Fischt Fischers Fritz faire Fische?

Ein durchschnittlicher Deutscher verzehrt pro Jahr ca. 16 kg Fisch. Dies ist im europäischen Durchschnitt zwar nicht viel, aber wenn man bedenkt, dass drei Viertel der Fischbestände weltweit überfischt oder bis zur verträglichen Grenze genutzt sind, erscheint dieser Fischkonsum maßlos. Fisch gilt als besonders gesund und wird immer wieder bei Ernährungstipps angepriesen. Dabei wird nicht bedacht, dass der Fisch aus einem fragilen Ökosystem erbeutet wird. Wird schneller Fisch aus den Gewässern gefischt als der Bestand sich erholen kann, kommt es zur Überfischung und die Bestände brauchen Jahre, um sich wieder zu erholen.

Für die Verbraucher gibt es deshalb Umweltsiegel, die Produkte kennzeichnen sollen, die aus nachhaltiger und umweltverträglicher Fischerei stammen. Bei einer Untersuchung der Siegel des MSC, „Marine Stewardship Council“, und des FOS-Siegels, das für „Friend of the Sea“ steht, haben das Kieler Exzellenzcluster „Ozean der Zukunft“ und das Geomar jedoch herausgefunden, dass unter den zertifizierten Produkten 19 Prozent (FOS) bzw. 31 Prozent (MSC) aus überfischten Beständen kommen. Die Zertifizierungen des MSC und des FOS weisen teilweise sogar Lücken in den Angaben auf, sodass man keine Informationen über die Bestandsgrößen erhält.

Zudem wird ein einmal erhaltenes Siegel nicht gleich wieder entzogen, wenn der Bestand schrumpft. Dies ist auch beim Seelachs aus der Nordsee der Fall, dessen Bestand nach dem Erhalt des Siegels durch die zunehmende Befischung deutlich zurückging. Das Problem besteht in der Zertifizierung der Produkte, denn der Gutachter wird meist vom Fischereiunternehmen selbst bezahlt. Außerdem verdient auch das MSC an jedem von ihm zertifizierten Fisch. So kommen jährlich allein 8 Millionen Euro Lizenzerlöse zusammen. Auch wenn der Verbraucher sich nicht mehr hundertprozentig auf das MSC- und das FOS-Siegel verlassen kann, so raten Experten dazu, lieber zertifizierten Fisch zu kaufen als ein Produkt ohne Siegel. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Fischprodukte aus nachhaltigem Fischfang stammen, ist mit MSCbzw. FOS-Siegel drei- bis viermal höher.

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Inga war bis 2013 Redakteurin des Albrechts.

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