Vom Hörsaal auf die Showbühne

Als ich in das Café komme, sitzt er bereits in einer Couchecke und schlürft an seinem Latte Macchiato. Begegnet man dem jungen Mann, fallen einem sofort sein ansteckendes Lächeln und seine positive Ausstrahlung auf. „Alles, was ich brauche, ist ein glatter Boden und eine Ameise“, hatte er mir noch vor der Sendung verschmitzt lächelnd verraten. Mehr durfte er mir nicht erzählen, das ZDF hatte ihn zur Geheimhaltung verpflichtet. Philipp Preiss, der im letzten Semester Sport und Philosophie auf Lehramt im Bachelor studiert, macht vor allem eines liebend gern: Bodystunts, also Bewegungen und Sprünge in der Luft, die man allein mit seinem Körper macht. Oder anders gesagt: „Derbe was auf die Fresse kriegen und sich einfach nur abpacken“, wie Philipp Preiss augenzwinkernd sein größtes Hobby beschreibt.

Der ursprünglich aus Berlin stammende 25-Jährige beschäftigt sich in seiner Freizeit vielseitig. Er gibt als Trainer „Dance Arobic‘‘-Kurse im FIZ, arbeitet nebenbei als Aufgussmeister in einer Sauna und hat sogar ein Stundfighting Diplom, bei dem er Schlagtechniken und das richtige Fallen gelernt hat. Seine größte Leidenschaft, den Bodystunts, widmet er aber die meiste Zeit: Immer wieder hat der junge Mann Aufträge als Stuntman, Performer und Model. Diese Jobs bringen ihn viel herum: In China, Mailand und Australien ist er bereits gewesen. In Peking versuchte er bei der Guiness World Record-Show im Dezember 2012 so hoch wie möglich auf Dosen zu klettern. In der Men‘s Health war er als Performer für Freerunning- und Parkour-Übungen abgebildet. Für die Dachbeschichtungsfirma „Soprema‘‘ in Mailand drehte er einen Werbespot auf dem Hauptgebäude von L‘Oréal.

Für seine Wette benötigte er dann auch Beweglichkeit und Kraft. Nur der naheliegendste Gedanke, dass ein Insekt in die Wette einbezogen wird, traf nicht zu. Denn der Kieler sollte in zweieinhalb Minuten soviele Hubwagen wie möglich unter Europaletten schieben. Dazu hielt er sich an der Lenkstange fest und stieß sich immer wieder mit dem Fuß vom Boden ab. Am Ende der Strecke sollte er dann im Fahren eine 180-Grad-Drehung vollziehen und das Fahrgerät in die passende Öffnung der Holzpalletten einrasten lassen. Hubwagen sind dabei auch unter dem Begriff „Ameisen‘‘ bekannt. Auf die Idee kam Philipp, als er mit seiner Freundin gerade sein Auto eingeparkt habe.

Seine Sportbegeisterung brachte ihn auch auf die Wettidee. „Ich habe eine coole Bewegung gesehen, die unmöglich schien und nach Glück aussah. Ich wollte es selbst mal ausprobieren und beweisen, dass man das auch bewusst schaffen kann.‘‘ Nach vier Monaten hartem Training habe die Wette funktioniert und sich im November letzten Jahres bei „Wetten, dass..?‘‘ beworben. Als im Januar die Zusage kam, war er sehr überrascht. Der Sportstudent hatte sich schon öfters bei der Show beworben und dabei verrücktere Vorschläge eingereicht. Doch er wurde immer abgelehnt. Die wenige Zeit zwischen der Zusage und der Show nutzte er in den letzten Wochen mit sehr viel Fitness- und Krafttraining.

Das Hobby zum Beruf machen: Philipp Preiss macht Bodystunts. Foto: Thomas Faust, Faust-fotowork.de
Das Hobby zum Beruf machen: Philipp Preiss macht Bodystunts. Foto: Thomas Faust, Faust-fotowork.de

Bei den Proben vor der Show hatte er seine Wette kein einziges Mal geschafft, denn er musste die Wette komplett neu lernen. Die Hubwagen zerkratzten die Glasböden der Sendung. Zunächst wurden Holzbretter an die spitzen Stellen befestigt, die diesen aber zu sehr bremsten. Deshalb entschied sich das Produktionsteam dafür, Vaseline unter die Hubwagen zu schmieren. Das hatte aber nun zur Folge, dass das Fahren mit den Hubwagen sehr rutschig war. Er wusste bis zum Tag der Show nicht, ob es tatsächlich klappen würde. Erst in der Generalprobe gelang ihm die Wette zum ersten Mal.

Neben den neuen Bedingungen für seine Wette wurde ihm kurz vor der Sendung auch Comedian Oliver Pocher als Wettpate weggenommen. Das habe ihn noch mal zusätzlich geknickt, verrät Philipp. Im Endeffekt war er doch sehr glücklich Anna Loos als Wettpatin zu bekommen. Mit der Sängerin, Schauspielerin und Ehefrau von Jan Joseph Liefers habe er sich sehr gut verstanden. Sie habe ihm während der Show immer gut zugeredet, ihm Mut gemacht und an ihn geglaubt. Sie sei sehr angetan von ihm gewesen, strahlt der Kieler Student. Er habe sogar ihre Kontaktdaten bekommen. Sie wolle ihm Kontakte vermitteln, freut sich der lebensfrohe Student.

Das Heruntergehen von der Showtreppe ist ihm nicht schwer gefallen, da ihn seine Wettpatin Anna Loos vorher beruhigt hatte. Doch als er sich in die Wettkandidaten-Lounge setzte, sei ihm das Herz auf einmal deutlich höher geschlagen. Kurz vor der Wette war die Aufregung dann kaum zu ertragen. „Ich wusste, dass der Augenblick jetzt da ist, wo es heißt, jetzt musst du.‘‘

Dass Markus Lanz vor der Wette noch viel redete und Spaß machte, störte ihn nicht. Es half ihm, runterzukommen und locker zu werden. Die anfänglichen missglückten Versuche haben ihn nicht verunsichert. Er hatte einen Tunnelblick. „Ich habe einfach nicht darüber nachgedacht und weitergemacht‘‘. Am Ende hatte er die erforderlichen 5 von 10 Holzpaletten mit seinen Hubwagen getroffen. Nach Lanz‘ Verkündung, dass er die Wette gewonnen habe, sei von ihm eine fünftägige Dauerspannung abgefallen. Am Ende verfehlte Philipp nur ganz knapp das Siegerpodest und wurde „Wettkönig der Herzen“. Das Ergebnis habe ihn schon enttäuscht. Er habe nicht verstanden, warum der Abstand zum Wettsieger so groß war. Der Grund kann in der geringeren Kamerazeit liegen. So konnte er weniger von sich und seiner Persönlichkeit erzählen.

Foto: Thomas Faust, Faust-fotowork.de
Foto: Thomas Faust, Faust-fotowork.de

Der gebürtige Berliner hofft, dass „Wetten, dass..?“ für ihn ein Türöffner und ein Sprungbrett für seine berufliche Zukunft war. Sein Ziel ist es, irgendwann mit Body Stunts Geld zu verdienen und Stuntman-Rollen in Filmen wie Alarm für Cobra 11 oder dem Tatort und in Werbespots zu bekommen. Als nächstes steht vielleicht schon eine Teilnahme bei dem „Perfekten Dinner‘‘ an.

„Ich bin einer, der sagt, du kannst dein Leben selbst gestalten. Du musst nur lernen wie.“ Wenn man einen Traum verwirklichen möchte, dann sollte man sich jeden Abend vorstellen wie man beispielsweise als Stuntman arbeitet. Wenn man fest daran glaubt, entsteht eine Diskrepanz zwischen Ist- und Soll-Zustand. Diese Diskrepanz versucht das Unterbewusstsein auszugleichen, indem es aus der Masse täglicher Eindrücke und Möglichkeiten nur jene ins Bewusstsein lässt, die zur Anpassung nötig sind.

Anzeigefoto: Tim Wendrich, http://www.timwendrich.com/

Avatar
Über Marcel Kodura 17 Artikel
Marcel Kodura ist seit Oktober 2010 als Redakteur beim Albrecht tätig. Er schreibt vor allem über gesellschaftliche Themen.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*