Diwali in Kiel

Fröhliche BollywoodtänzerInnen in Aktion. Foto: Krishna Vaidh / S.R. Shrama / Murali Krishna

Mit dem Herbst beginnt wieder die dunkle Jahreszeit. Auch in Indien scheint dies der Fall zu sein und die Kiel Indians, die Vereinigung indischer Studierender, hat dies zum Anlass genommen, um zum ersten Mal auch in Kiel ein großes Diwali-Fest zu organisieren. Bei diesem traditionellen indischen Fest wird der „Triumph des Guten über dem Bösen gefeiert“, erzählt die indische Studentin und leidenschaftliche Tänzerin Priya. „Die Ignoranz soll aus den Herzen der Menschen vertrieben werden und in manchen Staaten Indiens beginnt an Diwali das neue Jahr“.

Feinarbeit: die bunten Mandalas aus Sandkörnern. Foto: Krishna Vaidh / S.R. Shrama / Murali Krishna
Feinarbeit: die bunten Mandalas aus Sandkörnern.
Foto: Krishna Vaidh / S.R. Shrama / Murali Krishna

Gespannt schaut die Menge auf, als die drei Tänzerinnen von der Tanzgruppe Kalajyoti die Bühne betreten. In ihren traditionellen indischen Kostümen aus dem zweiten Jahrhundert, mit weiten gelben und blauen Stoffhosen und einem weißen Blumenkranz auf dem Kopf, sehen sie beeindruckend anders aus. Mit Armen und Händen zeichnen sie Bilder in der Luft, den Blick häufig nach oben gerichtet, die Augen ausdrucksstark. Mit geschmeidigen Bewegungen und ausgeprägter Mimik erzählen sie Geschichten von Liebe, geistigem Frühling und Göttern zu ruhiger indischer Musik. Ab und zu sieht es aus, als ob eine Art Kampf entsteht. An den Füßen haben sie Rasseln, die im stetigen Rhythmus erklingen, wenn sie auf den Boden auftreten.

Redakteurin Mirjam im Gespräch mit Faizan, Vorsitzender der Kiel Indians, und Studentin und Tänzerin Priya (v. l.). Foto: Krishna Vaidh / S.R. Shrama / Murali Krishna
Redakteurin Mirjam im Gespräch mit Faizan, Vorsitzender der Kiel Indians, und Studentin und Tänzerin Priya (v. l.).
Foto: Krishna Vaidh / S.R. Shrama / Murali Krishna

„How is everybody doing?“, ruft Priya der Menschenmenge im Saal der Mensa zu, der zu einem richtigen Festsaal geschmückt wurde. Schon der Gang ist hell erleuchtet von Windlichtern mit Zeichen in Hindi. Auf manchen steht übersetzt „Glück“, auf wieder anderen sind Hindu-Götter abgebildet. Überall im Saal hängen bunte Lampions, Fotos aus Indien und Tücher in den Nationalfarben Indiens: orange, weiß, grün. Selbst der Boden wurde traditionsgemäß mit Mandalas aus bunten Sandkörnern und Kerzen geschmückt. Auch die meisten Gäste, darunter viele aus Indien und Nachbarländern, tragen traditionelle Kostüme in allen denkbaren Farben.

Auf zum Tanz: Gäste in traditionellen Kleidern. Foto: Krishna Vaidh / S.R. Shrama / Murali Krishna
Auf zum Tanz: Gäste in traditionellen Kleidern.
Foto: Krishna Vaidh / S.R. Shrama / Murali Krishna

Viktoria trägt ein rosa-farbenes, mit Pailletten besticktes, indisches Kleid. Sie ist Vizepräsidentin der Deutsch-Indischen Gesellschaft und ist über Umwege auf die indische Kultur gekommen: „Ich habe einen indischen Freund und wollte mehr indische Kultur nach Kiel bringen.“ Sie erzählt welche Bedeutung das Fest für die indische Kultur hat: „Diwali ist in Indien ein nationaler Feiertag und hat dort eine ähnliche Stellung wie Weihnachten in Deutschland. Je nach Region konkurrieren verschiedene Mythen darum, wie und warum das Lichterfest in Indien entstanden ist. Einer der populärsten handelt von Gott Rama, der seine Frau Sita befreite. Die Legende aus dem 14. Jahrhundert besagt, dass ein böser Dämonen-König sie auf einer Insel in Sri Lanka gefangen hielt. Als sich Rama und Sita nach der Befreiung auf den Heimweg machten, zündeten die Menschen ihnen zu Ehren Öllampen an und erleuchteten so den dunklen Weg.“

Während die Stimmung am Anfang noch verhalten war, blüht das Publikum richtig auf, als einige der indischen Studierenden eine Mischung aus Bollywood, klassischem indischen Tanz und westlichen Tanzstilen auf der Bühne performen. Es wird geklatscht, gerufen und gejubelt und das Publikum fiebert mit wie in einem Musical. „Das Tanzen verleiht mir Frieden. Es macht mich glücklich und ist wie eine Meditation für mich“, sagt Priya, „Für mich ist das Schönste an Diwali, neue Kleider zu bekommen und sie zu tragen. Diwali ist auch ein Fest der Familie. Überall im Haus werden Kerzen angezündet und wir teilen Geschenke und Freude miteinander.“

Indischer Generalkonsul aus Hamburg begrüßt die Menge: „Alle Bevölkerungsgruppen tragen zu diesem Fest bei“. Foto: Krishna Vaidh / S.R. Shrama / Murali Krishna
Indischer Generalkonsul aus Hamburg begrüßt die Menge: „Alle Bevölkerungsgruppen tragen zu diesem Fest bei“.
Foto: Krishna Vaidh / S.R. Shrama / Murali Krishna

Faizan, Doktorand an der CAU und Vorsitzender der Kiel Indians, scheint zufrieden: „Der Abend ist ein voller Erfolg. Wir haben schon oft kleinere Events organisiert, aber heute sind 450 Leute gekommen, die Spaß haben.“ Die 290 Mitglieder der Kiel Indians kommen aus allen Ecken Indiens, darunter Städte wie Chennai, Delhi, Hyderabad und Mumbai, erzählt er weiter. Jetzt planen sie zu expandieren, um auch die indischen Familien, die es in Kiel gibt, in den Verein einzubinden. „Am meisten gefällt mir das Feuerwerk, welches an Diwali veranstaltet wird“, lächelt Faizan.

Traditionell ist Diwali ein Brauchtum der hinduistischen Kultur, am Morgen gehen viele in den Tempel und beten. Aber, wie es scheint, ist es auch ein Fest, welches die Verständigung zwischen Angehörigen verschiedener Religionen und Ländern anregt. „Wir kommen aus Bangladesch und sind Muslime. In unserer Heimat freuen sich alle über die religiösen Feste der anderen und nehmen gerne daran teil, denn dies ist eine Gelegenheit für uns alle, um zusammenzukommen und gemeinsam eine schöne Zeit zu haben. Schau‘ dich um, auch heute sind Menschen aus Pakistan, Afghanistan, Afrika und Europa hier, sie alle sind herzlich willkommen, an diesem Fest teilzunehmen,“ meint Jamal. Vielleicht liegt das auch an dem leckeren Essen, das es an Diwali gibt. An diesem Abend gibt es Hähnchenschenkel mit Kichererbsen, Basmatireis und Kartoffel-Zucchini Curry, zubereitet vom Kieler Restaurant „Curry House“. Die Kombination ist gelungen, auch wenn es etwas mehr hätte sein können.  Ungeachtet dessen schmeckt das Essen sehr gut, sodass sich die Menge am Ende guten Mutes zur Tanzfläche bewegt.

Happy Diwali!

* Zitate wurden teilweise von der Autorin ins Deutsche übersetzt

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Mirjam Michel
Über Mirjam Michel 11 Artikel
Mirjam ist seit 2013 Redakteurin des Albrechts.

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