Große Kämpfe und nichts dahinter

Warum wir den Hype um Marves Infinity-Saga hinterfragen sollten

Bild: Eileen Linke

Jemand kratzt am Thron des weltweit erfolgreichsten Films aller Zeiten, Avatar – Aufbruch nach Pandora. Seit zehn Jahren steht der Film unangefochten auf Platz 1, gefolgt von Titanic, beides Filme von James Cameron. Doch Avengers: Endgame schlug ein wie eine Bombe und überholte mit den Einspielergebnissen Titanic prompt. Einigen wenigen Menschen, mich eingeschlossen, fällt es jedoch schwer, diesem Hype zu folgen, auch wenn es unmöglich ist, in Social-Media-Kreisen darum herum zu kommen und nur so mit Avengers-Material um sich geschossen wird. Dies ist auch sicher einer der Gründe, warum diese Filme so beliebt sind, denn sie bekommen eine ungeheure Aufmerksamkeit, ähnlich wie einige Netflix-Serien, die ohne Instagram und Co. sicherlich nicht so erfolgreich wären.

Werden sich die Avengers-Filme mal inhaltlich angeschaut, könnten zynische Zungen sicher sagen, dass es egal ist, welcher betrachtet wird. Die Filme bestechen nicht gerade durch eine abwechslungsreiche Handlung oder ausgeklügelte Charaktere, und es entsteht leicht das Gefühl, dass alle gesehen wurden, wenn nur einer gesehen wurde. Es gibt eine*n Superheld*in und einen Bösewicht, der Bösewicht will die Weltherrschaft an sich reißen, und selbst wenn es am Ende zu einem dramatischen Kampf kommt, ist doch immer sicher, dass der*die Superheld*innen gewinnen wird.

Zugegeben, das lässt sich auch über viele andere Filme sagen, die nach einem gleichen Schema ablaufen, allerdings bilden sich diese auch nichts darauf ein, so besonders anders zu sein. Black Panther wurde als Film gelobt, welcher Kolonialismus thematisiert, Doctor Strange als Film, der durch seine dimensionsübergreifende Thematik besticht und Iron Man alias Tony Stark wird mittlerweile einfach geliebt, weil er Iron Man ist. Leider entzieht es sich völlig meinem Verständnis, wie ein Charakter, der derart egozentrisch ist und zu Beginn sein Geld mit dem Produzieren von Waffen gemacht hat, für so sympathisch befunden werden kann.

Fast noch schlimmer, dass sich das Image vom Superheldenfilm in den letzten paar Jahren so gewandelt hat, dass es fast eine seichte Familienkomödie sein kann. Flache Witze werden auf jeden Fall geliefert und von der düster-spannenden Atmosphäre wie in den älteren Superheldenfilmen ist auch nicht mehr viel übrig geblieben.

Und wenn mal über das Gesamtkonzept eines Superhelden nachgedacht wird, ist auch das nicht wirklich überzeugend. Verschiedene Psychologen sind mittlerweile sogar der Meinung, dass die modernen Superhelden schlechte Vorbilder darstellen, da sie Gewalt und Rache verherrlichen. Im Gegensatz zu den klassischen Superhelden der Golden- und Silver Age, wie Superman und Green Lantern, welche als Reaktion auf den Faschismus geschaffen wurden und für soziale Gerechtigkeit kämpfen sollen, wird Iron Man als Playboy-Millionär dargestellt, welcher Frauen ausnutzt und seine Männlichkeit mit Waffen unter Beweis stellen muss. Er und seine Superheld*innenkollegen stellen den Wert, Gutes zu tun, tatsächlich eher selten in den Mittelpunkt. Da bestechen Filme wie Wonder Woman von DC doch eher mit ihren Protagonist*innen, in welchem die starke und selbstbewusste Kämpferin Diana sich für ein Ende des Krieges einsetzt und dabei nebenbei auch noch mit ihrer feministischen Natur überzeugt.

Letztendlich ist wohl jedem selber überlassen, was er/sie von einem Film zu halten hat, aber einen Hype mal zu hinterfragen kann definitiv nicht schaden.

ALBRECHT-Redakteur Frederik findet die Marvel-Filme im Gegensatz zu Nadine wunderbar. Seinen Text lest ihr hier.

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Über Nadine Simon 8 Artikel
Nadine ist 21 Jahre alt und studiert Germanistik und Spanische Philologie auf Fachergänzung an der CAU. Seit Oktober 2018 ist sie Teil der Albrecht-Redaktion und seit dem Sommersemester 2019 leitet sie das Kulturressort.

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