Uni ist nicht gleich Uni

Wie jeder Dozierende sein eigenes Süppchen kocht - Ein Kommentar

Einheit, Informationsfluss und Zentralität gehören nicht unbedingt zu den Stärken der Kieler Uni. Das stellt bereits jeder Ersti an seinen ersten Unitagen fest. Und dieser Eindruck ist bleibend. Gerade bei den Seminaren wird oft deutlich, wie ein Chaos an Veranstaltungen, Terminen und anderem das Uni-Angebot durchzieht. So müssen sich viele Unglückliche in mancherlei Hinsicht mit den Auswirkungen dieses Problems beschäftigen. Dazu gehören etwa Zwei-Fach-Studierende, wie ich, oder interdisziplinär Studierende.

Bei dem ersten Versuch Organisation ins Chaos zu bringen, beginnen dann die Probleme – angefangen mit der Stundenplangestaltung. Diese vermeintlich harmlose Aufgabe birgt schon für sich allein viele Fallstricke. Es gilt zu klären: Welche Anmeldefrist habe ich jetzt? Wo und wie melde ich mich an? Und gibt es für mich überhaupt noch einen Platz? Wurde erstmal die Anmeldefrist ausfindig gemacht, ist das Seminar dann meist schon voll. Auf den Wartelisten tummeln sich bereits zig hoffnungsvolle Studierende, die ebenfalls hinter den Windhunden zurückblieben. Auch bei meiner Semesterplanung tappe ich bei den Kursanmeldungen immer noch halbjährlich in neue unvorhersehbare Fallen. Letztes Semester zum Beispiel entschloss sich meine Fakultät kurzerhand, die Kursanmeldungen zwei Stunden früher als angegeben beginnen zu lassen. Mein Vertrauen in angeblich festgesetzte Fristen war also leider fehl am Platz.

Sollte mit den Anmeldefristen tatsächlich alles klappen, wartet auch schon die nächste Challenge. Wer kennt ihn nicht, den berühmt berüchtigten Dschungel aus Websites? Da gibt es zum Beispiel das Open OLAT. Dort sind Vorlesungsfolien und andere Materialien zu finden. Aber hier kann sich auch für Kurse eingeschrieben werden – für einige zumindest. Andere Kurse lassen sich dann nur über das QIS erhaschen. War´s das schon? Natürlich nicht! Einschreibungen können auch noch per E-Mail an die Dozierenden, Briefanmeldung oder auch per Brieftaube, Rohrpost und was auch immer der Dozierende für amüsant befindet, gesendet werden. Ich beispielsweise nutze zwar meist das OLAT für die Einsicht der Kursunterlagen. Doch wurde mir nun klargemacht, dass auch manche Dozierende mit dem Umgang der Websites überfordert sind. Sie suchen sich dann irgendeine der Seiten aus, mit der sie umgehen können. So kam für mich dieses Semester noch lehreonline hinzu. Vielleicht braucht es mehr „how to“ an der Uni?

Nach Vollendung dieses Prozesses lauern dann die Tücken des Semesters selbst. Wie die Treppen bei Harry Potter sind auch die Vorlesungen und Seminare sehr unbeständig. Termine erscheinen launisch und werfen so gerne mal den Stundenplan gründlich durcheinander. Zum Beispiel wandert eine Vorlesung in den Zeitslot vom Tutorium für eben genau diese Vorlesung. Das Tutorium macht der Vorlesung Platz, sucht sich einen x-beliebigen anderen Termin und ich darf den Stundenplan neu organisieren. Wie bereits erwähnt, sind die Kurse dann aber schon voll. Gewählt ist gewählt.

Besonders schlimm sind dabei die interdisziplinär Studierenden betroffen. Immer wieder wird die Bedeutung der Interdisziplinarität hervorgehoben. Gerade in den Geisteswissenschaften ist vernetztes Denken oft Bestandteil des Faches selbst. So wäre etwa die Politikwissenschaft ohne die Geschichte, Philosophie und Soziologie nicht denkbar. Doch es ist genau dieser wagemutige Blick über den Tellerrand, der einem erst die Sorgen beschert. Gerade diese Gruppe an Studierenden trifft diese Willkürlichkeit oft am Ehesten. So ist der erste Versuch etwas Neues zu entdecken eine besonders große Herausforderung. Doch Dozierende sind bei fachfremden Studierenden oft überfragt. Interdisziplinäres Studieren ist also möglich, doch leicht wird es einem nicht gemacht.

Auch wenn es sich bei Vielfältigkeit um ein schönes Wort handelt, ist es bei Organisatorischem völlig fehl am Platz. Mehr Einheitlichkeit ist das, was wünschenswert wäre. Ebenfalls die Gewöhnung an diese Probleme macht es nicht weniger lästig, sich Semester um Semester mit dem Uni-System rumzuschlagen. So bleibt die Hoffnung, dass Dozierende ihre Seminarinformationen transparenter, einheitlicher und auch zentraler gestalten. Jedoch müssten sich diese dafür erst einmal zusammen tun, um gemeinsam eine Suppe zu kochen.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*