Wir können uns wieder vom Tanz verzaubern lassen

Die Ballett-Premieren „Herzensstücke“ und „Stepping Forward #Junge Choreograf*innen“

Bild: Olaf Struck

Herzensstücke 

Im Rahmen des schleswig-holsteinischen Modellprojekts kann das Theater Kiel nach langem Warten nun endlich wieder seinen Vorhang heben. Für die erste Ballettpremiere werden gleich drei große Werke präsentiert: In Herzensstücke tanzt das Kieler Ballett die Highlights aus Peter Tschaikowskis großen Balletten SchwanenseeNussknacker und Dornröschen, choreografiert von Yaroslav Ivanenko. 

Durch den Tanzabend werden wir dabei von Amilcar Moret Gonzalez geführt, der in den Rollen des Rotbart und Drosselmaier als dramaturgische Brücke zwischen den Stücken fungiert. Zunächst werden wir an den Schwanensee verzaubert. Hier macht sich teilweise noch durch kleine Patzer die Corona-Pause bemerkbar. Aber das Sehvergnügen wird dadurch nicht gemindert und sie sind schnell wieder vergessen, wenn es Richtung Nussknacker geht. Insbesondere der arabische Tanz von Virginia Tomarchio und Amilcar Moret Gonzalez sowie der dramatische „Kampf“ zwischen Mausekönig (Didar Sarsembayev) und Nussknacker (Christopher Carduck) sind hier als Höhepunkte hervorzuheben. Den Abschluss machen die Szenen aus Dornröschen und ein wunderschönes Pas de deux von Keito Yamamoto und Christopher Carduck als Aurora und der Prinz. 

Auf die Zuschauer:innen wartet auch auf der musikalischen Ebene eine Besonderheit. Denn das Philharmonische Orchester spielt nicht wie gewohnt im Orchestergraben, sondern ist direkt auf der Bühne platziert. Es wird ein Teil der Choreografie – ein großartiges Teil. 

Wer sich selbst in die märchenhafte Welt Tschaikowskis verzaubern lassen möchte, hat an den weiteren Spielterminen am 21., 24. und 29. Mai dazu die Chance. 

Stepping Forward #Junge Choreograf*innen 

In Maske und Trainingskleidung stehen die Tänzer:innen des Theater Kiels auf der Bühne bereit. Was zunächst als ein Einblick in das Last-Minute-Warm-Up der Companie vermutet, entpuppt sich als Teil, der in die Dramaturgie übergeht und in einen bunten und abwechslungsreichen Tanzabend einführt. Es findet ein Wechsel der Perspektiven statt, denn bei Junge Choreograf*innen haben die Tänzer:innen des Kieler Balletts die Möglichkeit, eigene Stücke zu entwickeln und selbst zum:zur Choreograf:in zu werden. In allen acht Stücken (Sonata for Two musste an diesem Abend leider ausfallen) wurde sich kreativ und experimentierfreudig entfaltet. Sei es Musik, Bewegung, Kostüme oder Bühnenbild – die Zuschauer:innen werden jedes Mal aufs Neue in eine andere Welt entführt. 

Persönliche Highlights: Symbiosis von Erika Asai und Reminisence von Marina Kadyrkulova. Im Ersteren kommen gleich mehrere Ensemble-Mitglieder auf die Bühne und thematisieren die Beziehung zwischen Mensch und Natur sowie die Suche nach einem Gleichgewicht zwischen beiden, um ein weiteres Zusammenleben zu ermöglichen. Ein Stück, das einen von der ersten Sekunde fesselt. In Reminisence schweben Sabina Faskhi und Alexey Irmatov als Mann und seine Erinnerung über die Bühne – so wunderschön, dass es einen emotional überwältig. Abgerundet wird der Abend auf sehr humorvoller Weise. In Neunundsechzig tanzen Virginia Tomarchio und Amilcar Moret Gonzalez eine Parodie auf die nervenzehrende Situation einer Ballett-Audition. 

Ein Tanzabend, der vieles bietet und auf keinen Fall verpasst werden sollte. Die nächste Vorstellung findet am 23. Mai statt. 

Autor*in

Johanna studiert seit dem Wintersemester 2016/17 Deutsch und Soziologie an der CAU. Sie ist seit Oktober 2016 Teil der ALBRECHT-Redaktion. Von Juli 2017 bis Januar 2019 war sie als Ressortleiterin für die Kultur verantwortlich. Sie ist seit Februar 2019 Chefredakteurin des ALBRECHT.

Über Johanna Touoda 54 Artikel
Johanna studiert seit dem Wintersemester 2016/17 Deutsch und Soziologie an der CAU. Sie ist seit Oktober 2016 Teil der ALBRECHT-Redaktion. Von Juli 2017 bis Januar 2019 war sie als Ressortleiterin für die Kultur verantwortlich. Sie ist seit Februar 2019 Chefredakteurin des ALBRECHT.

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