Es war und ist einfach alles so Weird!

Gestatten: YUNGBLUD

Bild: Universal Music

Wie so viele Jugendliche kämpfte auch Dominic Harrison damit, irgendwie anders zu sein. Als YUNGBLUD stellt er sich sämtlichen Vorurteilen und Ausgrenzungen entgegen – was enorm viel Platz für neuartigen Rock’n’Roll und eine immer weiter wachsende Community schafft. Mit seinem neuen Album Weird! geht es auf eine musikalische Reise in Richtung des Erwachsenwerdens. Im Interview mit dem ALBRECHT plaudert Dom ein wenig über das Album, was ihm als YUNGBLUD wichtig ist und warum gerade Mars sein Lieblingssong auf dieser Platte ist. 

2020 ist für uns alle ein merkwürdiges Jahr. Für den jungen Briten Dom war es bereits vor dieser andauernden Pandemie eine außergewöhnliche Zeit. Mit dem unmissverständlichen Titel Weird! veröffentlichte der 23-Jährige am 4. Dezember nun ein facettenreiches zweites Album. „Ich wollte ein Album für die verrücktesten Jahre unseres Lebens kreieren. Über alles, was wir durchleben, das einfach total abgefahren ist: Identität, Geschlecht, Sexualität, Drogen, Freundschaft, Liebe, Herzschmerz, Depression, Angst und die Aufs und Abs des Lebens“, beschreibt Dom seine neue Platte.   

Der heutige Rockstar stammt aus der 100.000-Einwohner-Stadt Doncaster im Norden Englands, auch bekannt durch Pop-Sensation Louis Tomlinson, Mitglied der Boyband One Direction. Bereits in jungen Jahren stach Dom aus der Menge hervor und das nicht nur äußerlich – er fühlte sich irgendwie anders. Immer wieder wurde der Weird!-Star von Angstzuständen und Depressionen heimgesucht, die teilweise bis heute anhalten. Der junge Brite versuchte es mit der Schauspielerei und war in einigen Folgen britischer Seifenopern zu sehen, bis er sich schließlich Vollzeit der Musik widmete.  

„I want these songs to have multiple different meanings to multiple different people.“

Yungblud

Vor drei Jahren erschien Doms erste Single King Charles. Zunächst kleidete Dom sich in seinen Musikvideos komplett in Schwarz. Sein Markenzeichen: pinkfarbene Socken. Inzwischen sind die Outfits deutlich schriller und vielfältiger geworden. YUNGBLUD ist sozialkritisch, wild, voller Energie und Tatendrang. Er nimmt kein Blatt vor den Mund: „Ich liebe es, Chaos zu verursachen! Das bedeutet unkonventionelle Kleidung, provozierende Songtexte, dazugehörige Musikvideos und krasse Liveauftritte; ganz besonders an Unis, denn hier spielen wir die allerbesten Shows. Die geraten total außer Kontrolle – völlig geisteskrank. Ich liebe es!”  

Bild: Jonathan Weiner/ Universal Music

YUNGBLUDs Debütalbum 21st Century Liability steht seit 2018 in den Plattenläden. Endlich hat der extrovertierte Musiker das Gefühl, sich so ausdrücken zu können, wie er es möchte und viel wichtiger, so auch endlich verstanden zu werden. “Ich habe einen Platz und es gibt Menschen, auf die ich mich verlassen kann.” Von Beginn an umgeben und begleiten Dom dieselben Leute, mit denen er auch aufgewachsen ist. Anfangs tourten sie wie verrückt in Kleinbussen und nur mit einer kleinen Crew. “Wir tourten und tourten und tourten und niemanden hat es interessiert. Dann passierte etwas. Wir alle können zwar immer noch nicht so richtig greifen, was es ist. Eines ist jedoch klar: Es war irgendetwas Großes. Es hat mit der Idee zu tun, Rock’n’Roll für junge Leute zurückzubringen”, so Dom.  

2019 folgten Kollaborationen mit der Künstlerin Halsey, Travis Barker (Drummer der Rockband Blink-182), Musiker Machine Gun Kelly, Dan Reynolds (Sänger der Band Imagine Dragons) und Marshmellow. Die Konzerthallen wurden immer größer und wilder, so auch die Fangemeinde. Dom betont: „YUNGBLUD ist eine Gemeinschaft geworden, die jeden Tag wächst. Ich wollte einfach die Wahrheit sagen, Stigmata bekämpfen und Menschen vereinen.“ Genau darum geht es auch im neuen Album Weird! „Ich wollte Musik über echte Dinge schreiben, über echte Menschen, die ich kennen gelernt habe. Und ich habe jede Art von Person kennen gelernt, von jedem Kontinent, von jeder Größe, jeden Geschlechts, jeder Hautfarbe, von jedem Standpunkt. Und darüber habe ich geschrieben, wie diese Menschen mein Leben beeinflusst haben.“ Alles verpackt in zwölf Songs, in die ein oder andere Ballade und eine bunte Mischung aus Punk, Pop, Alternative und Rock’n’Roll.   


Ein besonders bewegendes Erlebnis verbindet YUNGBLUD mit dem Song Mars. Es geht darum, völlig fremd in einer Welt zu sein, von niemandem verstanden zu werden. Ein Fan erzählte ihm nach einer Show, dass ihre Eltern sie nicht mehr verständen, auch Freunde wandten sich ab. Der Hintergrund – dieser Fan sei ein Transgendermädchen. Sie überredete ihre Eltern, gemeinsam ein YUNGBLUD-Konzert zu besuchen, um dort andere junge Erwachsene zu sehen, die dasselbe durchmachen und einfach nur sie selbst sein wollen. Es klappte. Dom wird diese Begegnung niemals vergessen: „YUNGBLUD ist eine Kultur. Es ist mehr als nur Musik und das, worüber ich singe. Es ist das, was wir als Generation sagen. Dieses Lied ist für alle, die sich so fühlen – wie ein Alien.“ Vom Mars eben. Insgesamt stellt Dom mit seiner Fangemeinschaft eine große Familie dar, die dieselbe Ideologie teilt. Er beschreibt diese als eine voneinander abhängige Beziehung zwischen ihm und drei Millionen Fans. “Wenn deine Familie dich nicht akzeptiert, dann tut es diese Familie.”                          

„I want to uplift people’s voices who are going through stuff. So people listen and say: Oh my God, I’m just like that. I feel less lonely.“

Yungblud

Trotz des aktuellen Zustandes und eines äußerst bizarren Jahres wollte es sich Dom nicht nehmen lassen, Weird! noch in diesem Jahr zu veröffentlichen. „Es ist einfach komisch, aber auf eine merkwürdige Art und Weise vereint es uns irgendwie. Ich glaube, viele Menschen sind sich gerade einig, in der Hinsicht, wie sie sich fühlen. Ich fühle mich mehr verbunden und angehörig denn je“, beschreibt er. Eine seiner Lieblingsbeschäftigungen, insbesondere jetzt, ist die Verbindung und Kommunikation mit seiner Fangemeinschaft. Mit willkürlichen Videoanrufen überrascht er zahlreiche seiner internationalen Fans: „Ich liebe es, mit ihnen zu sprechen und mich mit ihnen zu vernetzen“, und sie lieben es auch. Bereits vor der Albumveröffentlichung war die Resonanz überwältigend. Die ersten Album-Singles Weird, Strawberry Lipstickgod save me, but don’t drown me out, Cotton Candy und Mars kommen an; sowohl musikalisch als auch inhaltlich. Weird! verbreitet Hoffnung für Einsame und Missverstandene, gleichzeitig ist es einfach ein fetziges Album, das genau zur richtigen Zeit gekommen ist.  

Im Rahmen virtueller Konzerte spielte Dom im November bereits die ersten Songs der neuen Platte live. Am meisten freut sich der Rockstar allerding auf zukünftige Shows mit Publikum. In seinen Worten: „Gigs! Mad, sweaty, rowdy, fucking gigs!“  

Autor*in

Birte studiert Umweltgeographie und -management an der CAU und schreibt seit Juni 2020 für die Hochschulzeitung.

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