ZuTat – eine App gegen Lebensmittelverschwendung

Ein Interview mit Frauke Caliebe und Arne von Pichowski

Bild: Louisa Rau

Weltweit werden ein Drittel der produzierten Lebensmittel weggeworfen – die Hälfte davon in privaten Haushalten. Den meisten scheint klar zu sein: Es muss sich etwas ändern! Doch wissen viele nicht, was sie persönlich dagegen tun können. Die Studierenden Frauke Caliebe und Arne von Pichowski haben eine kostenlose und werbefreie App entwickelt, die es den Nutzer:innen erleichtern soll, Lebensmittelverschwendung in Privathaushalten zu reduzieren.  

Frauke ist Gründungsmitglied von ZuTat und studiert Biologie im Master an der CAU. Sie kümmert sich hauptsächlich um die Organisation. Das heißt, sie hat immer im Blick, was inhaltlich für die App gebraucht wird. Außerdem kümmert sie sich um das Zustandekommen von Kooperationen. 
Arne studiert Informatik und Sport im Bachelor. Er ist für die Entwicklung und Programmierung der App zuständig und kam erst später dazu.  

Der Albrecht: Wie seid ihr auf die Idee für die App gekommen? 

Frauke: Ende 2019 haben ich an dem Changemaker-Kurs von yooweedoo teilgenommen und mich dort in einer Gruppe mit vier weiteren Studierenden der CAU zusammengefunden. Aufgabe war es, ein sozial-ökologisches Projekt zu entwickeln und umzusetzen. Einer von uns hatte von Anfang an die Idee, eine App zu konzipieren, die einem hilft, die Lebensmittelverschwendung im privaten Haushalt zu minimieren. Seine Hauptmotivation war, dass ihm das selbst große Probleme bereitete und er sich selbst so eine App gewünscht hatte. Im Sommersemester haben drei von uns den weiterführenden Kurs belegt. Da keine:r von uns programmieren konnte, haben wir uns aktiv auf die Suche nach jemandem gemacht. So kam dann Arne hinzu. Mittlerweile sind nur noch wir beiden aktiv dabei, was daran liegt, dass die anderen unibedingt leider weniger Zeit zur Verfügung haben. 

Wie genau sieht eure App aus? Was ist das Besondere?  

Arne: Ziel der App ist es, Lebensmittel besser verwerten zu können. Dafür hat sie mehrere Funktionen, die dabei unter die Arme greifen. Eine Funktion ist die simple Überwachung des Mindesthaltbarkeitsdatums der gelagerten Lebensmittel. Dabei muss nicht viel selbst getan werden, sondern die App sendet einem drei Tage vor dem erreichten Mindesthaltbarkeitsdatum eine Benachrichtigung: „Hey, dein Essen läuft bald ab!“ Des Weiteren gibt es eine Statistikfunktion, die anzeigt, wie viele Lebensmittel verwertet und wie viel weggeschmissen wurden. Denn oft fehlt einem eine realistische Vorstellung davon, wie viel bei uns wirklich im Müll landet. Eine einfache grafische Darstellung kann bereits helfen, ein verbessertes Bewusstsein für das eigene Verhalten zu erlangen.  
Eine weitere Funktion ist unser Rezeptbuch. Natürlich gibt es hier eine normale Rezepte-Suchfunktion, aber die Hauptfunktion ist, dass Lebensmittel, die kurz vor dem Verfallsdatum stehen, in das Rezeptbuch eingegeben werden können. Dieses schlägt Rezepte vor, die möglichst viele enthalten und wo nicht unnötig viel dazugekauft werden muss. Zusätzlich haben wir auch eine Einkaufsliste eingebaut. Jede:r kennt das bestimmt, dass beim hungrigen Einkaufen-Gehen viel zu viel gekauft wird – und das schlussendlich wieder im Müll landet. Die Einkaufsliste soll Orientierung schaffen und unnötiges Kaufen reduzieren.  

Bild: Arne von Pichowski

Uns ist es wichtig, dass die App ein schlanker Begleiter im Alltag ist, also wenig Zeit in Anspruch nimmt. Dafür haben wir sie, soweit es geht, automatisiert, indem wir manche Bereiche mit einer Spracheingabe ausgestattet haben. So kann man die neu gekauften Sachen einfach diktieren, ohne lange tippen zu müssen. Die App hat allerdings auch eine Scan-Funktion. Dank dieser kann der Kassenzettel eingescannt werden und die App packt die Einkäufe automatisch in den digitalen Kühlschrank.  
Unsere vierte und letzte Funktion ist die ZuTat-Seite. Hier informieren wir unsere Nutzer:innen regelmäßig über Lagerungs- und Verwendungstipps. Dies funktioniert individuell, also auf die Lebensmittel, die der:die Nutzer:in im digitalen Kühlschrank hat, abgestimmt. Damit wollen wir das Wissen vermitteln, was für jede:n Nutzer:in individuell gerade interessant ist. 

Unsere App soll ein Alltagsbegleiter mit ein paar ausgewählten Funktionen sein, die helfen, die Lebensmittelverschwendung im privaten Haushalt zu reduzieren, aber gleichzeitig so flach und intuitiv gehalten sein, dass sie möglichst kaum in der Nutzung auffällt.  
Zum aktuellen Stand kann ich stolz sagen: Es funktioniert alles! Die Programmierung ist durch und wir stehen kurz vor der letzten Testphase mit ausgewählten Nutzer:innen. Anschließend können wir sie in den Android App-Store laden. Aktuell lerne ich die Programmierung für iOS-Geräte und hoffe daher, dass wir unsere App auch bald für Apple-Geräte anbieten können. 

Warum genau ist es so wichtig, Lebensmittelverschwendung zu reduzieren?  

Frauke: Erstmal ist es einfach erschreckend, wie viele Lebensmittel verschwendet werden. Weltweit sind das ein Drittel, die weggeworfen werden. In Deutschland findet fast die Hälfte der gesamten Lebensmittelverschwendung in privaten Haushalten statt. Und deshalb kann man auch wirklich was bewirken, wenn man die Menschen dabei unterstützt, weniger im Privaten wegzuschmeißen.  
Lebensmittelverschwendung ist eine große Umweltbelastung, weil die ganzen Ressourcen, wie Wasser, Energie aber auch Landfläche, die in die Produktion von Lebensmittel gesteckt werden, einfach verschwendet sind. Acht Prozent der globalen Treibhausgase werden durch Lebensmittelverschwendung verursacht. Davon abgesehen gibt es weltweit viele Menschen, die hungern müssen. Daher finde ich es moralisch nicht vertretbar, so sorglos mit seinen Lebensmitteln umzugehen und die einfach wegzuwerfen.  

Eure App steht kurz vor dem Launch – wie soll es für euch weitergehen?  

Arne: Ideal wäre es, wenn sich unser Team vergrößern würde und Frauke und ich somit etwas mehr entlastet wären. So bräuchten wir jemanden, der:die an unserer Website mitarbeitet. Das heißt, sie füllt und auf dem aktuellen Stand hält. Auch für Social-Media wäre es schön, wenn sich eine interessierte Person finden würde. 
Davon abgesehen suchen wir auch immer Leute, die uns helfen, Rezepte und Tipps zu schreiben und allgemein Inhalte für die App zu sammeln.  
Das Tolle bei uns ist: Wir sind nicht ortsgebunden, weshalb Mitstreiter:innen theoretisch aus der ganzen Welt zu uns stoßen könnten. 

Da unsere Rezeptdatenbank aktuell noch recht klein ist, hoffen wir auch, dass wir in der Zukunft ein Sponsoring oder eine Kooperation mit einer großen Rezeptdatenbank eingehen können.  

Frauke: Wir wollen auch bekannter werden, sodass möglichst viele unsere App benutzen werden. Um das zu erreichen, suchen wir nach kleinen und großen Kooperationen, wie mit dem „Kiel kann mehr Festival“, bei dem wir 2020 dabei waren und auch dieses Jahr wieder dabei sein werden. Damit wollen wir unser Traumziel erreichen: Die Minimierung der privaten Lebensmittelverschwendung! 

Vielen Dank für das Gespräch! 

Wenn ihr mehr über die App ZuTat erfahren wollt, könnt ihr hier die Website besuchen oder folgt ihnen auf Instagram.

Autor*in

Katrina studiert Deutsch und Soziologie an der CAU. Sie ist seit Juli 2020 Teil der ALBRECHT-Redaktion und schreibt hauptsächlich für die Ressorts Hochschule und Gesellschaft. Seit November 2020 unterstützt Katrina das Lektoratsteam und hat außerdem seit März 2021 den Leitungsposten Bild inne.

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Katrina studiert Deutsch und Soziologie an der CAU. Sie ist seit Juli 2020 Teil der ALBRECHT-Redaktion und schreibt hauptsächlich für die Ressorts Hochschule und Gesellschaft. Seit November 2020 unterstützt Katrina das Lektoratsteam und hat außerdem seit März 2021 den Leitungsposten Bild inne.

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