THE DUKE OF BURGUNDY – Filmkritik

Quelle: Edition Salzgeber

„This is all I ever dreamed about“ flüstert ein Voice-over, welcher so zart spricht, dass nur diejenigen ihn zu hören vermögen, die ihm ganz nahe scheinen. Bei dem Voice-over handelt es sich nicht um eine Erzählstimme, sondern eher um eine Art Echo, von etwas Vergangenem, das in die Gegenwart nachhallt. Doch an welchem Ort, zu welcher Zeit die Geschichte spielt ist nicht genau zu bestimmen. In der Eröffnungssequenz halten die bewegten Bilder wiederholt inne, um für einen kurzen Moment in nostalgische Sepia-Färbung zu verfallen, bis sie sich wieder in Bewegung setzen. Dadurch wirkt die Geschichte von Beginn an märchenhaft. Das Setting, ein wunderschönes altes, mit Pflanzen bewachsenes Schloss, die umliegenden Gärten und Wälder, die Kostüme der Figuren sowie der Umstand, dass die Wege vom Haus zum Entomoglogischen Institut oder in die Stadt von den Protagonistinnen ausschließlich auf alten Fahrrädern abgefahren werden, unterstützen die Illusion. Doch diese märchenhafte Fassade birgt Geheimnisse.

Nachdem Peter Stickland über ein Jahr mit The Duke of Burgundy die internationalen Filmfestivals bespielt hat (unter anderem auch das Fetisch Festival im Traum-Kino in Kiel), bekommt er endlich einen deutschen Kinostart. The Duke of Burgundy erzählt die Geschichte von Cynthia (Sidse Babett Knudsen) und Evelyn (Chiara D’Anna), zwei sehr unterschiedlichen Frauen, deren Liebe so stark ist, dass sie die erniedrigenden Vorlieben des anderen toleriert, obwohl sie daran zu zerbrechen droht. Die intelligente und wundervolle Kameraarbeit von Nic Knowland nimmt wechselhaft Cynthias oder Evelyns Perspektive ein. Mit dem Perspektivwechsel ändert sich ebenso die Atmosphäre des Films, die den Konventionen des Fetisch-Film unterliegen. Der Fetisch spielt jedoch nur eine Nebenrolle, im Fokus steht die dysfunktionale Beziehung der Figuren.


Quelle: Edition Salzgeber
Quelle: Edition Salzgeber

FAZIT

Mit The Duke of Burgundy ist Peter Strickland ein traumhaftes Werk über die Liebe zweier Menschen gelungen, das die Erzählregel des ‚Sag es dreimal‘, damit es wirklich jeder versteht, vielleicht zu stark befolgt. Gleichwohl verstärkt es den inneren Konflikt, in dem sich die Figuren befinden. The Duke of Burgundy schafft durch bezaubernde, leicht surreale Bilder sowie einen hypnotisierenden Soundtrack und Soundeffekte ein wunderschönes Kinoerlebnis.


WERTUNG: 8,0 Kinokatzenpunkte


The Duke of Burgundy
Peter Strickland, UK 2014, 104 Minuten, OmU (Originalfassung mit Untertitel)
Cast: Sidse Babett Knudsen, Monica Swinn, Chiara D’Anna

Filmstart: 3. Dezember 2015

Zu sehen im Traum-Kino in der TraumGmbH

Autor*in

Marc studierte Politik, Soziologie und Medienwissenschaft in Kiel. Für den ALBRECHT schreibt er seit 2015 insbesondere für das Kulturressort und dessen Filmsparte KinoKatze.

Marc Asmuß
Über Marc Asmuß 44 Artikel
Marc studierte Politik, Soziologie und Medienwissenschaft in Kiel. Für den ALBRECHT schreibt er seit 2015 insbesondere für das Kulturressort und dessen Filmsparte KinoKatze.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*