Ein Schritt in Richtung Zukunft?

Es ist Pfingsten 2010. Im zweiten Stock des historischen Seminars in der Leibnizstraße bildet sich eine große, übelriechende Wasserlache, die aus den Sanitäranlagen des dritten Stockes ihren Weg in den zweiten Stock findet. Langsam wird dieses Wasser von den Passanten durch die Flure getragen.

Auch wenn dieser Vorfall offensichtlich den Bauarbeiten im dritten Stock des Gebäudes geschuldet war, so zeigt er doch recht symptomatisch den – zumindest äußerlichen – Zustand der fast 40 Jahre alten Seminargebäude in der Leibnizstraße, der an der Kieler Universität durchaus kein Einzelfall ist. Schon ein kurzer Spaziergang über den Campus der Universität offenbart das Alter und den entsprechenden Zustand der Gebäude.

Doch das soll sich nun ändern: Nur wenige Meter von der Universitätsbibliothek entfernt sollen im Frühjahr 2011 ein Instituts- und ein Seminargebäude fertiggestellt werden. Und auch die Bauarbeiten am Zentrum für molekulare Biowissenschaften (ZMB) am Botanischen Garten sollen nur bis zum Frühjahr 2012 andauern.

Das Zentrum für molekulare Biowissenschaften soll im März 2012 fertiggestellt werden foto: ld
Das Zentrum für molekulare Biowissenschaften soll im März 2012 fertiggestellt werden foto: ld

Fast 30 Millionen Euro werden in diesen Projekten umgesetzt. Der ALBRECHT erläutert, welche Pläne hinter diesen Bauvorhaben stehen und wie diese entwickelt wurden. Die administrativen Strukturen, die den Entscheidungsverfahren solcher Projekte zu Grunde liegen, sind relativ komplex.

Die drei zentralen Institutionen, die einen entscheidenden Einfluss auf die Verfahren nehmen können, sind die Universität, das Land Schleswig-Holstein, konkret betrifft dies das Wissenschafts- und Finanzministerium, und das Gebäudemanagement Schleswig-Holstein (GMSH). Die Entwicklung eines konkreten Raumplanes verläuft hierbei in Kooperation des GMSH und der Universität, bedarf jedoch einer Genehmigung durch die Landesministerien.

Obgleich die Entscheidungsverfahren vor dem Baubeginn in der Leibnizstraße auf ähnliche Art
und Weise verliefen, liegen den Bauprojekten unterschiedliche Ziele und finanzielle Bedingungen
zu Grunde. Während die Seminar- und Institutsgebäude vor allem im Kontext der begrenzten
räumlichen Bedingungen in den Fakultätsblöcken der Leibnizstraße zu sehen sind, lässt sich das
ZMB maßgeblich mit der Bewerbung der Kieler Universität bei der Exzellenzinitiative in Verbindung bringen.

Im ZMB werden daher auf den fünf Etagen in erster Linie Forschungsanlagen mit Laboreinheiten angesiedelt. Die finanziellen Mittel für das Gebäude, dessen Planung bereits im Jahr 2005 begonnen wurde, entstammen einzig dem Landeshaushalt. Die Planung der neuen Seminar- und Institutsgebäude wird hingegen durch das Konjunkturpaket II, welches im Januar 2009 durch die Bundesregierung beschlossen wurde, finanziert.

Die Bereitstellung dieser Mittel wird wiederum zu drei Vierteln durch den Bund und zu einem Viertel durch die Bundesländer getragen. Nach Abschluss der Bauarbeiten soll das Seminargebäude durch einen Hörsaal, zwei Vortragsräume und Seminarräume das angespannte Raumangebot entlasten und das Institutsgebäude während einer möglichen Sanierung der alten Fakultätsblöcke in der Leibnizstraße Ausweichkapazitäten bieten.

Die Seminar- und Institutsgebäude in der Leibnizstraße sollen im Juli 2011 an die Universität übergeben werden foto: ld
Die Seminar- und Institutsgebäude in der Leibnizstraße sollen im Juli 2011 an die Universität übergeben werden foto: ld

Nach Aussage des zuständigen Fachbereichsleiter des GMSH, Hans Braumann, hat nach Abschluss der aktuellen Projekte neben den Angerbauten an der Mensa I und den Fakultätsblöcken in der Leibnizstraße vor allem eine Sanierung des Sportforums Priorität.

Der angedachte Zeitraum umschließe hierbei die Jahre 2013 bis 2016. Ob und in welcher Art und Weise die Umsetzung dieser Sanierungsvorhaben geschehen wird, werden aber wohl erst die kommenden Raumpläne zeigen. Und bis diese Vorhaben beschlossen und abgeschlossen sind, werden wohl weitere Wasserlachen entstehen und verschwinden müssen.

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Lars Denkena war bis 2012 Redakteur des Albrechts und für die Plattensau zuständig. Bis 2011 war er für den Vertrieb zuständig.

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