Kein Ort für Neonazis

Eigentlich ist es schön, wenn in Kiel – Gaarden ein neuer Laden aufmacht. Aber nicht, wenn der Inhaber ein Neonazi ist. Ende 2012 öffnete PLS-Werkzeuge seine Türen in einem ehemaligen An- und Verkaufladen am Vinetaplatz. Ein Blick ins Impressum des gleichnamigen Internetauftritts verrät, dass Alexander Hardt Ansprechpartner für den Onlinevertrieb ist, dessen frühere Meldeadresse der Club 88 in Neumünster war. Der Club ist seit 1996 Treffpunkt der Neonazi-Szene und inzwischen bundesweit als solcher bekannt. Offiziell ist Alexander Hardt auch Geschäftsführer des Werkzeugladens, weniger offiziell verbreitete er jüngst heimliche Tonaufnahmen mit Gesprächen von Politikern und Polizeibeamten, die er mit rechtsextremen Kommentaren versehen hatte, im Internet. Außerdem ist Hardt verantwortlich für das Booklet des Albums Geheime Reichssache der Band Kommando Freisler in dem ein Hakenkreuz abgebildet war.

Auf dem Klingelschild des Werkzeugladens stehen noch zwei weitere, aus der rechten Szene bekannte Namen: Peter Borchert, er ist Vizepräsident der Rockerbande Bandidos Schleswig Holstein und Gründungsmitglied des Club 88. Als erster bekannter Nazi verkündete er offen seine Zugehörigkeit zu den Autonomen Nationalisten, auch war er zwischen 2000 und 2003 in der NPD aktiv, zeitweise sogar als Landesvorsitzender für Schleswig-Holstein. Und Lars Bergeest, der vor Allem durch seine Verbindung zur skandinavischen Blood and Honour – Szene bekannt ist.

Die Vermutung liegt nahe, dass die vorrangige Intention für die Niederlassung des bis dato nur online vermarktenden Ladens nicht die einer etwaigen Umsatzsteigerung war. Vielmehr sieht es danach aus, als wolle die Szene endlich einen rechten Stützpunkt für Nazitreffs in der Landeshauptstadt haben.

Glücklicherweise bleibt so etwas nicht gänzlich unkommentiert: In Begleitung eines beachtlichen Polizeiaufgebots demonstrierten am 4. Mai 600 Menschen unter dem Motto ‚Keine Geschäfte mit Neonazis – PLS-Werkzeuge dichtmachen!‘ gegen Rassismus, Antisemitismus und Nationalismus. Dazu aufgerufen hatte der Runde Tisch gegen Rassismus und Faschismus Kiel. In diesem Sinne: Was auf geht, geht auch wieder zu!

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Über Mia Schumacher 0 Artikel
Mia ist seit Ende 2011 Chefin der Bildredaktion.

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