Cinéma, Mon Amour – Teil 1: Das Kino in der Pumpe

Du begleitest mich bereits mein gesamtes Leben, bist immer für mich da. Wenn du traurig bist, weine auch ich und wenn du glücklich bist, freue ich mich mit dir. Du erzählst mir Geschichten von bekannten und phantastischen Orten, aus der Gegenwart, Vergangenheit oder Zukunft, und Menschen die ich niemals treffen werde. Egal wie oft ich dich nach derselben Geschichte frage, du erzählst sie mir, ohne die Augen zu verdrehen. Danke.

Jedes Kino hat seine eigene Geschichte und Traditionen entwickelt, um sich vom Fernsehen, Bluray oder Video-on-Demand Diensten abzugrenzen und somit ein jeweiliges Stammpublikum etabliert. Diese Spezialisierungen haben dazu beigetragen, dass in Kiel gegenwärtig eine breite Kinokultur existiert, vom Multiplex bis zum studentisch organisierten Kino ist alles vertreten. In den kommenden Monaten werden in der Reihe Cinéma, Mon Amour Lichtspieltheater in Kiel und Umgebung vorgestellt.

Im letzten Jahr besuchten täglich circa 336.000 Menschen in der Bundesrepublik Kinovorstellungen in 4637 Sälen. Am 1. November 1895 gab es nur ein Kino. Die Brüder Max und Emil Skladanowsky veranstalteten im Berliner Wintergarten die erste kommerzielle Filmvorführung. Das Kino war geboren. Am 28. Dezember 1895 zeigten Auguste und Louis Lumière in Paris, im Grand Café am Boulevard des Capuccines, mehrere eigens gedrehte Kurzfilme. Darunter La Sortie de l‘Usine Lumière à Lyon (Arbeiter verlassen die Lumière-Werke) sowie der legendäre L‘Arrivée d‘un Train en Gare de la Ciotat (Die Ankunft eines Zuges auf dem Bahnhof in La Ciotat).

120 Jahre später leben wir in einer Zeit, in der es möglich ist, Filme theoretisch überall und zu jeder Zeit zu schauen. Doch egal an welchem Ort, keiner vermag die Magie des Films so zu entfalten wie die Illusionsmaschine Kino. Ob es die große Leinwand, der Sound, die Anonymität doch gleichzeitige Öffentlichkeit im Kinosaal oder der Geruch von frischem Popcorn ist?

Der erste Teil der Reihe Cinéma, Mon Amour führt uns in das dienstälteste Kino der Stadt, das Kommunale Kino in der Pumpe, kurz KoKi. Dort wurde ich vom Filmwissenschaftler und Programmverantwortlichen des KoKis, Dr. Eckhard Pabst, empfangen. Für das Interview gingen wir natürlich in den Kinosaal. Es gab keinen passenderen Ort, an dem wir über das Kommunale Kino hätten sprechen können als im Kinosaal selbst.

Seit 1979 werden im Kommunalen Kino in der Pumpe Filme vorgeführt. Das KoKi ist Teil des Kultur- und Kommunikationszentrums Die Pumpe e. V., welches im 1929 erbauten und heute denkmalgeschützten Pumpwerk inmitten der Kieler Altstadt sitzt. Initiiert wurde das Kino von Filmenthusiasten des Kieler Filmclubs. Nach einem kurzen Aufenthalt im ersten Obergeschoss der Pumpe zog das Kino in den großen Saal im Erdgeschoss. Da der Saal ebenso für andere Veranstaltungen genutzt wurde, musste die Bestuhlung zu jeder Filmvorführung auf- und danach wieder abgebaut werden, bis das Kino 1996 in den ehemaligen Theatersaal im ersten Obergeschoss umzog, in dem bis heute Filme vorgeführt werden.

Seitdem wurde das Kino mehrmals modernisiert. Der Saal bietet 114 Sitzplätze, zwei davon für Rollstühle. Die ansteigenden Sitzreihen sorgen für eine gute Sicht auf die Leinwand, auch wenn mal jemand Größeres vor einem sitzt. Die früheren Klappstühle wurden durch bequeme Hochlehnensessel getauscht, ein hochauflösender 2K Projektor installiert sowie eine neue Soundanlage. Darüber hinaus ist das KoKi eines der wenigen Kinos, welches neben den etablierten DLP (Digital Light Processing) noch über zwei 35mm Projektoren verfügt. Daher ist es möglich Archivkopien, die dem Kopplungsverbot unterliegen, ohne Unterbrechung in der richtigen Geschwindigkeit vorzuführen.

KoKi voll

Parallel zu aktuellen Kinostarts werden im KoKi Premieren und diverse Filmreihen in Kooperation mit Vereinen und Hochschulen veranstaltet, zum Beispiel Mein Hitchcock, Queer Filmtage, Guy-Filmnacht oder Psychoanalyse und Film. Neben den klassischen Länderfilmreihen Cinema Italia, Cinéma Français, Estnischer Filmabend werden jüngst nordkoreanische Filme und russische Originalfassungen gezeigt. Je nach Vorliebe werden bei ausländischen Filmen in der Regel mehrmals in der Woche OmU (Originalfassung mit Untertitel) und synchronisierte Vorstellungen angeboten. Des Weiteren besteht die Möglichkeit, einen Filmwunsch abzugeben, per Mail an kino@diepumpe.de oder telefonisch, der dann eventuell ins Programm aufgenommen wird. Ein Geheimtipp, nicht nur für Cinephile, stellen die Stummfilmvorführungen mit LiveMusikbegleitung dar. Außerdem ist das KoKi Spielstätte für das Filmfest Schleswig-Holstein. Das KoKi stellt nicht nur, doch besonders durch seine Programmauswahl eine wichtige Institution der Kieler Kinokultur dar.

Das reguläre Programm gliedert sich in drei Vorstellungen pro Tag, jeweils um 17, 19 und 21 Uhr. Der Eintritt kostet 6 Euro, für Studierende 5 Euro (gegebenenfalls Aufschlag bei Überlänge, Sondervorstellungen).

Kommunales Kino in der Pumpe – Haßstraße 22  24103 Kiel – www.diepumpe.de www.facebook.com/kinopumpekiel/

Bildquellen: Kommunales Kino in der Pumpe

Autor*in

Marc studierte Politik, Soziologie und Medienwissenschaft in Kiel. Für den ALBRECHT schreibt er seit 2015 insbesondere für das Kulturressort und dessen Filmsparte KinoKatze.

Marc Asmuß
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