Studierende kämpfen um den Jägersberg 14

Ein Wohnheim mit Multikulti-Flair soll geschlossen werden

Das urige Studierendenwohnheim im Jägersberg 14 gleicht den anderen Wohnheimen Kiels in keiner Weise. Bunte Flure, uralte Möbel und fröhliche Gesichter erwarten einen beim Eintritt. Zwischen Studio Kino, Café Resonanz und Schrevenpark gelegen, befindet es sich auch noch in optimaler Lage für sonnige Nachmittage und spontane Abendplanungen. Seit 1981 beherbergt das Haus über 400 Studierende. Damals schenkte Frau Dr. Gertrud Schlüter-Göttsche, Ärztin und Kunsthistorikerin, ihr Haus der Fachhochschule Kiel. Noch zu Lebzeiten bot sie ihr Wohnhaus Studierenden als günstige Unterkunft an. Diese Tradition setzte sich nach ihrem Tod fort. Auf vier Etagen wohnten zunächst vornehmlich FHStudierende des Fachbereichs Technik. Mittlerweile leben Studierende der CAU, der FH und der Muthesisus-Kunsthochschule bunt gemixt zusammen. Ein wunderbarer Austausch, wie die Bewohnerinnen und Bewohner immer wieder erzählen.

Das Haus gehört der Dr. Schlüter-Göttsche-Stiftung. Seine Verwaltung liegt aber laut Satzung in den Händen der FH Kiel und wird betreut vom Studentenwerk Schleswig-Holstein. Für den Wohnungsausbau am Ostufer plant die FH Kiel nun, das Haus im Jägersberg 14 zu verkaufen. Die Sanierungskosten seien zu hoch, so die Begründung des Kanzlers. Am Ostufer soll Wohnraum ausschließlich für FH-Studierende geschaffen werden. Die Vernetzung zwischen Studierenden der unterschiedlichen Hochschulen bliebe dabei auf der Strecke.

Bis Ende August sollen die Bewohnerinnen und Bewohner ihre Zimmer im Jägersberg räumen, obwohl vier Verträge noch bis zum 31. August 2016 laufen. Über die Verlängerungsanträge der übrigen Studierenden wurde bisher nicht entschieden. Für die Bewohnerinnen und Bewohner des Studierendenwohnheims steht damit ihr Zuhause auf dem Spiel. Sie fühlen sich seitens der FH und des Studentenwerks nicht ernst genommen. „Es ist ja nicht einmal klar, wie hoch die Sanierungskosten wären“, so Bewohnerin Carina Lange, „mit uns möchte keiner reden“. Erst auf Initiative des AStA der FH Kiel gab es ein gemeinsames Gespräch mit Bewohnerinnen und Bewohnern des Jägersberg 14 und dem Kanzler. Unmissverständlich soll den Studierenden klargemacht worden sein, dass an der Entscheidung nicht zu rütteln sei und sie gut daran täten, nicht an die Öffentlichkeit zu gehen. Die Jägersberger, wie sie sich selbst nennen, sehen das aber als ihre einzige Chance und veranstalteten darum trotz der Warnung des Kanzlers am 24. Mai einen Tag der offenen Tür. Das Haus war an jenem Tag gut besucht und die Unterschriftenliste für den Erhalt des Hauses als Wohnheim wuchs auf 300 Unterschriften an. Mittlerweile sind es über 500.

Gemeinsam mit dem AStA der CAU suchen die Bewohnerinnen und Bewohner des Jägersberg 14 derzeit nach einem geeigneten Anwalt. Sie überlegen außerdem ein Baugutachten in Auftrag zu geben, um die tatsächliche Höhe der Sanierungskosten einschätzen zu können. Außerdem wird der AStA in den nächsten Wochen zu einem weiteren Runden Tisch einladen. Dabei sollen unter anderem die Präsidien der FH, CAU und Muthesius sowie eine Vertretung der Stadt anwesend sein. Carina Lange und ihre Mitbewohnerinnen und Mitbewohner wollen ihr Zuhause nicht aufgeben. “Wir sind eine richtige Familie”, betonen sie stets und zeigen sich entschlossen, weiter für den Erhalt des Jägersberg14 zu kämpfen.

Nachtrag am 01.07.14: In der ersten Version dieses Artikels wurden zwei Unterzeichner der Unterschriftensammlung inklusive ihrer Parteizugehörigkeit genannt. Selbstverständlich sind diese Unterschriften aber nicht relevanter als andere, weshalb die Namen nun gelöscht wurden.

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Über Diana Höhne 4 Artikel
Diana ist seit Dezember 2013 in der Redaktion. Sie studiert Soziologie und Politikwissenschaft im vierten Semester.

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