Wir müssen laut bleiben, damit wir gehört werden

Unter dem Motto #UniOhneGeld protestieren Kieler Studierende gegen die Unterfinanzierung der Schleswig-Holsteinischen Hochschulen. Foto: AStA Uni Kiel

Der Albrecht im Interview mit AStA-Vorstand Sophia Schiebe über die von der Studierendenvertretung organisierten ‚Uni ohne Geld‘-Proteste: Darin spricht der AStA über den Erfolg der Demo, erste Auswirkungen sowie den Planungsstand weiterer Protestaktionen.

Der Albrecht: Wie zufrieden seid Ihr mit der Vollversammlung und der Demonstration im Dezember gewesen?

Sophia Schiebe: Als wir morgens um neun die Vorbereitungen getroffen haben, hat es geregnet und niemand stand vor dem Büro. Als wir losgegangen sind und gesehen haben, was da für eine Schlange hinter uns war, waren wir sehr positiv überracht. Wir haben uns sehr gefreut, innerhalb von zwei Wochen gut 2 500 Menschen auf die Straßen bekommen zu haben.

Haben mehr Studierende als gedacht daran teilgenommen?

Wir hatten große Angst, dass wegen des regnerischen Wetters viele Studierende nicht kommen würden. Außerdem kommen normalerweise weniger Leute, als bei Facebook zugesagt haben. Wir hatten daher gehofft, das 1 000 Studierende teilnehmen. Dass wir dann aber mehr Studierende als die Uni Hamburg auf die Straße bekommen haben, obwohl diese eine deutliche höhere Studierendenzahl hat, werten wir als großen Erfolg.

AStA-Vorstand Sophia Schiebe setzt sich für eine bessere Finanzierung der Schleswig-Holsteinischen Hochschulen ein. Foto: AStA Uni Kiel
AStA-Vorstand Sophia Schiebe setzt sich für eine bessere Finanzierung der Schleswig-Holsteinischen Hochschulen ein.
Foto: AStA Uni Kiel

Was war das Besondere an den Protesten?

Bei den Protesten ist ein Gemeinschaftsgefühl entstanden. Viele Dozierenden haben mitgemacht. Professor Dr. Martin hat einen Tag vorher einen Vortrag auf dem Weihnachtsmarkt mit 250 Zuschauern gehalten. Wir kämpfen alle gemeinsam als Universität für eine Sache. Außerdem war die Demo ein landesweiter Protest. Wir haben gemerkt, dass die Probleme an den Unis ziemlich ähnlich sind.

Könnt ihr schon konkrete Auswirkungen der Studierendenproteste aus dem Dezember erkennen?

Es wurde eine Steuerungsgruppe eingerichtet, an denen neben der Bildungsminsterin die Landes-AStA-Vertreter aller Hochschulen im Land teilnehmen. An diesem Runden Tisch soll geklärt werden, wie die derzeitige Lage aussieht, wo das Geld hingeht und wie man Probleme lösen kann. In mehreren Treffen mit dem Ministerium wurden bereits Probleme einzelner Unis besprochen. Die Ministerin wollte sich unter anderem um die Essens-Ausgabe der Mensen kümmern. Es findet ein regelmäßiger Austausch zwischen der Landesregierung und dem AStA statt. Mehr Geld für Bildung wurde bislang allerdings noch nicht von der Landesregierung versprochen.

Ist der Protest jetzt durch die Weihnachtsferien abgeflaut?

Die Ferien haben sicherlich für eine Unterbrechung gesorgt. Aber vor allem die anstehende Prüfungsphase stellt uns vor Probleme. Wir hoffen trotzdem durch kleinere Aktionen das aufrecht zu erhalten und auch den Studierenden zu zeigen, dass wir weiter am Ball bleiben. Der bisherige Protest reicht nicht aus. Wir müssen hart bleiben.

Wie erklärt ihr euch, gemessen an der Gesamt-Studierendenzahl, die doch recht kleine Teilnehmerzahl von ca. 2 500 Studierenden? Sind Studierende im Jahr 2015 zu angepasst?

Wir glauben, das ist auf den Prüfungsdruck zurückzuführen. Viele Studierende nutzen den Tag, um universitäre Sachen zu machen. In weiterer Grund ist, das vor allem Erstsemester, denken, die schlechte Studiumssituation sei ihr persönliches Problem und Protest lohne sich nicht, wenn nur sie auf die Straße gehen. Wir wollen mit dem Protest auch Studierende darauf aufmerksam machen, dass das Problem, das du hast, das hast du nicht alleine, das haben auch andere. Außerdem kennen viele Studierende das Studium gar nicht mehr anders. Ihnen ist nicht bewusst, das Studieren auch anders geht. Unser Ziel ist deshalb auch Bildungsarbeit. Wir müssen die Studierenden aufklären, dass die Missstände kein individuelles, sondern ein strukturelles Problem sind. Wir hoffen, dass dann auch mehr Studierende teilnehmen werden.

Welche Erwartungen und Forderungen habt ihr an die Landesregierung?

Wir fordern, dass die Studierenden und ihre Probleme von der Politik ernst genommen werden. Dass das Geld bei uns Studierenden nicht ankommt und dass die derzeitige Situation es nicht ermöglicht, den Output zu gewährleisten, den die Gesellschaft von uns verlangt. Die Politik soll schauen, ob man nicht Priotäten setzen muss und den Hochschulen mehr Aufmerksamkeit schenken kann, die durch mehr Gelder zum Ausdruck gebracht werden könnte. Wir verlangen, dass sich damit auseinandergesetzt wird, ob es nicht irgendeine Möglichkeit gibt, wie Hochschulen demnächst besser gestellt werden können. Die schwierige finanzielle Situation des Landes darf nicht auf dem Rücken der Studierenden ausgetragen werden. Wenn nicht mehr Geld zur Verfügung gestellt wird, werden in Zukunft mehr Studienfächer mit einem Numerus Clausus belegt. Das lehnen wir als AStA strikt ab, denn Bildung ist ein Grundrecht.

Welche weiteren Aktionen gibt es neben der Demo und der Vollversammlung?

Für die kommenden Monate sind ein bis zwei größere Aktionen geplant, die medienwirksam aufbereitet werden sollen. Näheres soll Ende Januar bekanntgegeben werden. Der AStA plant zudem weitere Schritte mit dem Präsidium. Die Pressearbeit soll auch in Zukunft durch Kommentare des Präsidiums unterstützt werden. Ziel ist es, die Missstände weiter zu thematisieren und die Proteste am Laufen zu halten.

Wie können Studenten sich einbringen?

Alle Studierenden sind herzlich eingeladen, an den Organisationstreffen des AStAs teilzunehmen. Dazu meldet man sich am besten im AStA, bei den Fachschaften, in der Facebookgruppe oder via Mail. Die einzige Voraussetzung für die Teilnahme ist die Motivation, etwas ändern zu wollen und Zeit zur Verfügung zu stellen.

Vielen Dank für das Gespräch!
Das Interview führte Marcel Kodura.

Titelfoto: AStA Uni Kiel

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Marcel Kodura ist seit Oktober 2010 als Redakteur beim Albrecht tätig. Er schreibt vor allem über gesellschaftliche Themen.

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