„Zahlen, Daten, Fakten müssen erstmal auf den Tisch“

Der neue Präsident der CAU exklusiv im Interview

Sehr geehrter Herr Kipp, Sie wurden im Dezember zum neuen Präsidenten der CAU gewählt und sind seit Juni im Amt. Herzlichen Glückwunsch und vielen Dank, dass Sie sich Zeit für uns nehmen. Sie wirken sehr ambitioniert und planen scheinbar so einiges grundlegend zu verändern. Hat die Veränderung schon eingesetzt und was steht ganz oben auf Ihrer Agenda?

Ganz oben auf der Agenda steht natürlich erstmal eine Bestandsaufnahme. Zahlen, Daten, Fakten müssen erstmal auf den Tisch, bevor man irgendetwas verändern kann. Es wird sehr viele Gespräche geben und ich freue mich auf die Ratschläge der Menschen in dieser Universität.

In Bezug auf die Lehramtsausbildung war in der Presse eine ziemliche Schlammschlacht zwischen den Universitäten Kiel und Flensburg zu vernehmen. Wo lag denn eigentlich das Problem und was werden Sie anders machen?

Es wurde ja immer so dargestellt, dass es ein Streit zwischen den Universitäten Kiel und Flensburg sei. Ich glaube, das ist nicht die Ursache des Problems, sondern, dass wir es hier mit einem Entwurf des Lehrkräftebildungsgesetzes zu tun haben, wo es meiner Meinung nach noch eine ganze Reihe an Verbesserungspotenzial gibt. Ganz wichtig in diesem Zusammenhang ist, dass wir jetzt dringend mit einer inhaltlichen Diskussion anfangen. Denn schließlich ist die Lehrerbildung das zentrale Element in unserem Bildungssystem. Schlecht ausgebildete Lehrer führen zu schlecht ausgebildeten Schülern. Die kommen dann auf den Arbeitsmarkt oder wieder an die Universitäten. Ganz wichtig wäre mir, dass wir die Standorte Flensburg und Kiel stärken und nicht gegeneinander ausspielen, sondern komplementär daran arbeiten, das Beste für die Lehrerbildung hinzubekommen.

Sie sprachen von dem Wunsch einer besseren Vernetzung mit anderen Hochschulen und Forschungseinrichtungen. In Zukunft also mehr Kooperation statt Konfrontation?

Wir haben hier in Schleswig-Holstein eine hervorragend aufgestellte Forschungslandschaft – Universitäten, Fachhochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen. Ich denke, dass wir Schleswig-Holstein zu einem Land des Wissens und der Bildung ausbauen können.

Können Sie sich auch eine Kooperation in der Lehre vorstellen?

In Flensburg wäre das ja direkt der Fall, wenn wir uns zusammentun und gemeinsam an der Lehrerbildung arbeiten, wäre das ja schon eine Kooperation in der Lehre, bei der wir gegenseitig voneinander profitieren können.

Sie fordern ein Portal für Diversität und Chancengleichheit. Mit einem erstmals mehrheitlich weiblich besetzten Präsidium haben Sie ja bereits ein symbolisches Zeichen gesetzt. Wie werden Sie dieses Thema praktisch angehen?

Wir werden definitiv ein Portal für Diversität und Chancengleichheit einrichten. Ich glaube, es ist ganz wichtig die Angebote, die wir in diesem Bereich bereits haben, zu bündeln, aber auch auszubauen und wir werden eine Initiative ins Leben rufen, an der alle Mitgliedergruppen beteiligt sind, natürlich im engen Dialog mit dem Präsidium und der Vizepräsidentin für Diversität.

Eine Abstimmung im Zuge der Hochschulwahlen 2013 ergab, dass die Mehrheit der Studierenden sich für eine Zivilklausel ausspricht. Wird das Präsidium dem Wunsch der Studierenden folgen?

Ich glaube, eine Zivilklausel greift etwas zu kurz. Ich denke, wir müssen insbesondere an die moralische und ethische Verantwortung der Forscherinnen und Forscher appellieren und diese auch wecken. Ganz wichtig in diesem Zusammenhang ist natürlich die Veröffentlichung von Forschungsergebnissen. Sei es als Publikation oder Patent, insbesondere dann, wenn damit ein akademischer Grad oder Titel erreicht werden soll. Transparenz scheint mir hier ganz wichtig zu sein.

Sie sprechen von mehr Transparenz. Wie kritisch werden Sie mit Drittmitteln umgehen?

Da hat das Präsidium bereits die ersten Schritte eingeleitet und es gibt eine Liste von Forschungsvorhaben mit Titeln und Geldgebern, die dem Senat vorgelegt wurde. Ich glaube, das ist ein erster, bedeutender Schritt.

Wir haben viel über Forschung gesprochen. Was denken Sie über die Exzellenzinitiative der Bundesregierung? Die CAU unterhält selbst sogenannte Exzellenzcluster. Wie ausgewogen profitieren hierbei Forschung und Lehre?

Wir haben zwei Exzellenzcluster. Eines in den Meereswissenschaften und eines in den Lebenswissenschaften und eine Graduiertenschule. Die haben uns schon sehr viel gebracht, insbesondere im Bereich der Forschung sind hier sehr große Fortschritte erzielt worden. In der Lehre sehe ich noch Potenzial für Verbesserung, insbesondere die grundständige Lehre in den Bachelorstudiengängen hat bisher wenige Berührungspunkte gehabt.

Sie haben auch mit dem Plan, einen vierjährigen Bachelor einführen zu wollen, Aufmerksamkeit erregt. Was soll dadurch anders werden?

Ich möchte den Studierenden eine zusätzliche Option eröffnen. Es hat sich ja gezeigt, dass der dreijährige Bachelor in einigen Fällen noch nicht wirklich berufsqualifizierend ist. Insbesondere ist er auch im Ausland nicht anschlussfähig. Ich würde vorschlagen, in einigen Pilotstudiengängen eine Wahlmöglichkeit zu eröffnen. Darauf aufbauend könnte man in einen einjährigen Master oder eventuell eine Fast-Track-Promotion gehen. Man muss eine intensive Diskussion mit den Fakultäten führen, denn das macht sicherlich nicht in allen Studiengängen Sinn.

Die CAU wurde als erste Volluniversität mit dem Zertifikat „audit familienfreundliche Hochschule“ geehrt. Gibt es weiterhin Handlungsbedarf?

Handlungsbedarf gibt es da eine ganze Menge. Insbesondere, wenn ich mir die Kinderbetreuung anschaue.

Sie hatten im Dezember noch von Teilzeitstudium und Teilzeitprofessuren gesprochen. Gibt es da schon erste Gedanken?

Ich denke, dass es sehr wichtig ist, wenn man Studium und Familie verbinden will, dass man solche Möglichkeiten hat. Schwierig wird es bei der Finanzierung.

Gibt es etwas, dass Sie den Studierenden gern sagen möchten? Was können wir von Ihnen erwarten?

Für mich stehen die Studierenden im Mittelpunkt und wenn es irgendwo Probleme oder Schwierigkeiten gibt: Bitte sprechen Sie mich an!

Vielen Dank für das Gespräch!
Das Interview führte Felix Rudroff.

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Über Felix Rudroff 9 Artikel
Felix studiert Politikwissenschaft und Soziologie und war 2012 bis 2014 Redakteur des Albrechts. Er setzte sich vor allem mit gesellschaftlichen Themen auseinander.

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