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Ein Einblick in die Zukunft der Leibnizstraße

Leibnizstraße 4 bis 10. Bild: agn leusmann, Hamburg

Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Sommer 2032: eine Gruppe Studierender diskutiert rege an einem Bibliothekstisch in LS 4; ein Geschichtsstudent leiht am Self-Checkout ein elektronisch erfasstes Buch aus; im Fahrradkeller des Juridicums kühlen sich erhitzte Radfahrer*innen kurz unter der Dusche ab; in einem Seminarraum werden die Hauptthesen Kants ohne die Geräuschkulisse aufgeregter Möweneltern analysiert.

Lächerliche Utopie und realitätsfernes Wunschdenken prokrastinierender ALBRECHT-Redakteurinnen? Weit gefehlt: An der Realisierung dieser Szenarien feilt der Projektleiter des Leibnizstraßenumbaus, Tim Lüdrichsen tagtäglich.

„Ein prächtiges Gebäude, aber kein Protzbau“

Sein erster Streich: das Juridicum. Direkt an der Ecke Leibnizstraße/Olshausenstraße wächst seit 2017 unübersehbar das Juridicum heran. Als neue Wirkungsstätte der Rechtswissenschaften und Ausgangspunkt der neuen Fakultätenblöcke inklusive Verbundbibliothek wird die Fertigstellung bereits sehnsüchtig erwartet. Ein Weihnachtsgeschenk, wie ursprünglich geplant, wird der Bau leider nicht mehr. Bis Ende März soll das Gebäude fertiggestellt sein, sodass der Umzug der rechtwissenschaftlichen Fakultät und des dazugehörigen Prüfungsamtes sowie der juristischen Fachbibliothek beginnen kann. Studierende, Lehrende und Mitarbeiter*innen erwartet im Juridicum ein modernes und in erster Linie auch funktionales Raumkonzept. Das Motto des Neubaus: Funktionalität statt Protzbau. Während sich das Gebäude äußerlich in den baulichen Kontext des unteren Campus einfügt, punktet der Innenraum durch eine helle, flexible Gestaltung, die so viele Wünsche der zukünftigen Nutzer*innen erfüllen will wie möglich. Angefangen im Eingangsbereich, wo Hugendubel, Bäckerei Steiskal und der Copyshop Gut Gedruckt einziehen werden, führt zukünftig eine breite Treppe zu den Seminarräumen im ersten Stock. Hell, flexibel und ausgestattet mit der notwendigen Technik entstehen dort Räumlichkeiten, die auch für Veranstaltungen oder während der Hausarbeiten-Hochphase als Erweiterung der Bibliotheksarbeitsplätze genutzt werden können. In den darüberliegenden Stockwerken sind die Büros, Konferenzräume und das Prüfungsamt der rechtswissenschaftlichen Fakultät untergebracht. Herzstück des Juridicums wird jedoch die neue Verbundbibliothek, die das Ende der vielen kleinen, den Nutzer*innenbedürfnissen nicht gerecht werdenden Fachbibliotheken an der Leibnizstraße einläutet. Ein Schritt, der für Studierende längere Öffnungszeiten und bessere Arbeitsplätze bedeutet sowie die Ära der handschriftlich gekritzelten Platzhalter-Kartons in den staubigen Regalen beenden wird.

Das Juridicum wird über eine Brücke mit dem nächsten Gebäude entlang der Leibnizstraße, LS 4, verbunden. Auf dieser Brücke ist ab dem Frühjahr 2020 die Fachbibliothek des philosophischen Seminars zuhause. An kaskadenartig angeordneten Tischen können Studierende von der Brücke aus in das Juridicum hineinsehen – laut Lüdrichsen “mit die schönsten Arbeitsplätze in der neuen Leibnizstraße“.

Nach und nach wird im Laufe des nächsten Jahrzehnts auch in den weiteren Fakultätenblöcken entlang der Leibnizstraße (LS4-LS10) der Mief der 70er Jahre vertrieben.

„Diese Dinge geraten jetzt in Bewegung“

Die Sanierung und Umgestaltung der Fakultätenblöcke ist eine Frage, der die CAU schon seit längerer Zeit nachgeht. Im Fokus stehen dabei die Bedürfnisse und Interessen der Fakultätenblockbewohner*innen, also der Studierenden, Lehrenden, Forschenden und Bibliotheksmitarbeiter*innen aus den verschiedenen Fachbereichen wie beispielsweise Theologie, Skandinavistik und Geschichte.

In mehreren Workshops wurde ein Kompendium an Ideen erarbeitet, die auf den ersten Blick widersprüchlich und chaotisch wirken. Mit dieser Ideensammlung im Hinterkopf hat das Gebäudemanagement Schleswig-Holstein kürzlich einen Entwurf für den Umbau der Fakultätenblöcke entlang der Leibnizstraße erstellt. Noch in diesem Jahr beginnen die Planungen für den Baubeginn Ende 2020.

Das Verständnis für die verschiedenen Anforderungen an dem Umbau und die Notwendigkeit, „eine Landschaft mit verschiedenen Zonen“ zu gestalten, war für Lüdrichsen bei der Entscheidung für einen Architektenvorschlag ausschlaggebend. Die Verbundbibliothek wird sich dem Entwurf entsprechend von der Brücke aus über alle vier Gebäudeteile erstrecken. Jeweils in Erd- und Untergeschoss entsteht dadurch eine Bibliothekenlandschaft, die neben den klassischen Arbeitsplätzen für konzentrierte Hausarbeitenschreiber*innen Raum für lebhafte Gruppenarbeitsdiskussionen, entspanntes Schmökern oder ein kurzes Nickerchen im hektischen Unialltag bietet.

Studentische Beteiligung erwünscht

Auch in der jetzt anstehenden Planungsphase haben die Beteiligten die Möglichkeit, Ideen und Wünsche für die Umgestaltung einzubringen. „Wir vom Planungsteam, das Land und das Präsidium wünschen uns dabei eine Beteiligung der Studierenden“ erklärt Lüdrichsen, der mit den Ergebnissen der Beteiligung verschiedener Interessengruppen im Juridicum sehr zufrieden ist. Auch der AStA hat den Eindruck gewonnen, dass die Wünsche der Studierenden Lüdrichsen sehr wichtig sind. Die studentischen Vertreter*innen sehen ihre Aufgabe darin, die Umgestaltung der Leibnizstraße im Sinne der Studierenden zu beeinflussen. Dazu ist in nächster Zeit auf den Online-Kanälen des AStAs eine Befragung von Studierenden geplant.

Beim Jonglieren mit den verschiedenen Interessen und Herausforderungen ist auch ein hohes Maß an Kreativität und Experimentierfreude gefragt. Auf Anraten eines Experten für Seevögel wird beispielsweise das Dach des Juridicums bepflanzt, um so die Attraktivität für dachbrütende Möwen auf Nistplatzsuche zu minimieren. Dies ist nur ein Beispiel für den Bedarf an kreativen Lösungen, die so ein Bauwerk erst zu einem nutzungsorientierten, modernen Lebensraum auf dem Campus machen.

Für alle mit Spaß an lösungsorientiertem Arbeiten oder mit visionären Ideen für die Gestaltung der Fakultätenblöcke: Das Gebäudemanagement der CAU ist froh über jede Anregung, so utopisch sie im Campusalltag des Jahres 2019 auch erscheinen mag.

Autor*in

Hannah ist seit Herbst 2017 Teil der Albrecht - Redaktion. Sie studiert Praktische Philosophie der Wirtschaft und Umwelt seit dem Wintersemester 17/18.

Autor*in

Über Hochschulpolitik und Campuskultur schreibt Nadine am liebsten und seit dem Wintersemester 17/18 auch für den Albrecht. Für den Master Praktische Philosophie der Wirtschaft und Umwelt ist sie nach Kiel gekommen und genießt seit dem die Nähe zum Meer.

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