Wara Wende wirkt weiter

Steht stark in der Kritik: Bildungsministerin Wara Wende. Foto: Thomas Eisenkrätzer

Die frühere Präsidentin der ehemaligen Pädagogischen Hochschule Flensburg, Wara Wende, ist seit 2012 Bildungsministerin in Schleswig-Holstein. Seitdem versucht Frau Wende die Lehrerausbildung und Hochschullandschaft in Schleswig- Holstein auf den Kopf zu stellen.

Das geforderte Praxissemester soll kommen – ohne ein Länderticket oder finanzielle Unterstützung durch das Land. Die Lehramtsstudierenden haben selbst die hohen Kosten zu tragen, sollten sie ihr Praktikum nicht in Kiel oder in der Nähe des Wohnortes ihrer Eltern absolvieren und somit die Ausgaben gering halten können. Die Landeshauptstadt listet elf Gymnasien und drei Gemeinschaftsschulen mit gymnasialer Oberstufe. Kommen zu diesen noch die Gymnasien in Heikendorf, Kronshagen und Altenholz, gibt es für Kieler Studierende nicht einmal zwanzig Schulen, an denen ein Praktikumsplatz mit dem öffentlichen Nahverkehr ohne Mehrkosten erreicht werden könnte. Bei einem Gespräch im Oktober mit den Studierenden der CAU ging die Ministerin auf solche Bedenken nicht ein.

Steht stark in der Kritik: Bildungsministerin Wara Wende. Foto: Thomas Eisenkrätzer
Steht stark in der Kritik: Bildungsministerin Wara Wende.
Foto: Thomas Eisenkrätzer

Ende März dieses Jahres brachte das Bildungsministerium folgenden Gesetztesvorschlag auf den Tisch: Schleswig-Holsteins weiterführende Schulen bekommen einen Einheitslehrer. Nach der schrittweisen Abschaffung der Haupt- und Realschulen und ihrer Zusammenlegung zu Regionalschulen, folgt der logische Schluss. In Zukunft wird an den Unis Kiel und Flensburg geschlossen für das höhere Lehramt ausgebildet werden. Die frühere Aufteilung zwischen den beiden Universitäten wird schrittweise aufgelöst. In Kiel kann momentan Gymnasiallehramt und Handelslehramt studiert werden, in Flensburg werden Lehrkräfte für die übrigen weiterführenden Schularten ausgebildet.

Nun soll die ehemalige Pädagogische Hochschule Flensburg auch Lehrer und Lehrerinnen der Sekundarstufe II anlernen können. Die Möglichkeiten für dieses Unterfangen werden allen voran mit einem Ausbau des Fächerangebots geschaffen. Die Universität zu Kiel und die Universität Flensburg waren damit einverstanden, dass sieben neue Fächer in der Mittelstadt nahe der dänischen Grenze entstehen. Laut neuen Plänen der Landesregierung sollen nun Kapazitäten für dreizehn neue Fächer in Flensburg kreiert werden. Allen voran Gerhardt Foquet, Präsident der Uni Kiel, sieht sich und seine Universität hierbei hintergangen und fürchtet um den Status der CAU. Während das Bildungsministerium von Kosten von etwas über einer Million Euro plus in etwa gleichhohen Personalkosten für den Ausbau der alma mater flensburgensis spricht, sind die Berechnungen, die die Kieler Universität angestellt hat, deutlich höher. Das Präsidium spricht von circa zehn Millionen Euro. Diese Kosten würden aufgrund der bundeshaushaltlichen Deckelung der Bildungsausgaben für die Bundesländer vor allem die Kieler Universität treffen und schwer in ihren Möglichkeiten einschränken.

Im Rahmen dieser Unstimmigkeiten sind von Seiten der Kieler Universität in Richtung Flensburg harte Worte gefallen. Präsident Gehard Fouquet warf der Universität Flensburg eine „schmutzige Kampagne“ vor und kündigte einen „blutigen Krieg“ an, für den er persönlich auch auf die Straße gehen würde. Die Flensburger Universität, durch ihren Präsidenten und Senatsvorsitzdenden vertreten, warf Fouquet in diesem Zusammenhang Grenzüberschreitung vor und verglich den Konflikt und die Aufkündigung des Dialogs mit einer mittelalterlichen Fehde. Auch wenn Fouquet die beiden ersten Aussagen vor der Presse revidierte und auf eine eventuell unangemessen harte Formulierung verwies, so sind sie jedoch im Rahmen des Konflikts ausgesprochen worden.

Ministerpräsident Albig steht hinter Wende. Foto: Thomas Eisenkrätzer
Ministerpräsident Albig steht hinter Wende.
Foto: Thomas Eisenkrätzer

Neben den Verantwortlichen in Flensburg musste vor allem Waltraud Wende die Kritik für das aktuelle Vorgehen einstecken. Über die von ihr postulierten Planungen hat die Universität Kiel der Flensburger Uni die Kooperation immerhin vorerst aufgekündigt. Trotz des Unwillens seitens der Kieler Universität, weiterhin mit Flensburg im Dialog zu bleiben, sind die AStAs beider Universitäten um einen regen Austausch bemüht, der die Zusammenarbeit stärken und konfliktlösend wirken soll.

Nach der harten Kritik am geplanten obligatorischen Praxissemester für alle Studierenden im Master of Education hat Wende in Augen der Kieler Studierenden ihre alte Wirkungsstätte zu Lasten der CAU Kiel übervorteilt. Über Sinnhaftigkeit von Doppelstrukturen lässt sich streiten; auch mag man den SSW dafür kritisieren, durch seine Beteiligung an der Regierung mehr oder weniger offensichtliche Standortpolitik zugunsten des nördlichen Landesteils zu betreiben – die Beschlüsse sind und bleiben gefasst. Der ehemalige Kieler Bürgermeister, Torsten Albig, heute Ministerpräsident Schleswig-Holsteins, steht hinter der parteilosen Wende. Albig wird sie nicht bitten, ihr Amt niederzulegen, er unterstützt ihre Entscheidungen. Als Hoheit in Bildungsfragen wird die Landesregierung also ihre Beschlüsse durchsetzen – mit oder ohne Zustimmung aus der Landeshauptstadt und ihrer CAU.

Der Konflikt zwischen den beiden Universitäten konnte mittlerweile beigelegt werden, die beiden Hochschule arbeiten wieder miteinander. Dennoch steht immer noch ein von vielen Seiten kritisch gesehener Gesetzesentwurf, um dessen Überarbeitung sich alle Seiten bemühen sollten. Die Fehler, die die Universitäten der Regierung vorwerfen, müssen nun redigiert werden, falsche Entscheidungen können neu getroffen werden. Waltraud Wende wird nach ihrer nicht kritiklosen Zeit als Bildungsministerin nicht direkt wieder an die Uni Flensburg zurückkehren können – derartige Abmachungen sind zurückgenommen worden. Man kann nur hoffen, dass Frau Dr. phil. habil. Waltraud Wende die richtigen Entscheidungen trifft, um die Bildungslandschaft in unserem schönen Bundesland auf lange Zeit über den Meeresspiegel zu heben – Schleswig Holstein hat es bitter nötig.

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Über Paul Niklaus Stahnke 0 Artikel
Paul war seit Ende 2012 Teil der Redaktion. Neben der Gestaltung des Layouts schrieb Paul gerne Kommentare und ließ die Weltöffentlichkeit an seiner Meinung teilhaben. In seiner Freizeit studierte Paul Deutsch und Anglistik an der CAU.

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