Seriencheck: Irgendwas mit Medien

Wolltet ihr schon immer wissen, wie Michael Scott oder Bernd Stromberg in jungen Jahren gewesen sein könnten? Fans von The Office oder Stromberg können sich freuen: Ab dem 14. April gibt es in der ARD-Mediathek eine vom MDR produzierte Webserie, die in die Fußstapfen der erfolgreichen Serien tritt. Irgendwas mit Medien erzählt die Geschichte von Lennart, der ‚Irgendwas mit Medien’ studiert und in seiner Zeit als Erstsemestler einige Hürden zu überwinden hat – wobei die meisten sich als Fettnäpfchen herausstellen, in die er selbst mit Anlauf reingesprungen ist.  

Willkommen an der Uni 

Im typischen Stil einer Mockumentary begleitet eine Filmcrew über acht Folgen hinweg den frischgebackenen Ersti. Lennart (gespielt von Mirko Muhshoff) zieht für sein Medienkunst-Studium mit großen Plänen und Erwartungen nach Weimar, doch sein unfassbar großes Selbstvertrauen überschattet dabei sein kaum vorhandenes Talent und seine fehlende Kreativität. Obwohl er Begeisterung für sein Studium aufbringt, fragt man sich die ganze Zeit, warum er diesen Studiengang überhaupt gewählt hat.  

Ihm gegenüber steht Simon (gespielt von Jano Kaltenbach), ein Langzeitstudent im elften Semester, der mit mangelndem Antrieb einen wunderbaren Kontrast zu Lennart darstellt. Simon ist der erste, mit dem Lennart an der Bauhaus-Universität in Kontakt kommt – während Lennart aber nach einer Freundschaft sucht, ist Simon völlig genervt und genau wie wir Zuschauenden  oft schockiert über die naiven und grenzüberschreitenden Handlungen des Erstis.

Aus dem Weg gehen können sie sich aber nicht: Simon ist nicht nur Lennarts Tutor, sondern auch sein Nachbar im Wohnheim und da Simon mehrere Kurse wiederholen muss, arbeiten sie zwangsläufig in vielen Seminaren zusammen.  

Seminar ‚Fremdschämen’: Bestanden 

Während sich die Vorbilder The Office und Stromberg um die oftmals eintönige Arbeit in einem Büro drehen, war es erfrischend für mich, als Serien wie Superstore oder Discounter herauskamen, die auch den Alltag in einem Mindestlohnjob abbildeten. Muhshoff und Kaltenbach gehen einen Schritt weiter und möchten die profane Komik des Studierendenlebens zeigen. Ich bin Studentin und ich mache irgendwas mit Medien – ich erwarte mir also einige Stunden voller Lacher und ‚Omg, das sind wir’-Momente.  

Was ich allerdings auch bekam, waren Stunden körperlichen Unwohlseins. Der Hauptcharakter Lennart ist nicht nur ein typischer Antiheld seiner eigenen Geschichte mit seiner politischen Inkorrektheit und fehlgerichteten Ambitionen. Er ist auch vor allem eines: cringe. Anders kann das Erlebnis beim Zuschauen nicht beschrieben werden. Denn 90 Prozent der Zeit folgen wir nur Lennart, müssen uns jede seiner peinlichen Taten anschauen und dabei zusehen, wie er unaufhaltsam seine bescheuerten Ideen umsetzt.

In den anderen Serien wurden oft auch weitere Charaktere gezeigt, sodass wir Szenen zum Runterkommen haben, in denen wir lachen können und das Fremdschämen nicht im Vordergrund steht. Mir hat dieser Aspekt bei Irgendwas mit Medien an einigen Stellen gefehlt. Aber: Trotz des Unwohlseins habe ich die Serie an einem Stück durchgeschaut. 

Gemeinsam einsam studieren 

Die Hauptdarsteller Mirko Muhshoff und Jano Kaltenbach stehen nicht nur zusammen vor der Kamera, Idee und Drehbuch kamen auch von ihnen. In die Serie haben sie eigene Erfahrungen einfließen lassen, so kennen sich die beiden ebenfalls durch ihr Medienkunst-Studium an der Bauhaus-Universität in Weimar.

Sie wollten nicht nur Comedy schaffen, sondern auch einen Einblick in das Studierendenleben und eine Antwort auf die Frage geben, was genau hinter einem Studium wie Medienkunst steckt. Tatsächlich haben sie aber auch einen tiefergehenden Aspekt des Unialltags aufgegriffen: Die eigene Identitätsfindung und die Schwierigkeiten des Anschlussfindens in diesem neuen Lebensabschnitt. 

Vor allem Simon steht für ‘the dark side of the Unialltag’ und kann uns sehr gut vermitteln, dass es im Studium nicht jeden Tag Freude am Lernen gibt, sondern dass es auch schwer sein kann – gerade wenn alle Freund*innen und Kommiliton*innen schon weiter als man selbst sind.

Eigentlich ist Irgendwas mit Medien die nachvollziehbare Erzählung zweier Menschen, die keinen Anschluss finden, sich isoliert fühlen und gleichzeitig mit dem Bild des „wilden Studierendenlebens“ konfrontiert sind, in das sie nicht hineinfinden. Die Serie zeigt die Schwierigkeiten, neue Freund*innen zu finden und nicht den Kontakt zu alten Freund*innen zu verlieren.   

Wer also gerne Menschen dabei zusieht, wie sie sich blamieren, sollte diese Serie unbedingt anschauen. Aber die Serie ist auch empfehlenswert für alle anderen Studierenden – auch wer nichts mit Medien studiert, kann sich in vielen Momenten wiederfinden. Die ersten beiden Folgen konzentrieren sich zwar sehr auf die Fremdschäm-Momente, danach entwickelt sich aber eine Serie mit Meme-Potenzial, die auch Lust auf eine zweite Staffel macht – Toppinger! Sie verstehen? 

Autor*in

Eileen studiert Soziologie/Philosophie und ist seit Januar 2022 die Chefredakteurin. Sie leitete von Februar 2019 bis Anfang 2020 das Ressort für Gesellschaft. Danach war sie stellvertretende Chefredakteurin. Außerdem werden viele der Illustrationen im Albrecht von ihr gezeichnet.

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