Studium mal anders

Homeoffice: Wenn das Wohnzimmer zum Hörsaal wird

Bild: Nikita Mädge

Seit einigen Wochen heißt es für uns: Studium im Homeoffice. Eine Situation, die für die meisten Studierenden nicht erst seit der Covid19-Pandemie ein Thema ist. Hausarbeiten wollen geschrieben und Vorlesungen vor- und nachbereitet werden und wenn der Gang zur Bibliothek zu mühselig ist, geschieht dies auch gerne mal von zuhause aus. Doch dieses Semester fällt vorerst nicht nur die Alternative des Bibliothekbesuchs weg, sondern auch die meisten Präsenzveranstaltungen sind vollkommen gestrichen, weshalb sich die Situation noch einmal deutlich ändert. Entweder die Sitzungstermine werden auf Plattformen wie Zoom und BigBlueButton virtuell abgehalten oder aber die Inhalte müssen selbst erarbeitet werden. Das Homeoffice ist dabei für viele von uns oftmals Fluch und Segen zugleich.

Eine Mischung aus Hass und Liebe

Homeoffice — das bedeutet: arbeiten, wann und wie wir Lust dazu haben. An sich klingt das entspannt, immerhin kann alles von zuhause erledigt werden und es sind keine festen Termine einzuhalten, an denen es in der Uni zu erscheinen gilt. Das war zumindest immer meine naive Vorstellung, denn die Realität sieht für viele Studierende wahrscheinlich doch etwas anders aus. Es fällt schwer, zu einer geregelten Uhrzeit aufzustehen und auch die Zeit am Tag kann besser genutzt werden: im Haushalt helfen, das Zimmer mal ordentlich ausmisten oder endlich mal wieder mit Freund*innen telefonieren, eben alles, für das normalerweise zu wenig Zeit ist. Hinzu kommt, dass viele Vorlesungszeiten und Deadlines eben doch eingehalten werden müssen. Dennoch geht die Uni weiter und wir müssen unser Gehirn irgendwie darauf umpolen, dass ein neues Semester begonnen hat.

Wie gelingt mir denn nun dieses Homeoffice?

Das sieht natürlich bei jeder*m von uns anders aus. Trotzdem gibt es ein paar generelle Tipps, die vielen von uns dabei helfen können.

Das Grundlegendste zuerst, obwohl es sicherlich schwerfällt: den Tagesrhythmus beibehalten. Damit der Körper merkt, wann Nacht und wann Tag ist, vielleicht zur Abwechslung mal ohne heruntergezogene Jalousien schlafen und mit natürlichem Sonnenlicht aufwachen. Sich morgens ganz normal fertig zu machen hilft, um aus dem Quark zu kommen. Also raus aus der Jogginghose und rein in die Jeans! Auch bei der Arbeitsplatzwahl ist Vorsicht geboten. Wer von zuhause aus arbeitet, kann es sich natürlich erlauben, dies theoretisch auch von der Couch oder gar aus dem Bett heraus zu tun. Um das richtige Arbeitsflair vermittelt zu bekommen, empfiehlt es sich aber, sich an einen richtigen (Schreib-)Tisch zu setzen. Wenn so ein Ort gefunden ist, hilft schließlich ein konkreter Überblick, wann was in welchem Fach zu erledigen ist. Eine To-Do-Liste mit nahenden Abgaben und zu schreibenden E-Mails oder vielleicht sogar eine Art Stundenplan zu erstellen kann dabei eine sinnvolle Stütze sein. Wer es immer noch nicht getan hat, sollte wohl spätestens jetzt einsehen, dass es eine gute Idee ist, sich eine Weiterleitung der Uni-Mails an die private Mailadresse einzurichten.

Ein aufgeräumter Schreibtisch ist schon die halbe Miete für erfolgreiches Arbeiten (Bilder: Kristin Finke)

Und dann kommt der große Augenblick, auf den wir bis jetzt hingearbeitet haben: Wir setzen uns hin und fangen an zu lernen. Im Idealfall sollte das Smartphone dabei nicht zum Ablenken verführen. Alexander Markowetz, Informatiker und Autor, fand in seiner Studie heraus, dass wir alle 18 Minuten unser Handy nutzen.

Die allermeiste Zeit verbringen wir auf WhatsApp und Facebook. Das Problem sind allerdings nicht die Inhalte, die wir nutzen. Viel größere Sorgen bereitet mir, dass die permanente und wiederholte Smartphone-Nutzung unsere Aufmerksamkeit zerstückelt und wir dadurch ständig abgelenkt sind.

Alexander Markowetz

Diesen Störfaktor also am besten von Anfang an umgehen und das Handy in einen anderen Raum legen oder wenigstens stummschalten.

Damit das Sitzen vor dem Computer nicht zur einzigen Tätigkeit des Tages wird, sind genügend Pausen unverzichtbar. Ein Spaziergang oder Workout an der frischen Luft kommen da wie gerufen. Auch während der Lerneinheit können Kleinigkeiten wie ein leckerer Tee oder eine Duftkerze das Lernen verschönern. Und wenn alleine arbeiten keinen Spaß macht, warum dann nicht nebenbei mit einer*m Freund*in skypen? So können soziale Kontakte auch weiterhin aufrechterhalten werden.

Ist das der neue Unialltag?

Durch die Digitalisierung ist sowohl im Arbeits- als auch im Unialltag schon vieles möglich gemacht worden. Was für uns gerade neu ist, ist in anderen Ländern wie beispielsweise China schon längst gängige Praxis. Mehrere Studien, zum Beispiel eine von Wirtschaftswissenschaftler Michael Beckmann, zeigen, dass Arbeitnehmer*innen, die aus dem Homeoffice arbeiten, im Durchschnitt einen höheren Arbeitseinsatz zeigen als Kolleg*innen im klassischen Büro am Firmenstandort.

Im Durchschnitt arbeiten Homeoffice-Arbeitnehmer knapp 2.5 Stunden mehr pro Woche als Arbeitnehmer ohne Homeoffice-Möglichkeit.

Michael Beckmann

Und auch wenn jede*r bestimmt etwas Zeit braucht, um sich an das E-Learning zu gewöhnen, sollten wir dem Homeoffice eine Chance geben und lernen, wie wir persönlich am besten von zuhause aus studieren können. Das kann uns dann auch helfen, sobald der normale Unialltag wieder losgeht. Denn Studium bedeutet in den meisten Studiengängen nunmal auch ein gewisses Maß an Homeoffice. Letztendlich freuen wir uns aber wohl alle auf die Zeit, in der Rückfragen face-to-face gestellt werden können und ein gemeinsames Schlemmen in der Mensa wieder möglich ist.

Autor*in

Kristin studiert Soziologie und Politikwissenschaft im vierten Semester. Sie ist seit Ende 2018 beim ALBRECHT und ist Ressortleiterin der "Hochschule".

Über Kristin Finke 8 Artikel
Kristin studiert Soziologie und Politikwissenschaft im vierten Semester. Sie ist seit Ende 2018 beim ALBRECHT und ist Ressortleiterin der "Hochschule".

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