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Kindheitshelden: High School Musical

Wer von euch hat die Überschrift auch gerade im Kopf gesungen und nicht nur gelesen? Wer denkt jetzt an die erste Liebe, Schuldramen, Tanzeinlagen und Basketball? Welches Team? Wildcats! Und für alle anderen, die noch immer nicht wissen, wovon ich rede: Es geht um High School Musical

Entweder wurde diese dreiteilige Filmreihe geliebt (oft auch nur heimlich) oder gehasst. Doch so oder so, ich kenne kaum eine Person, die nicht weiß, wer Troy Bolton und Gabriella Montez sind, das Traumpärchen meiner Jugend. 

Wer sind Troy und Gabriella? 

Für diejenigen, die die Filme nicht gesehen haben, hier ein kurzer Einblick, worum es überhaupt geht: Troy Bolton (gespielt von Zac Efron) ist in seinem zweiten High School-Jahr. Er ist beliebt und der Kapitän der Basketballmannschaft der Schule. In diesem Jahr soll sich für ihn aber einiges ändern: Im Urlaub lernte er beim Karaokesingen Gabriella (gespielt von Vanessa Hudgens) kennen und zusammen merken sie, dass ihnen Singen Spaß macht. Zufälligerweise wechselt die hochbegabte Gabriella auch auf seine Schule und bald verlieben sie sich ineinander.  

Das Problem: An der East High herrscht ein Cliquen-Prinzip und Troys Freunde sind nicht begeistert, dass er mit einem Nerd-Mädchen zusammen sein will. Dass die beiden auch noch bei einem Schul-Musical auftreten wollen, führt zu einigen Konflikten, denn die Theatergruppe gilt als uncool. Außerdem müssen Troy und Gabriella sich bei den Castings gegen die Zwillinge Ryan und Sharpay Evans (gespielt von Lucas Grabeel und Ashley Tisdale) durchsetzen, die seit Jahren die Hauptrollen in Musicals spielen und nicht von den Neulingen ausgebootet werden wollen – außerdem ist Sharpay seit Jahren in Troy verliebt und versucht nun alles, um Troy und Gabriella auseinanderzubringen. Der ganze Film ist ein Musical, denn es wird nicht nur auf der Bühne gesungen. In den darauffolgenden Filmen geht es weiterhin um die Beziehung zwischen Troy und Gabriella, den Erfolgsdurst von Sharpay, die große Frage nach der eigenen Identität und ob eine Gruppenzugehörigkeit das eigene Selbst definiert. 

Die Wildcats und ich 

Bei mir fing alles 2007 an – die Expert*innen wissen, dass ich eine Späteinsteigerin war, denn der erste Teil kam bereits 2006 in die Kinos – als eine Freundin mich in ein Elektronikgeschäft zerrte, weil sie sich unbedingt die DVD des gerade erschienenen zweiten Teils kaufen wollte. Ich hatte da zwar schon von den Filmen gehört, war allerdings immer eines dieser Mädchen gewesen, die zu Hause Harry Potter gelesen und sonst nichts von der aktuellen Popkultur mitbekommen haben. Damals war ich auch erst zwölf. Dem Rat meiner Freundin folgend, kaufte ich mir den Soundtrack des zweiten Teils. Meine Eltern machen sich noch heute über das lustig, was dann folgen sollte. 

Ich hörte die CD jede Nacht zum Einschlafen. Mit Hilfe des inzwischen zerfledderten Coverheftchens lernte ich die Texte auswendig (ja, auch Humuhumunukuapua’a kann ich bis heute) und verstand noch nicht einmal alles, was gesungen wurde. Dann kaufte ich mir die DVD, die erste, die ich mir je gekauft habe. Mit meiner Freundin schaute ich dann auch den ersten Teil und wir haben zusammen gesungen und versucht, die Choreografie von Work This Out zu lernen. In der Schule haben meine Freundinnen und ich die Trennungsszene von Troy und Gabriella nachgespielt (in den Umkleideräumen, nur da gab es die richtige Akustik, um Gotta Go My Own Way zu quietschen). 

Die erste Bravo, die ich besaß, kaufte ich nur, weil Vanessa Hudgens auf dem Cover war und ich endlich ein Poster von ihr hatte. Es dauerte nicht lange und es gab keinen freien Fleck mehr an meiner Wand. Zu meinen größten Jugendsünden gehört ein überlebensgroßes Poster von Zac Efron. Mit offenem Hemd auf einer Couch liegend, genau über meinem Bett. Oh, was war ich verliebt. 

Ich wurde wütend, wenn mein Vater Troy „Zaciboy“ nannte und mich jedes Mal, wenn ich den zweiten Teil im Wohnzimmer schaute, darauf hinwies, wie orangefarben seine Haut in dem Film ist. Um ehrlich zu sein, heute lache ich auch darüber, wie schlimm die Farben sind, wie grün kann eigentlich Gras sein? 

14 Jahre später – das Comeback 

Zugegeben, die schauspielerischen Leistungen waren nicht gerade oscarreif – wir erinnern uns zum Beispiel an die dramatische Szene am Teich während Bet On It oder wie cool Troy im ersten Teil immer an der Wand lehnt, wenn er auf Gabriella wartet oder nicht gesehen werden will. Und doch, für die Darsteller*innen war es der Durchbruch. Zac Efron hat es mittlerweile geschafft, sein Sunny Boy-Image und den Schwungpony loszuwerden und sich in Hollywood einen Namen zu machen. Vanessa Hudgens und Corbin Bleu (Chad) sind in einigen Netflix-Produktionen zu sehen und Ashley Tisdale hat sich inzwischen auf ihre Musikkarriere konzentriert. 

Übrigens fand ich den dritten Teil nicht so gut, sogar eher langweilig und bis auf The Boys Are Back und Can I Have This Dance ist mir kein Song im Gedächtnis geblieben. Lange wurde gemunkelt und von einigen Fans gehofft, dass Disney einen vierten Teil auf die Leinwände bringt. Disney hat sich jedoch für etwas anderes entschieden und stattdessen eine Serie produziert: High School Musical – Das Musical – Die Serie. Seit November 2019 ist die Serie in den USA, Kanada und den Niederlanden bei Disney+ zu sehen, am 24. März 2020 wurde der Streaming-Dienst auch in Deutschland verfügbar und Fans konnten dort die ersten Folgen sehen. Die Serie hat eine komplett neue Besetzung und dreht sich um die Schüler der East High School, der Schule, an der die Filme  spielen und wo nun ein Musical stattfinden soll, das die Geschichte des ersten Films nacherzählt. Dafür sprechen die Charaktere des neuen Casts für die Rollen des Originals vor. Der Erfolg der Serie bleibt abzuwarten, denn viel Ähnlichkeit (außer der Schule) gibt es bisher nicht, da die Serie zusätzlich als Mockumentary (wie bei Modern Family) gedreht wird. 

Es ist noch lange nicht vorbei 

Dass eine solche Serie produziert wird zeigt aber auch, wie sehr die Filme geliebt wurden und dass die Fans bis heute nicht genug bekommen können. Denn es gibt zwar keine Poster mehr in meinem Zimmer und meine Zac-Phase ist auch vorbei, aber trennen konnte ich mich trotzdem nicht. Wenn ich dusche, singe ich jedes Mal You Are The Music In Me und ich wusste, dass mein Freund der Richtige ist, weil er den ersten Teil auf DVD hat. Noch immer treffe ich mich mit meinen Freund*innen und wir schauen regelmäßig alle Filme – allerdings machen wir dazu ein Trinkspiel (vorher wird einem sonst gar nicht bewusst, wie oft tatsächlich „Wildcats!“ gerufen wird). Inzwischen bin ich übrigens auch Team Sharpay, meiner Meinung nach wurde sie oft zu Unrecht zur Bösen gemacht. 

Mit High School Musical und dessen Darsteller*innen bin ich aufgewachsen. Sie waren mein erster Kontakt zur Popkultur – und ja, auch Mainstream – und obwohl es nicht die besten Filme und Lieder der Welt sind, bin ich froh, dass es immer noch Leute gibt, die mit mir zusammen in die Bürste singen, wenn es heißt: We’re soarin‘, flyin‘, there’s not a star in heaven that we can’t reach! 

Autor*in

Eileen studiert BWL und ist seit Oktober 2018 Teil der Redaktion. Sie leitete von Februar 2019 bis Februar 2020 das Ressort für Gesellschaft. Seitdem ist sie die stellvertretende Chefredakteurin. Außerdem werden viele der Illustrationen im Albrecht von ihr gezeichnet.

Eileen Linke
Über Eileen Linke 21 Artikel
Eileen studiert BWL und ist seit Oktober 2018 Teil der Redaktion. Sie leitete von Februar 2019 bis Februar 2020 das Ressort für Gesellschaft. Seitdem ist sie die stellvertretende Chefredakteurin. Außerdem werden viele der Illustrationen im Albrecht von ihr gezeichnet.

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