Weihnachtskonzert des Philharmonischen Orchesters und des Philharmonischen Chors Kiel in der Interims-Philharmonie 

Alle Jahre wieder erklang es am Sonntagabend im großen Stil. Das Theater Kiel lud zum Weihnachtskonzert seines jungen Nachwuchses aus den Orchester-, Chor- und Ballettakademien gemeinsam mit dem großen philharmonischen Ensemble aus Chor und Orchester. Sopranistin Katja Stuber und Bariton Jonas Müller komplettierten die Besetzung als Solist:innen in der zweiten Hälfte des Abends. Vor dieser Fülle an kleinen und großen Musiker:innen und Tänzerinnen standen abwechselnd Gerald Krammer und Moritz Caffier, die mit leichter Hand ihre Taktstöcke durch die Luft gleiten ließen und das Ensemble sowie das Publikum souverän durch den Abend leiteten.

Ein seltenes Bild: eingeschaltete Smartphones im philharmonischen Konzert (Bild: Finn Schamerowski)

Das Publikum, in welchem sich alle Altersklassen von jung bis alt vertreten sahen, war gleich nach der Eingangskantate Vom Himmel hoch von Felix Mendelssohn Bartholdy gefragt, als Dirigent Krammer zum Ende seiner Begrüßung hin verkündete, dass die folgenden Stücke Alle Jahre wieder und Ihr Kinderlein kommet gesangliche Unterstützung benötigten. Über einen QR-Code im Programmheft konnten die Zuhörenden die Liedtexte der Mitsing-Klassiker auf der Webseite des Theaters abrufen. Ein Bild, welches nicht alle Tage in einem philharmonischen Konzert zu sehen ist.

Familiär und locker

Durch ihr feines musikalisches Zusammenspiel in einem Mix aus Altbekanntem und neu arrangierten Beiträgen ließen die Künsteler:innen Kinder- und Erwachsenenaugen erstrahlen – und das vor ausverkauftem Haus. Eine Zuschauerin fasst passend zusammen: „Man muss sich überhaupt nicht konzentrieren.“ Das ist nicht als negativer Kommentar zu verstehen, sondern zollt viel mehr den vielen kleinen bunten Programmpunkten Respekt, die den Abend wie im Flug vergehen ließen. Dem familiären Publikum kam dieser Bruch der Konzertkonventionen zugute. So wird auch konsequent nach jeder Arie der solistisch gestützten Mendelssohn-Kantate geklatscht. Ein Unding im normalen Konzertbetrieb.

Das philharmonische Orchester war fast während des gesamten Abends durchsetzt mit jungen Musiker:innen der Orchesterakademie. Die Chorbesetzung wechselte zwischen philharmonischem Chor mit und ohne Nachwuchstalenten und den Kindern und Jugendlichen der Chorakademie. Die Kinder aus „Chor 3 und 4“ –  von Caffier liebevoll „die Mittleren“ genannt – sowie die Jugendlichen aus „Chor 5 und 7“ verzauberten die Anwesenden etwa mit einer Musicalnummer aus Frag den Lukas oder einem geswingten Arrangement von Santa Clause is coming to town und ernteten tosenden Applaus.

Gerald Krammer dirigiert zeitgleich das Ensemble auf der Bühne und das Publikum (Bild: Finn Schamerowski)

Gemeinschaft durch Musik

Dieses Weihnachtskonzert vereinigte gemeinsames Singen, Chor- und Orchesterdarbietungen sowie Ballett. Zwölf kleine und größere Tänzerinnen brachten ganz großes Ballett auf die Tanzfläche vor der Orchesterbühne. Zu Auszügen aus Tschaikowskis Der Nussknacker wirbelten viele kleine Schneeflocken vor den Zuschauer:innen der ersten Reihe hin und her und eine Solistin bahnte sich als Zuckerfee anmutig den Weg über die Bühne.

Ein großer Dank gelte dem Förderverein der Akademien am Theater Kiel, so Caffier. Dessen Mitglieder:innen finanzierten den jungen Nachwuchskünstler:innen neben weiteren Sponsoren die professionelle, musikalische beziehungsweise tänzerische Ausbildung durch ihre Beiträge und großzügigen Spenden.

Applaus in der Übergangs-Spielstätte

Gerade in Anbetracht eines Weihnachtskonzertes, das Besinnlichkeit und wohlige Wärme versprühen soll, wünschten sich manche Besucher:innen sicherlich, sie säßen im Konzertsaal des Kieler Schlosses. Doch dieses bleibt aufgrund einer umfassenden Sanierung noch bis voraussichtlich Frühjahr 2024 geschlossen. Stattdessen fand sich das Publikum in der Interims-Philharmonie der Wunderino-Mehrzweckhalle wieder. Die Spielstätte wird den Ansprüchen einer Philharmonie gerecht, auch wenn manche solistische Gesangspassage in den Weiten der Halle verloren ging. Den stehenden Ovationen des Publikums, die Caffier durch die Forderung eines Abschlusschores „im Stehen“ quasi provoziert hatte, tat auch dieses vermeintliche Manko keinen Abbruch.

Autor*in

Finn studiert seit dem Wintersemester 20/21 Englisch und Geographie auf Lehramt und ist seit dem WiSe 22/23 Mitglied der Redaktion und des Lektoratsteams. Er hat die Leitung des Kulturressorts inne.

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