Tod auf See

Auch 2019 sterben Menschen bei Fluchtversuchen

Rettungsaktion im Mittelmeer / UNHCR/A. D'Amato

Das Mittelmeer ist als Fluchtroute sehr gefährlich. Das bestätigt die Zahl der Menschen, die auf ihrer Flucht nach Europa ertrunken sind. 2018 sind laut UN-Flüchtlingsorganisation UNHCR von den insgesamt 139 300 Geflüchteten 2 275 gestorben. Im Schnitt sind das sechs Tote am Tag und auf der Route von Libyen nach Europa bezahlt jeder 15. Geflüchtete mit dem Leben. Dabei handelt es sich jedoch nur um die offiziellen Zahlen, die Dunkelziffer ist nicht eingerechnet.

Und auch 2019 reißen die Nachrichten von Seeunglücken nicht ab, laut UNHCR sind schon 185 Menschen ertrunken. Im Januar starben 53 Geflüchtete im westlichen Mittelmeer, es gab nur einen Überlebenden, der mehr als 24 Stunden im Wasser trieb. Das Boot und andere Überlebende wurden nicht gefunden. Kurz darauf sank ein weiteres Schlauchboot mit etwa 120 Passagieren (darunter auch Kinder), weil es Luft verloren haben soll, wie die Tagesschau berichtete. Es konnten nur drei Menschen gerettet werden.

Verantwortlich dafür ist unter anderem die Politik einiger europäischer Staaten und Parteien, darunter auch die der CDU/CSU, die eine Einreise verweigern. Dadurch sitzen viele Geflüchtete auf See fest und müssen tagelang warten. Außerdem werden Nichtregierungsorganisationen (NGOs) durch staatliche Maßnahmen von ihren Rettungsaktionen abgehalten, indem diese verboten werden. Dabei schätzt die UNHCR, dass etwa 40 Prozent aller Einsätze von NGOs geleistet werden. Im Gegensatz dazu will die EU laut Tagesschau die Truppen der Grenzschutzagentur Frontex von 2020 bis 2027 auf bis zu 10 000 Einsatzkräfte ausbauen. Die Aufgaben von Frontex liegen in erster Linie nicht bei der Seenotrettung, sondern bei dem Schutz der EU-Außengrenzen, wodurch Migrantinnen abgewehrt werden. Allerdings sei die Zahl der unerwünschten Grenzübertritte in die EU zurückgegangen, 2018 waren es 27 Prozent weniger als 2017, wie die FAZ berichtete.

Politiker*innen begründen ihre Haltung unter anderem damit, dass Seenotrettungsaktionen ein Pull-Faktor wären, ein Faktor, der Menschen zur Flucht über das Meer verleiten würde. Die Schlepper würden davon ausgehen, dass die Geflüchteten gerettet werden. Das widerlegt jedoch eine Studie von Elias Steinhilper und Rob Gruijters aus dem Jahr 2017, die die Zahl der Flüchtenden auf den Mittelmeerrouten zu Zeiten mit hoher Präsenz an Seenotrettungsschiffen mit Zeiten geringerer Präsenz vergleicht. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass es durch mehr Schiffe zwar weniger Tote gibt, nicht aber gleichzeitig auch weniger Geflüchtete. Somit seien die Rettungsschiffe kein Pull-Faktor.

Folglich steht die Humanität der europäischen Flüchtlingspolitik in der Kritik, denn solange noch so viele Menschen auf dem Mittelmeer nach Europa kommen, können Seenotrettungsmissionen nicht verboten werden, ohne den Tod dieser Menschen in Kauf zu nehmen.

Eileen Linke
Über Eileen Linke 5 Artikel
Eileen studiert BWL und ist seit Oktober 2018 Teil der Redaktion. Sie leitet seit Februar das Ressort für Gesellschaft.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*