Ein Interview mit Universitätsmusikdirektor Daniel Kirchmann 

Daniel Kirchmann ist seit April 2022 neuer Universitätsmusikdirektor (UMD) der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Zuvor hat er bereits mehrere musikalische Stationen durchlaufen – beruflich wie privat. In einer Kooperation mit dem Campusradio Kiel haben wir mit ihm über seine Inspirationsquellen und Vorhaben in der Kieler Universitätsmusik gesprochen. 

DER ALBRECHT & Campusradio Kiel: Was hat Sie inspiriert, beruflich im musikalischen Bereich tätig sein zu wollen?

Die Musik hatte ich schon von Kindesbein an um mich herum. Meine Eltern und Geschwister haben viel musiziert: die klassische Hausmusik. Mein Vater hat im Chor gesungen, Klavier gespielt und auch meine Mutter hat viel gesungen. So war der Kontakt mit Chor- und Instrumentalmusik schon früh gegeben. Ich habe mit Klavier angefangen später dazu Horn als Blasinstrument und Orgel. Mit der Orgel war der Weg vorgezeichnet. Für meinen Lehrer war klar, dass ich Musik studieren sollte. Ich habe in Köln Kirchenmusik studiert und dabei zum ersten Mal dirigiert. Es folgte die Kapellmeister-Ausbildung. Dort habe ich den Kontakt zur Oper gefunden und daraufhin bei der Kammeroper Köln als Repetitor und Dirigent gearbeitet. Anschließend war ich als Kirchenmusiker in Bonn, bin von dort als Chordirektor und Kapellmeister nach Schwerin gewechselt und jetzt seit April hier in Kiel. 

Welche Faszination finden Sie in klassischer Musik und dem Musizieren innerhalb der Ensembles?  

Die klassische Musik hat eine so große Bandbreite an Emotionen und Gefühlen zu bieten, das ist der Wahnsinn. Darin einzutauchen und das zu erleben, macht für mich den Reiz aus. Und diese Besonderheit im Ensemble mit anderen Menschen zu erarbeiten und mit dem Publikum zu teilen. 

Hört man sich in der Generation der Studierenden um, findet man eher selten Personen, die sich wirklich für Klassik begeistern können. Ist klassische Musik ‚Musik für alle’ und sollte sie ein größeres Publikum finden? 

Auf jeden Fall ist klassische Musik für alle da. Es ist nicht nur ein elitärer Kreis, der sie konsumiert und ausübt. Wenn man, so wie ich, gerade aus Schwerin kommt, einer Stadt, in der vornehmlich alte Menschen wohnen, und sich dann in Kiel wiederfindet, ist der Unterschied wirklich groß. Ich stellte tatsächlich fest: Hier gibt es ganz viele junge Menschen, die sich für klassische Musik begeistern. Und wenn man sieht, mit welcher Begeisterung Studierende hier daran arbeiten, dann muss man sich um die Zukunft der klassischen Musik keine Sorgen machen. 

Hören Sie privat auch klassische Musik oder eher etwas anderes? Welche ist Ihre Lieblingsband? 

Weil ich bei meiner Arbeit den ganzen Tag mit Musik umgeben bin, bin ich im privaten Bereich froh, wenn mal Ruhe ist. *lacht* 

Früher als Jugendlicher habe ich alles rauf und runter gehört, was es so gab. Tatsächlich hatte ich in der Oberstufe eine Techno- und Ravephase – als Kontrast zur anderen Musik, die mich umgeben hat. In der Studienzeit kannte ich alle Texte von Udo Jürgens auswendig, aber heute kann ich nicht mehr sagen, welche meine Lieblingsband ist. Auf jeden Fall höre ich privat keine klassische Musik.  

Für Ihr neues Amt hatten Sie große Fußstapfen zu füllen: Prof. Bernhard Emmer hat als UMD über 30 Jahre lang die Universitätsmusik der CAU geprägt. Haben Sie bereits eigene Ambitionen für ein Erbe, das Sie einmal hinterlassen wollen?  

Ich habe keinen Anspruch daran, was einmal an den Grabstein meiner Universitätskarriere gemeißelt wird. Ich genieße es einfach, mit den Studierenden hier Musik zu machen. Wir wenden uns in diesem Semester mit einer konzertanten Fassung von Hänsel und Gretel erstmalig dem Bereich der Oper zu. Musiktheater mit dem Uni-Orchester gab es hier vorher noch nicht und wenn die Studierenden Spaß daran haben, dann können wir dies in Zukunft gerne wiederholen. Mit dem Chor gehen wir auch in eine modernere Richtung, um zu zeigen, was an zeitgenössischer Musik auf dem Markt zu finden ist.  

Sie haben die Arbeit mit dem Orchester und dem Chor bereits erwähnt. Im Dezember und Januar stehen große Semesterkonzerte wie Hänsel und Gretel an. Welche weiteren Stücke wurden ausgewählt und mit welcher Motivation? Was verbindet Sie selbst mit diesen Werken? 

Am Ende des Semesters führen wir The Armed Man: A Mass For Peace von Karl Jenkins auf, ein Antikriegsstück für großen Chor und großes Orchester. Dieses Stück füllt mit seinem Umfang aber nicht das ganze Semester mit Probenarbeit. Die Idee hinter Hänsel und Gretel ist dann auf einer Zugfahrt entstanden, bei der Suche nach Stücken, die zur Vorweihnachtszeit passen. Diese Oper führen wir gemeinsam mit Solist:innen der Musikhochschule Lübeck auf, welche die Gesangsrollen übernehmen und szenisch auf der Bühne spielen. Jedoch ohne Bühnenbild oder Kostümierung. 

Auch für den Chor reicht die Messe von Jenkins nicht für das komplette Semesterprogramm aus. Nun machen wir ein Weihnachtskonzert mit einer Mischung aus englischen Christmas Carols und zeitgenössischer Chormusik von Ola Gjeilo.  

Zu guter Letzt: Was wünschen Sie sich für Ihre Zukunft an der Universität? 

Dass die Studierenden mit der gleichen Begeisterung weitermachen, wie sie jetzt dabei sind. Dann bin ich schon total glücklich. 

Vielen Dank für das Gespräch.  

Termine

Weihnachtskonzert der Studierendenkantorei – 17.12.22, 19:30 Uhr, Petruskirche Kiel 

The Armed Man: A Mass For Peace – Solist:innen, Orchester und Chor, 28.01.23, 19:30 Uhr, Wunderino-Arena 

Karten sind erhältlich in der Buchhandlung in Mensa 1, bei Ruth König Klassik und bei Hugendubel (Holtenauer Str. 116).

Autor*in
Chefredakteur

Finn ist seit Februar 2024 Chefredakteur des ALBRECHTs. Zuvor hat er ein Jahr lang das Kulturressort geleitet. Er studiert seit dem Wintersemester 20/21 Englisch und Geographie auf Lehramt und ist seit dem WiSe 22/23 Teil der Redaktion.

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