Wat is’n dat hier für’n Kinofilm?

Seit Anfang Juni könnt ihr euch im Kino den Michael-Söth-Film „Bauernfrühstück“ anschauen. Wie auch im vorherigen Streifen „Deichking“ war das Ganze als Low-Budget-Projekt geplant. Nun, mit 70 000 Euro bekommt man vielleicht keinen Til Schweiger, dafür aber Eva Habermann, John Barron, Florian Harloff und viele mehr. Außerdem gibt es statt Berliner Filmkulisse die gute, alte Heimat zu sehen: Schauplatz des Geschehens ist unter anderem das Freilichtmuseum Molfsee.

Wer sich jetzt allerdings fragt, warum er sich so eine herzhaft-harmonische Heimatkomödie anschauen soll, dem sei verraten, dass dieser friedliche Schein trügt… Der Zweite Weltkrieg ist in vollem Gange. Der englische Obergeneral (Dirk Bach) gibt den Befehl, ein deutsches Waffenlager zu zerstören. Mit dem Kommentar „All right – destroyed!“ beginnt die Geschichte eines Dorfes, das vermeintlich mit diesem Waffenlager in die Luft gesprengt worden ist.

Szenenwechsel: Man sieht den Nachtclubbesitzer Horst (Tetje Mierendorf) mit seinen beiden Auftragskillern (Silva Gonzales und Fabian Harloff). Dieser ist leicht angesäuert und fragt nach dem Verbleib seines Wagenwäschers Klaus (John Barron). Die Antwort „Der is nach die Tanke, den Aston waschen“ und der damit verbundene Mordauftrag folgen prompt. So begeben sich zwei Kleingeister auf die Suche nach dem Luxusschlitten und Klaus.

Szenenwechsel: Auf der Bildfläche erscheint Klaus, der sich total verfahren hat („ voll verfranzt, die Scheiße!“) und deshalb nach dem Weg fragt. Doch kaum hat er das getan, wird er niedergestreckt und findet sich wenig später in ein Verlies eingesperrt wieder. Er versteht die Welt nicht mehr und fragt Martha (Eva Habermann), die ihm Wasser und Brot bringt: „Sach ma, Schnägge, wat is‘n dat hier für‘n Kinofilm?“ Die Erwiderung, er befinde sich „in Hitlers Gefangenschaft“ passt ihm genauso wenig wie die Tatsache, dass er am nächsten Tag hingerichtet werden soll. Die Dorfgemeinschaft glaubt nämlich, dass draußen noch der Zweite Weltkrieg tobe und Klaus ein Spion sei.

Doch Martha kann bei ihrem Bruder und Dorfrichter (Stefan Hossfeld) vorläufigen Gnadenaufschub erwirken, denn sie hat sich verliebt. Klaus vermittelt der Dorfgemeinschaft nach und nach, dass der Krieg schon lange vorbei ist und sich die Welt ziemlich gewandelt hat. Es bilden sich daraufhin gegnerische Parteien, es gibt Intrigen, Meutereien und Sachbeschädigungen. Ob sich am Ende alles zum Guten auflöst, erfahrt ihr in einem Film, der trotz des geringen Etats einige Szenen zum Schmunzeln bietet.

John Barron glänzt in seiner Rolle, sein ungekünsteltes Hamburgisch und seine T-Shirts mit Sprüchen wie „Inne Gänge – inne Rein“ sind einfach herrlich. Die Neuigkeiten zum Tag, die stets mit „Äch-tung, Äch-tung“ und einer entsetzlich durchdringenden Stimme beginnen, bringen alle zum Lachen. Auch eine Tanzeinlage der plattdütsch schnackenden Komparsen und ein Gesangsauftritt von Mozart („Sie war 44 und ich 13 1/2“) erheitern die Reihen.

Der Streifen hat aber auch seine Schwachstellen. Nicht nur, dass fast alle anderen Schauspieler (bis auf die Komparsen!) hinter John verblassen, auch einige Gags (wie das Puppentheater im Geschäft des „Pornokaschperl“) sind doch sehr lahm und wirken konstruiert. Dem Film fehlt der richtige Schwung und ein etwas größerer Spannungsbogen wäre wünschenswert gewesen. Geringer Etat hin oder her, dieser hat schließlich nichts mit der Qualität der Witze zu tun. Aber macht euch ab sofort doch einfach euer eigenes Urteil!

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Über Agnes Beckmann 0 Artikel
Agnes war bis 2011 Teil der Redaktion.

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