Verzweiflung inklusive

Über den Fachbibliotheken-Wahnsinn an der CAU

Bild: Robert Anasch // unsplash

Ihr sucht Herausforderungen, habt lange keinen Grund mehr gehabt, euch so richtig die Haare zu raufen und sehnt euch regelrecht danach, mal wieder vor Frustration die Wände hochzugehen?

Hier mein Vorschlag: Versucht doch einfach mal eine Hausarbeit zu einem interdisziplinären Thema zu schreiben. Das ist auf den ersten Blick eine richtig gute Idee. Ihr seht über den Tellerrand hinaus, wendet euer Wissen auf neue Fragestellungen an und lernt nebenbei ganz andere Perspektiven kennen. Geradezu beflügelnde Aussichten? Stimmt. Nur bringt die Realität des CAU-eigenen Fachbibliotheken-Wahnsinns motivierte Studierende schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.

Vorbei ist es mit der interdisziplinären Verheißung nämlich spätestens dann, wenn zur Literaturrecherche die erste Fachbibliothek betreten werden muss. Dort warten einige unerwartete bis völlig absurde Hindernisse, insbesondere auf fachfremde Studierende. Hier meine persönliche Auswahl:

Ihr wollt euch ein Buch ausleihen? Also so richtig mit nach Hause nehmen? In den meisten Fachbibliotheken gibt es (offiziell) nur einen Präsenzbestand. Je nach Fachbib, Mitarbeiter*in, Alter und Relevanz des Buches sowie dem aktuellen Pegel des Nord-Ostsee-Kanals gibt es aber Ausnahmen. Das gilt zumindest für die Studierenden des jeweiligen Fachs. Ausnahmen für fachfremde Studierende – ganz vielleicht, eventuell, wenn ihr nett lächelt oder herzzerreißend weint. Aber es gibt natürlich auch Fachbibs, die ein Einsehen haben und so studierendenfreundliche Regelungen anbieten, wie das Ausleihen über das Wochenende. Das heißt: Mitnehmen kurz vor Ende der Öffnungszeiten am Freitag und Zurückbringen gleich zu Beginn am Montagmorgen. Zu diesen besonderen Terminen habt ihr schon was vor? Tja, Pech gehabt.

Ihr möchtet am Wochenende zur Fachbibliothek? Tut mir leid, nur die allerwenigsten haben am Wochenende geöffnet und wenn überhaupt natürlich nur am Samstag. Da müsst ihr schon bis Montag warten, aber Obacht: Bei vielen kann von durchgehenden Öffnungszeiten unter der Woche lange nicht die Rede sein.

Ihr seid in der Fachbib angekommen, habt das Signaturen-System durchschaut und findet das gewünschte Buch dennoch nicht im Regal? Fragt doch mal an der Theke, vielleicht wurde es ja doch ganz ausnahmsweise entliehen. Das konntet ihr natürlich nicht wissen, online ist die Verfügbarkeit nämlich nicht einzusehen. Digitales Zeitalter? Die Fachbibs haben es noch nicht erreicht.

Ihr braucht ein Buch der Geschichts- oder Rechtswissenschaften? Die Eintrittskontrollen der beiden Fachbibs lassen jeden Grenzbeamten der USA vor Neid erblassen. An der Pforte müsst ihr euren Personalausweis abgeben. Wer das nicht ungefragt tut, wird prompt zurückgepfiffen. Hier muss schließlich Recht und Ordnung herrschen!

Ihr gehört zu denen, deren Studium generell nicht so häufig Literaturrecherchen verlangt und ihr wisst vielleicht nicht mal genau, wo eure eigene Fachbib ist? Dann könnt ihr das Ausmaß dieses Dramas wahrscheinlich nicht verstehen. Es gibt aber Studiengänge, die eine interdisziplinäre Ausrichtung mit sich bringen oder Fachrichtungen, deren Literatur in verschiedenen Fachbibliotheken zu finden ist. Während meines Studiums, das sich im Wesentlichen um Nachhaltigkeit dreht und einige Hausarbeiten beinhaltet, wurden mir relevante Literaturtreffer in bisher acht verschiedenen Fachbibs vorgeschlagen. Da geht es dann nicht mehr nur um eine Prüfung im ganzen Studium oder ein einzelnes Buch, sondern um viele kleine Kämpfe mit diesem untragbaren System.

Wenn ich dann von „gelebter Interdisziplinarität“ auf der Uni-Webseite lese, kann ich nur den Kopf schütteln. Denn, liebe CAU, in deinen Fachbibliotheken bleibt der Interdisziplinarität keine Luft zum Atmen.

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Über Hochschulpolitik und Campuskultur schreibt Nadine am liebsten und seit dem Wintersemester 17/18 auch für den Albrecht. Für den Master Praktische Philosophie der Wirtschaft und Umwelt ist sie nach Kiel gekommen und genießt seit dem die Nähe zum Meer.

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Über Nadine Pelkmann 5 Artikel
Über Hochschulpolitik und Campuskultur schreibt Nadine am liebsten und seit dem Wintersemester 17/18 auch für den Albrecht. Für den Master Praktische Philosophie der Wirtschaft und Umwelt ist sie nach Kiel gekommen und genießt seit dem die Nähe zum Meer.

1 Kommentar

  1. Der Artikel spricht einige gute und auch wichtige Punkte an, ist aber an einigen Stellen schlichtweg falsch:
    1. In der Fachbibliothek Geschichte beispielsweise wird der Personalausweiß nur dann verlangt, wenn keine Cau-Card oder ein Bibliotheksausweis vorgelegt werden kann. Viele Fachbibliotheken, wie beispielsweise die Theologie, nehmen überhaupt keine Ausweise an.
    2. Die Fachbibliotheken sind als Präsenzbibliotheken konzipiert, um Studierenden die Möglichkeit zu geben, „jederzeit“ auf ein Buch zugreifen zu können, welches vermutlich noch etwa 18 andere ebenfalls derzeitig benötigen. Diese Bücher auszuleihen würde diesen Studierenden die Möglichkeit nehmen zu arbeiten.
    3. Die haben einen sehr begrenzten Etat, welcher die komplette Digitalisierung schwierig bis derzeitig unmöglich macht. Die Schuld dafür tragen aber nicht die Fachbibliotheken, sonder die Träger und die Universitätsleitung.

    Ich hätte es gut gefunden, wenn der Artikel nach möglichen Lösungsansätzen gesucht hätte, anstatt nur anzuprangern und mit persönlichen Studienproblemen zu argumentieren. Dafür gibt es dich eigentlich die Rubrik „Rantnotiz“, oder?

    Besten Gruß
    Sebastian

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