Demonstranten, U-Boot-Kapitän und ein Farbanschlag

Teutonia war einst Bezeichnung für das Territorium verschiedener germanischer Stämme nördlich der Alpen und später geografisches Synonym des „Deutschen Reiches“ und des „Heiligen römischen Reiches“. Heute  ist es unter anderem Namensbestandteil von Sport- und Gesangsvereinen, sowie von Burschenschaften. Unter ihnen die Burschenschaft Teutonia zu Kiel. Sie ist laut eigener Homepage die älteste Kieler Studentenverbindung, gegründet im Jahre 1817. Für alle Menschen, die sich „verbindungsfrei“ durch ihr Studium bewegen, bleiben die Details von Bezeichnungen, Ritualen, Unterscheidungen und Lebensweisen der Verbindungen und Burschenschaften meist verborgen. Gelegentlich dringt allerdings auch etwas zu ihnen durch. Und das findet überwiegend dann statt, wenn Studentenverbindungen mit politisch-extremen Gesinnungen in Zusammenhang gebracht werden. So auch im aktuellen Fall.

Anfang November luden die Teuten anlässlich des 194-jährigen Bestehens zu einem Zeitzeugengespräch in ihr freundlich wirkendes, durch nächtliche Schmierereien aber in Mitleidenschaft gezogenes Verbindungshaus in Düsternbrook. Angekündigt war Klaus Petersen. U-Boot Kommandant im zweiten Weltkrieg und von 1942 bis 1944 auf drei U-Booten stationiert. Er war als Kapitän auf Feindfahrten auch verantwortlich für die Versenkung von Schiffen.

Vertreter der antifa in Kiel riefen auf ihrer Homepage bereits im Vorfeld zu einer Demonstration gegen den Auftritt Petersens auf. Sie fordern, dass Wehrmachtssoldaten keine Bühne für Reden geboten werden sollte. So schreiben die Herausgeber der Internetseite antifa-kiel.org über Petersen: „Er ist und bleibt aktiver Teil des deutschen Vernichtungswahns und als solchem gehört ihm keine Bühne geboten! Eine historische Aufarbeitung der Ereignisse der deutschen Geschichte kann nicht durch aus dem Nähkästchen plaudernde Wehrmachtsveteranen geschehen!“ Aus diesem Grund versammelten sich nach Angaben der Initiatoren etwa 50 Demonstranten vor dem Verbindungshaus. Mit schwarzen Kapuzen im Gesicht und ausgerüstet mit Plakaten gegen Rassismus, Kapitalismus und Sexismus protestierten sie lautstark gegen das Zeitzeugengespräch. Auch die Polizei war vor Ort um das Haus vor Übergriffen der Demonstranten zu schützen. Doch trotz des Aufgebots der Ordnungshüter wurde der Termin abgesagt und auf unbestimmte Zeit vertagt. Die HSG Linksalternative Liste der CAU verwies auf ihrer Homepage auf diesen „aus antifaschistischer Sicht sehr erfolgreichen Tag.“

Welche politische Meinung innerhalb einer Verbindung besteht, ist für Außenstehende nach wie vor nur sehr schwer zu erkennen. “Ehre, Freiheit ,Vaterland”, nicht nur Burschenschaften wie die Teutonia Kiel bieten mit solch jahrhunderte alten Leitsprüchen und Traditionen – Mensuren, um nur eine zu nennen – eine Grundlage für Schwarzweiß-Zeichnungen der politischen Kultur. Auf eine kleine Anfrage der Fraktion Die Linken hin, überprüfte die Bundesregierung 2007 die deutschen Burschenschaften. Sie kam unter anderem zu dem Ergebnis, dass „Die ganz überwiegende Zahl der Mitgliedsburschenschaften […] keine Kontakte zu Rechtsextremisten unterhält.“ Bei Nachfrage versicherte ein Teutone, dass ihre Verbindung in keiner Weise mit „Rechts“ sympathisiere. Teutonia Kiel trat darüberhinaus 1964 wegen politischer Gründe aus dem Dachverband „Deutsche Burschenschaft“ aus. Deren Orientierung war für die Verbindung nicht mehr tragbar. Die „Deutsche Burschenschaft“ ist 2011 in die Schlagzeilen geraten, als sie über den Ausschluss einer Verbindung entschied, weil eines ihrer Mitglieder asiatische Gesichtszüge hatte.

Skepsis und Bedenken gegenüber Burschenschaften können nur abgelegt werden, wenn man weiß, womit man es zu tun hat. Die Traditionen und das abgeschirmte Umfeld tragen dazu nicht bei. Fehlende deutliche Abgrenzungen zu rassistischen Verbindungen tun ihr Übriges. Der neuen Generation von Mitgliedern dieser Gemeinschaften bleibt noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten.

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Über Florian Skupin 0 Artikel
Florian war bis 2012 Teil der Redaktion.

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