Johanna Touoda

„Und was willst du damit später mal machen?“

Written by Johanna Touoda. Posted in GESELLSCHAFT

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Published on Oktober 25, 2017 with No Comments

„Damit kannst du doch später nichts anfangen.“ Ein Satz, mit dem sich viele Studierende, insbesondere der zahlreichen Geisteswissenschaften, konfrontiert sehen, wenn es um die Sinnhaftigkeit des eigenen Studienfaches geht. Solch eine Behauptung kann nicht nur Verunsicherung sondern auch Selbstzweifel, vielleicht auch einen Studiengangwechsel zur Folge haben. Denn er impliziert eine gewisse Sinnlosigkeit des Studienfaches. Doch was ist dieser Sinn überhaupt?

Hierfür eine allgemein gültige Antwort zu erhalten, erweist sich als durchaus schwierig. Nicht umsonst zerbrechen sich seit tausenden von Jahren nicht nur Philosophen über diese Frage ihre Köpfe. Sie beeinflusst unser aller tägliches Leben. Warum tun wir, was wir tun? Welcher Sinn steckt dahinter?

Da ein Großteil des Lebens damit verbracht wird, irgendeiner Arbeit nachzugehen und der Beruf somit einen prägenden Faktor für die eigene Identität darstellt, wird insbesondere hier nach Sinnhaftigkeit gesucht. Immer mehr Studierende legen Wert darauf, dass ihr Studium sie nicht nur auf einen langfristigen, sondern auch auf einen persönlich sinnstiftenden Beruf vorbereitet. Diese ständige Orientierung nach dem Sinn baut einen enormen Druck auf, der dazu führen kann, dass eine regelrechte Sinnkrise entsteht, wenn keine befriedigenden Lösungen gefunden werden.

Von außen betrachtet ist das Studium hauptsächlich ein Weg ins Berufsleben, dass für das spätere Leben Erfolg, Wohlstand und auch Ansehen ermöglichen soll. So wird nach weitverbreiteten Meinungen BWL studiert, weil das später viel Geld einbringt, Deutsch natürlich auf Lehramt, ansonsten bleibt nur eine Zukunft als Taxifahrer*in und wer sich mit Computern auskennt, studiert selbstverständlich Informatik. Doch es gibt auch Menschen, die einen anderen Sinn im Studium sehen. Denn es ist ebenfalls eine Möglichkeit sich auszuprobieren und neue Interessen zu entdecken, sowie Kompetenzen und Fähigkeiten zu fördern. Zwar sind die späteren Jobchancen nicht ganz irrelevant, allerdings bringt nicht jeder Studierende für alle Fächer die notwendigen Fähigkeiten, Begabungen und vor allem Interessen mit. Daher ist es nicht immer logisch, sich zu sehr von den äußeren Sinnvorstellungen beeinflussen zu lassen.

Diese sind meistens sehr verallgemeinernd und werden vielen Studierenden nicht gerecht. Das Klischee vom geldgeleiteten BWL-Studierenden erfasst zum Beispiel nicht, dass ein schlichtes Interesse an Betriebswirtschaftslehre und der eventuelle Wunsch, später einmal einen eigenen Betrieb aufzubauen, der ausschlaggebende Grund für die Wahl des Studiengangs sein kann.

Bei den Geisteswissenschaften ist es ähnlich. Es gibt viele Studierende, die sich für ein Lehramtsstudium entscheiden, weil es ihr Wunsch ist, später als Lehrer beziehungsweise Lehrerin zu arbeiten. Dagegen gibt es sicherlich auch Studierende, die zwar Interesse am entsprechenden Fach zeigen, allerdings nicht am Lehrer*innen-Dasein, sich dennoch auf ein Lehramtsstudium einlassen aufgrund der äußeren Vorurteile von Sinnhaftigkeit.

Jeder Mensch vertritt andere Sinnvorstellungen für deren Erfüllung individuelle Kriterien gelten. Im Studium können Erfahrungen gesammelt und Talente entdeckt werden. Es dient somit als eine Art Orientierungsweg zum persönlichen Sinn.

Um die Frage klären zu können, welches Studienfach nun sehr sinnversprechend ist, ist es hilfreich, sich selbst darüber klar zu werden, worauf persönlich besonders viel Wert gelegt wird. Denn den allgemein gültigen Sinn gibt es nicht. Sinn muss von jedem individuell definiert und gefunden werden. Dementsprechend hat auch jeder Mensch unterschiedliche Kriterien, wann etwas als sinnerfüllend angesehen werden kann. Manchen ist es wichtig etwas für die Umwelt zu tun, anderen viel Geld zu verdienen und wiederum andere wollen etwas in der Gesellschaft verändern. Egal welcher Sinn hinter einer Sache steht, es ist schwierig die Sinnhaftigkeit gegeneinander abzuwägen und als besser oder schlechter abzustempeln. Denn am Ende kann nur jeder für sich selbst herausfinden, wann das eigene Leben Sinn erzeugt und was dafür zu tun ist.


Bildquelle: Holger Thie / flickr

 

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Johanna Touoda

Johanna studiert seit dem Wintersemester 2016/17 Deutsch und Soziologie an der CAU. Sie ist seit Oktober 2016 Teil der ALBRECHT-Redaktion.

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