie. Sie ist seit Oktober 2016 beim Albrecht als Redakteurin aktiv, schreibt meist in der Gesellschaft und gestaltet den Weißraum – die kreative letzte Seite der Zeitung.

Alexandra Tietze
Über Alexandra Tietze 22 Artikel
Alexandra studiert Biochemie und Molekularbiologie. Sie ist seit Oktober 2016 beim Albrecht als Redakteurin aktiv, schreibt meist in der Gesellschaft und gestaltet den Weißraum – die kreative letzte Seite der Zeitung.

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