Kulturaustausch mit Partner

Eine neue Kultur kennenlernen und die eigene vermitteln – dafür steht das Study Buddy Programm

von Sophie Luisa Dieckmann

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25. Oktober 2015

Eine neue Kultur kennenlernen und die eigene vermitteln – dafür steht  das Study Buddy Programm

„In Indien wurde mir erzählt, dass alle in Deutschland ganz viel Fleisch essen. Und dann habe ich Anna kennengelernt, die überzeugte Veganerin ist“, erzählt Inderjit mit einem Grinsen im Gesicht. Anna war Inderjits Study Buddy, als dieser im vergangenen Wintersemester zum Master von Indien nach Kiel zog. „Durch sie habe ich viel über die deutsche Kultur und die Art des Denkens gelernt!“

Doch was ist das Study Buddy Programm eigentlich genau? Und wie läuft es ab?

Das Study Buddy Programm wird organisiert von der Sozialberatung Internationales des Studentenwerks Schleswig-Holstein und richtet sich an alle internationalen und deutschen Studierenden, egal welchen Alters, Semesters oder Studiengangs. Die Idee hinter dem Programm ist, dass einem ausländischen Studierenden ein deutscher Partner an die Seite gestellt wird. Dieser soll seinem Study Buddy zunächst bei der Eingewöhnung in die neue Umgebung helfen. Hierunter können viele Dinge fallen – Behördengänge, die Frage nach günstigen Einkaufsmöglichkeiten oder einer guten Bar.

Inderjit erinnert sich noch, dass er am Anfang nicht wusste, wo er Klamotten kaufen sollte. Daraufhin ging Anna erst einmal mit ihm shoppen. Nun sind Karstadt, Sophienhof und Esprit längst nicht mehr nur bloße Worthülsen für ihn. Das längerfristige Ziel des Programmes ist, dass die internationalen Studierenden durch ihren deutschen Study Buddy einen direkten Zugang zu der deutschen Kultur und Sprache erhalten und in Kontakt mit deutschen Studierenden stehen. Hierzu treffen sich die Tandems im Idealfall regelmäßig privat, wobei ihnen selbst überlassen ist, wie häufig sie sich sehen oder was sie gemeinsam unternehmen. Von den Treffen profitiert nicht nur der internationale, sondern auch der deutsche Partner erhält einen Einblick in eine andere Kultur. Dass aus dem internationalen Austausch Freundschaften entstehen, sei natürlich ihr großer Wunsch, erklärt Johanna Müller, die Koordinatorin des Programms.

Bei Ellinor und Li-Min hat es mit der Freundschaft geklappt. Die beiden treffen sich immer noch sehr regelmäßig zum Kochen, zu Unternehmungen oder einfach nur zum Reden, obwohl sie seit über einem halben Jahr offiziell keine Study Buddies mehr sind. „Ich glaube, in meinem Fall habe ich mehr von dem Programm profitiert als Li-Min“, lacht Ellinor. Die Mathematikstudentin belegt im Nebenfach Chinesisch und bekam in ihrem chinesischen Study Buddy auch gleichzeitig eine Sprachpartnerin. „Plötzlich hatte ich jemanden, den ich bei Problemen fragen konnte – Li- Min hingegen sprach schon perfekt Deutsch!“, berichtet Ellinor. Über Li-Mins Tante, welche ein deutsch-chinesisches Austauschprogramm in der Nähe von Kiel leitet, erhielt Ellinor die Möglichkeit, viele weitere Chinesen und somit auch die chinesische Kultur kennenzulernen. Nur in China selbst war sie noch nicht. Aber vielleicht folgt das im nächsten Sommer, wenn Ellinor die Einladung von Li-Mins Familie annehmen sollte.

Natürlich kann es nicht immer so gut passen wie bei Ellinor und Li-Min. So kommt es auch vor, dass zwischen den Study Buddies die Chemie nicht stimmt oder unterschiedliche Erwartungen an das Programm bestehen. Das war der Fall bei Olga. Die Polin kam als ERASMUS-Studentin nach Kiel und hatte sich für das Programm beworben, da sie selbst so positive Erfahrungen mit ihrem deutschen Study Buddy Martin in Polen gemacht hatte. Martin war der ausschlaggebende Punkt gewesen, das ERASMUS-Jahr in Deutschland zu verbringen. Doch ihr Study Buddy kümmerte sich nur in der Anfangszeit um sie, dann nahm der Kontakt ab. „In Polen haben wir immer sehr viel mit unseren Study Buddies unternommen: Wir sind feiern oder essen gegangen, haben Partys organisiert oder die Wochenenden zusammen verbracht. Mein Study Buddy hier in Deutschland hatte daran kein Interesse.“ Zunächst war Olga enttäuscht, dann aber lernte sie den Study Buddy eines Freundes kennen. Zu dritt unternahmen sie viel und Olga bekam wiederum Kontakt zu den Freunden des deutschen Study Buddies. „Dadurch, dass ich so viel Kontakt zu deutschen Studenten hatte, hat sich für mich ein Fenster geöffnet – ich habe einen Zugang zur deutschen Mentalität bekommen und jetzt ein viel tieferes Verständnis für sie“, reflektiert die ehemalige BWL-Studentin, die mittlerweile in Kiel arbeitet.

„Leider können wir nicht garantieren, dass die von uns gebildeten Paare immer passen. Dafür fehlen uns im Endeffekt dann doch ein paar Informationen. Schlussendlich sind wir keine Partnervermittlung wie im Internet, die mit einem riesigen Fragenkatalog und Algorithmen arbeitet“, sagt Frau Müller. Jedoch verliefen die meisten Matchings erfolgreich, da die Teilnehmer sehr aufgeschlossen seien und eine hundertprozentige Übereinstimmung der Interessen nicht so wichtig sei, betont die Koordinatorin. Tatsächlich ist die Bewerbung für das Study-Buddy-Programm sehr einfach gehalten. Einzig und allein das Ausfüllen eines kurzen Formulars ist erforderlich, welches neben allgemeinen Daten und Sprachkenntnissen, die Angabe von Hobbies und Interessen verlangt. Auf Grundlage dieses Fragebogens wird dann das Matching der Tandems vorgenommen. „Natürlich hat man im Laufe des Semesters immer die Möglichkeit den Study Buddy nochmal zu wechseln, sollte es mal gar nicht funktionieren“, versichert Frau Müller. Auch steht das Team der Sozialberatung Internationales den Paaren bei Fragen oder Problemen zur Seite und begleitet sie das Semester hindurch.

Das ist wichtig, denn von einem passenden Partner hängt maßgeblich der Erfolg des Programms ab, da sind sich die ehemaligen Teilnehmer einig. Zwar gibt es auch ein monatliches Treffen aller Study Buddies und eine Party im Semester, doch den Hauptkern des Programms stellen die privaten Treffen dar. „Das Problem, welches ich mit meinem Study Buddy hatte, war, dass wir selten gemeinsame Termine gefunden haben“, berichtet Tomke. „Und wenn wir etwas zusammen gemacht haben, wie zum Beispiel Essen gegangen, war das Interesse irgendwie nicht so groß“, erinnert sich die Ethnologiestudentin. „Das Wichtigste ist, dass man offen ist“, meint Inderjit. Seine Erfahrung zeige, dass viele internationale Studenten, die keinen Study Buddy hätten, unter sich blieben. So würden falsche Vorurteile gegenüber Deutschen oftmals nicht abgebaut und diese hielten die internationalen Studenten sogar davon ab, auf Deutsche zuzugehen. „Das Programm hilft definitiv, den Graben zwischen internationalen und deutschen Studenten zu überwinden“, davon ist Inderjit überzeugt. „Ich habe Stück für Stück die deutsche Kultur kennengelernt, die Denkweise verstehen gelernt und deutsche Freunde gewonnen. Für mich war es eine tolle Erfahrung!“ Darin sind sich Ellinor, Olga, Tomke und Inderjit einig: Sie würden alle wieder Study Buddy werden.

Weitere Informationen zu dem Programm findest Du unter: http://www.studentenwerk.sh/de/internationales/study-buddy-programm/index.html oder direkt im Beratungszentrum des Studentenwerks SH unten in der Mensa 2, Kontakt: Johanna Müller.

Titelbild: Quelle: Studentenwerk SH

Über Sophie Luisa Dieckmann

Sophie Luisa Dieckmann

Sophie studiert Germanistik und Kunst. Seit April 2015 ist sie Teil der Redaktion des ALBRECHTs. Sophie ist für den Bereich 'Zeichnungen' zuständig und greift hier auch gerne selbst zum Stift.

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  1. Ich lerne Deutsch in der Uni ( bei lektorat)
    Ich komme aus Syrien und bin ich seit 3 Jahren in Deutschland.

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