Meister der Sprechblasen erzählen – Die Comic-Kolumne im März

01 Moore
„Alan Moore“
Titel: Providence Bd.1, Crossed + Einhundert, Nemo – Fluss der Geister.
Autor: Alan Moore (Skript) und Jacen Burrows/Gabriel Andrade/Kevin O‘Neill (Zeichnungen).
Verlag: Panini. 144/164/60 Seiten (farbig), Softcover. 19,99/19,99/9,99 Euro.

„The old grey Moore ain’t what he used to be”, räsonierte die Leserschaft in den letzten zehn Jahren einstimmig: 2006 hatte das Autorengenie mit „Tom Strong“, „Promethea“ und „Lost Girls“ gleich drei Großwerke zum Abschluss gebracht, seitdem beschränkte er sich auf eine Reihe sporadischer Fingerübungen. Doch damit ist jetzt Schluss, hatten die letzten Monate mit drei neuen Werken doch förmlich Alan-Moore-Festspiel-Charakter:

Die Miniserie „Providence“ greift einmal mehr Motive H.P. Lovecrafts auf und verknüpft diese zur Odyssee des Journalisten Robert Black, der im Jahr 1919 Neuengland auf der Suche nach einer verborgenen Welt der Schatten durchstreift. An der Küste trifft er auf einen Stamm ominöser Fischmenschen, im Hinterland auf Monströses, befördert durch Okkultismus und Inzucht. Wie schon in „From Hell“ ist hier wieder alles eins: Wirken und Leben Lovecrafts, Horror und Historik, Traum und Wirklichkeit. Jacen Burrows illustriert akribisch-detailliert, wie immer aber auch etwas steril und leblos, was das unterschwellige Grauen nur noch befördert. Spooky stuff, fürwahr. (7)

Mit dem Sechsteiler „Crossed + Einhundert“ (illustriert von Gabriel Andrade) begibt sich Moore erstmals in Garth Ennis „Crossed“-Universum, in dem eine Seuche die meisten Menschen in mordlüsterne, völlig enthemmte Bestien verwandelt hat. Hundert Jahre nach dem Ausbruch der Katastrophe gelingt es den Überlebenden zunehmend, ihre Zivilisation wieder aufzubauen – für Moore eine willkommene Gelegenheit eine neue Sprache und Sexualmoral, die sich von den Tabus der Gegenwart emanzipiert hat, zu entwerfen. Zwei Standardmotive seines jüngeren Schaffens, die die Handlung allerdings ausbremsen. Besonders das Dechiffrieren des mit Vulgarismen durchsetzten Zukunfts-Soziolekts ist mühsam, die Geschichte selbst gewinnt erst im finalen Drittel überraschend doch noch an Zug. (6)

„Nemo – Fluss der Geister“ ist schließlich die Rückkehr in den Kosmos der „Liga der außergewöhnlichen Gentleman“: 1975 ist Janni Nemo, die Tochter des sagenumwobenen Kapitäns, längst eine alte Frau, die ihr Imperium des Verbrechens dennoch mit harter Hand regiert. Allerdings scheint ihr die Welt zunehmend zu entgleiten: Heimgesucht von den Geistern der Toten, jagt sie die Erscheinung ihrer toten Erzfeindin Ayesha – wie Ahab den weißen Wal. Ein bewährt kongenial illustrierter Schwanengesang, wie nur Moore ihn kann: Weise und bitter, melancholisch, aber auch kraftvoll. Gelernt ist gelernt. (8)


02 Wonderful
„Mister Wonderful“
Titel: Mister Wonderful – Eine Liebesgeschichte von Daniel Clowes
Autor: Daniel Clowes.
Verlag: Reprodukt. 80 Seiten (farbig), Hardcover. 24 Euro.

Wenn jemals ein Comic das Prädikat „Independent“ verdient hatte, dann Daniel Clowes „Ghost World“ von 1993. Das melancholisch-skurrile Zerbrechen einer Mädchenfreundschaft nach dem Ende der High School war ebenso weit von den Superhelden und sprechenden Tieren des Mainstreams entfernt, wie von der plakativen Provokation des Undergrounds und der chronischen Selbstbezogenheit der Autorencomics. Anno 2016 entzieht sich Clowes – längst ein Klassiker seiner Kunstform – noch immer der Schubladen, so virtuos und eklektisch variiert er seinen eigentlich doch unverkennbaren Stil. In „Mr. Wonderful“ wird im heute selten genutzten Querformat die Geschichte des Mittvierzigers Marshall ausgebreitet, der sich nach diversen amourösen Enttäuschungen, neu verkuppeln lassen will. Und nun sitzt er da und wartet auf die Auserwählte, lässt seine Vergangenheit Revue passieren, malt sich das Beste und Schlimmste aus. Nur konsequent folglich, dass sich auch die Erzählung nicht festlegt – von großer Liebe bis Debakel scheint jederzeit alles möglich. Mühelos wechselt Clowes fließend von recht kleinen zu sehr großen (und unheimlich breiten) Bildern, fügt an die „Peanuts“ erinnernde Streifen ein, springt von Spannung zu Komik, von Hoffnung zu Niedergeschlagenheit. Man kann sich durchaus an den Pixar-Animationsfilm „Alles steht Kopf“ erinnert fühlen, der ähnlich phantasievoll ein emotionales Schlüsselerlebnis visualisierte. Man kann sich auch fragen, ob dieser Comic in der konventionellen Literatur eher eine Kurzgeschichte oder doch eine Novelle wäre. Am Ende steht aber die Erkenntnis, dass man so etwas wie „Mr. Wonderful“ eigentlich überhaupt noch nicht gelesen oder gesehen hat. (8)


03 Multiversity
„Multiversity“
Titel: Multiversity Bd. 1 & 2
Autor: Grant Morrison (Skript) und Ivan Reis/Chris Sprouse/Ben Oliver/Frank Quitely/Cameron Stewart/Jim Lee/Doug Mahnke (Zeichnungen).
Verlag: Panini. 188/276 Seiten (farbig), Softcover. 19,99/24,99 Euro.

Grant Morrison ist der Nicholas Cage unter den Comic-Autoren. Ist er gut? Ist er schlecht? Niemand kann es mit Sicherheit sagen. Das Konzept der Miniserie „Multiversity“ klingt jedenfalls eher nach Wahnsinn denn nach Genie: In neun Episoden erzählt Morrison Geschichten aus den 52 Paralleldimensionen des DC-Universums, die nacheinander gelesen eine fortlaufende Story ergeben sollen. Dabei fungiert jedes Kapitel – das erste und letzte, die die Rahmenhandlung bilden, einmal ausgenommen – als potentieller Auftakt einer neuen Serie. Klingt wirr, funktioniert im Ganzen aber erstaunlich gut, im Einzelnen bisweilen sogar hervorragend. Etwa wenn „Masterman #1“ (gezeichnet von Jim Lee) auf Erde 10 durchspielt, was passiert wäre, wenn Superman als Baby nicht in Kansas sondern im besetzten Sudetenland gestrandet wäre: Er hätte mit „Lederschwinge“ (Batman) und „Übermaid“ (Supergirl) für die Nazis gekämpft, bevor ihm schließlich dämmert, dass deren Werte mit seinem Naturell nicht vereinbar sind. Der wahre Geniestreich ist aber „The Just #1“ (Zeichnungen: Ben Oliver): Auf Erde 16 gelang es den Superhelden vor langer Zeit tatsächlich, das Verbrechen komplett auszumerzen. Nun leben die Sprösslinge von Clark Kent und Bruce Wayne das sinnentleerte Leben gelangweilter Promi-Kids, die mit bedeutungslosem Sex und endlosen Partys die Zeit totschlagen, immer in der Hoffnung, es gäbe endlich mal etwas, vor dem sie die Welt beschützen könnten. Desillusioniert und sarkastisch wirkt „The Just“ als hätten Sofia „The Bling Ring“ Coppola und Larry „Kids“ Clarke gemeinsam ihren ersten Comic geschrieben. Wenn das nicht noch in Serie geht, läuft was falsch in 52 Welten. (8)


04 Blake & Mortimer
„Blake und Mortimer“
Titel: Die Abenteuer von Blake und Mortimer Bd. 20: Der Stab des Plutarch
Autor: Yves Sente (Skript) und André Juillard (Zeichnungen).
Verlag: Carlsen. 62 Seiten (farbig), Softcover. 12 Euro.

Als ohnehin über jede Kritik erhaben gilt Edgar Pierre Jacobs (1904-87), dessen Reihe „Die Abenteuer von Blake und Mortimer“ (1946-72) so ziemlich die einzige ist, die selbst Puristen neben „Tim und Struppi“ noch akzeptieren. Die posthume Weiterführung seit 1990 verwundert folglich schon etwas, würde man doch davon ausgehen, dass die Pietät dies verböte. Andererseits ist die Huldigung kaum zu übersehen: Zuletzt imitierte Antoine Aubin Jacobs Stil so akribisch, dass man ihm attestieren musste, seine eigentliche Berufung als Kunstfälscher verfehlt zu haben. „Der Stab des Plutarch“ stammt nun aus der Feder André Juillards (selbst ein veritabler Könner), der sich damit begnügt, in Nuancen seinen eigenen Stil einfließen zu lassen. Die Handlung spielt 1944 und erzählt, wie der britische Captain Francis Blake und sein Freund, Physik-Professor Philip Mortimer, in eine Spionageaffäre um Dekodier-Codes und Baupläne von Kampfflugzeugen verwickelt werden. Pathos und die Zurschaustellung von Patriotismus liegt den beiden britischen Leisetretern zum Glück denkbar fern, so dass Autor Yves Sente eleganter Krimi in Kriegszeiten gelingt. Das Ende verweist ironisch auf eine Fortsetzung mit dem Titel „Der Kampf um die Welt“ – so hieß 1946 der erste Band der Reihe, als dessen Vorgeschichte „Der Stab des Plutarch“ fungiert. Die Kritik, man begnüge sich damit, museal in den Fußspuren des Vorbilds zu wandeln, lässt sich hier schwerlich entkräften, dem Vorwurf nicht genau den Tonfall zu treffen, der „Blake und Mortimer“ einst zum Klassiker machte, müssen sich Sente und Juillard allerdings nicht aussetzen. (7)


05 Billy Bat„Billy Bat“
Titel: Billy Bat Bd.11 & 12
Autor: Naoki Urasawa/Takashi Nagasaki.
Verlag: Carlsen Manga. 197/201 Seiten (s/w), Softcover. 8,95 Euro.

Die Welt von Naoki Urasawas „Billy Bat“ gleicht der unseren – nur dass die Geschichte der Erde hier von einer antiken Schriftrolle bestimmt wird, die es ermöglicht, die Vergangenheit zu modifizieren. Den Pfad zu ihr weisen zwei Fledermaus-Visionen, die bevorzugt Malern und Comiczeichnern erscheinen und es ihnen ermöglichen, zukünftige Ereignisse zu Papier zu bringen. Einer davon ist der an Walt Disney angelegte Chuck Culkin, dem es mit der verniedlichten Version der Fledermaus gelang, ein Zeichentrickimperium zu errichten und der jedem, der sich der Figur sonst noch bedient, mit rabiaten Methoden zu Leibe rückt. Nachdem die Dekaden und Jahrhunderte umspannende Handlung in den ersten zehn Bänden schon einige haarsträubende Kapriolen geschlagen hat, findet sie nun ihren vorläufigen Höhepunkt: Eine Rückblende zeigt Culkins Kriegsgefangenschaft 1944, die er nur überlebt, weil er bei der Internierung ein Fledermauslogo als Lieblingsbild ausgewählt hat. Dies verschafft ihm nichts Geringeres als eine Audienz bei Adolf Hitler, der Culkins beauftragt, die Schriftrolle zu finden und rückwirkend dafür zu sorgen, dass er an der Kunstakademie aufgenommen wird. Die Paarung Hitler und Disney ist sowohl naheliegend (auch Walts antisemitische Tendenzen sind gut dokumentiert), als auch abwegig: Adolf hetzte bekanntlich gegen Mickey Maus, da diese das Ungeziefer zum Helden erhob, Walt betrieb im Trickfilm „The Fuehrer’s Face“ engagierte Anti-Nazi-Propaganda. Man kann Urasawas Episode als Kolportage diskreditieren, sie aber auch als Ausdruck eines wahrhaft furchtlosen Autors verstehen – wer so etwas zu Papier bringt, der hat wirklich vor gar nichts Angst. (7)


06 Gordon„Gordon aus Gotham/Gotham Central“
Titel: Batman: Gordon aus Gotham/Gotham Central 1 & 2
Autor: Dennis O’Neill/Greg Rucka (Skript) und Dick Giordano/Michael Lark (Zeichnungen).
Verlag: Panini. 100/141/172 Seiten (farbig), Softcover. 12,99/14,99/16,99 Euro.

Wie James Gordon seinen Schnurrbart bekam: Der Erfolg der recht gelungenen Fernsehserie „Gotham“, die zu einer Zeit spielt, als Bruce Wayne ein traumatisierter Waisenjunge und noch nicht die ikonische Fledermaus ist, fördert zunehmend Comics wieder zu Tage, die ihre Handlung ähnlich verorten. Der Vierteiler „Gotham aus Gordon“ etwa erzählt, wie der spätere Polizeichef seine ersten Schritte als Polizist macht und versucht, in einer von Korruption und staatlicher Willkür bestimmten Stadt seine Integrität zu bewahren. Ursprünglich von Juni bis September 1998 erschienen, bewiesen die Siebziger-Jahre-Legenden Dennis O’Neill und Dick Giordano mit dieser narrativ und formal überzeugenden, durchweg grimmigen Geschichte, dass sie im Comic-Zirkus der späten Neunziger noch immer problemlos mithalten konnten. (8)

Ebenfalls im Windschatten der TV-Version erfolgt eine Neuauflage der Serie „Gotham Central“ von Ed Rucka und Michael Lark, die den Fokus auf die Arbeit der gewöhnlichen Polizeibeamten legt. Während „Gotham“ sich jedoch bemüht, exaltierten Figuren wie Riddler oder Pinguin einen möglichst realistischen Hintergrund zu geben, resultiert der Reiz von „Central“ gerade aus dem Kontrast schnörkelloser, harter Kriminalerzählungen und pointiert auftauchender Überschurken mit Superkräften. Inwiefern es sinnvoll ist, das noch unter dem Gesichtspunkt der Adaption zu rezipieren sei einmal dahingestellt, aber solange die Popularität der Fernsehserie die Aufmerksamkeit auf formidable Comics lenkt, können einem auch abwegige Titulierungen nur Recht sein. (7)


07 Green ArrowWiederveröffentlichung des Monats: „Green Arrow: Auferstehung
Autor: Kevin Smith (Skript) und Phil Hester (Zeichnungen).
Verlag: Panini. 244 Seiten (farbig), Softcover. 24,99 Euro.

Auch Green Arrow/Oliver Queen hat es in verjüngter Version zu einigem Fernsehruhm gebracht. Wer ihn in seiner Paraderolle als streitlustiger Linksaußen unter den Superhelden, der Polizisten vornehmlich als Rassisten tituliert, erleben möchte, muss aber weiterhin zu den Comics greifen. Dort segnete der Bogenschütze allerdings 1995 das Zeitliche und glänzte sechs Jahre – im US-Comic eine Ewigkeit – mit Abwesenheit, bevor er in der Miniserie „Auferstehung“ völlig verlottert in den Gossen seiner Heimatstadt wieder auftauchte. Nur schien er sich weder an sein Ableben, noch an die Ereignisse der letzten zehn Jahre zu erinnern. Was wie die für Superhelden unvermeidliche Wiedergeburt klingt, nutzte der Regisseur und Drehbuchautor Kevin Smith („Clerks – Die Ladenhüter“, „Dogma“) als Ausgangspunkt eines vielschichtigen, intelligent konzipierten Skripts, das wie seine Filme vor allem in den Dialogen besticht. Wie sich der streitlustige Olli mit der kompletten Belegschaft von Aqua- bis Superman anlegt und dabei auch vor verbalen Schlägen unter die Gürtellinie nicht Halt macht (einzig Batman vermag es, ihm unnachahmlich grummelig Paroli zu bieten), ist an Pointiertheit beispiellos. So brillant „Auferstehung“ geschrieben ist, so unpassend ist die visuelle Umsetzung: Zeichner Phil Hester bemüht einen zur Entstehungszeit angesagten Stil, der sich an den damaligen Zeichentrickumsetzungen der Helden orientierte, für die profunde Geschichte aber viel zu „cartoonig“ und oberflächlich ist. Kann immerhin keiner mehr behaupten, bei Superhelden ginge Form immer über Inhalt. (8)


Short Cuts

Adrian Tomine: „Szenen einer drohenden Heirat“: Mit seinem neuen Werk schwenkt Tomine, der sich als melancholisch-präziser Chronist von Abschied und Isolation etablierte, zum Autobiografisch-Humoristischen um. „Szenen einer drohenden Heirat“ zeichnet den Weg zur eigenen Hochzeit episodisch-pointiert nach, bleibt aber stets an der Oberfläche und blendet Schattenseiten weitestgehend aus. „So leicht verdaulich wie ein gutes Stück Hochzeitstorte“, verkündet der Klappentext – schwer, das als Kompliment aufzufassen. (56 Seiten, Hardcover. 9,95 Euro)

Charles Burns: „Zuckerschädel“: Der ingeniöse Schwarzseher Burns vollendet seine mit „X“ und „Die Kolonie“ begonnene Fiebertraum-Trilogie. Als Protagonist Doug seine traumatischen Erinnerungen und verstörenden, im Stil von „Tim und Struppi“-gestalteten, Visionen sortiert, sieht er sich mit der Erbärmlichkeit seines eigenen Versagens konfrontiert. Der Kern dieser Geschichte ist so banal wie deprimierend, Defätismus ist hier eine künstlerische Haltung. (64 Seiten, Hardcover. 20 Euro)

Diverse: „Die Toten Bd. 2“: Untote im Bad Homburg: Fünf neue Kurzgeschichte darüber, was den Menschen im ersten Jahr nachdem die Zombies in Deutschland eingefallen sind, so passiert. Überzeugend sind allerdings nur die erste, in der sich zwei verlorene Seelen an Heiligabend mit ihrem Schicksal versöhnen und die dritte Geschichte. Darin bricht eine Berliner Studenten-WG ins Museum ein, um ein altägyptischen Totenboot zu reparieren, damit es die Beißer wieder zurück in die Unterwelt bringen kann. Auf die Idee ist sonst auch noch keiner gekommen. (148 Seiten, Softcover. 16,99 Euro)

Jason Aaron/Mike Deodato: „Original Sin“: Der kosmische Beobachter Uatu kannte alle Geheimnisse des Marvel-Universums. Jetzt ist er tot –ermordet- und Nick Fury rekrutiert die gesamte A- und B-Liga der Superhelden, um den Verantwortlichen zu finden, der aus den eigenen Reihen zu kommen scheint. Deodato inszeniert diese Suche als eine Art „Space Noir“, sein Autor findet trotz verschlungener Handlung noch Zeit, die Steak-Night von Fury, Captain America, Black Widow und Wolverine einzubauen und die vier über das beste Stück Fleisch ihres Lebens philosophieren zu lassen. Mal was anderes. (260 Seiten, Softcover. 19,99 Euro)

Geoff Johns/Gary Frank: „Batman: Erde Eins Bd. 2“: Auf einschlägig bekannte Superhelden-Mythen haben schon kleine Variationen einen großen Effekt: Was wäre also, wenn der junge Bruce Wayne nicht der geborene Detektiv wäre und am Tatort regelmäßig Spuren zerstören würde? Und was wenn sein Butler Alfred nicht die Stimme der Vernunft agierte, sondern ihn beständig anstacheln würde, auch mal ein paar Gangster um die Ecke zu bringen? Die Antwort ist ein spektakulär gezeichneter und packend erzählter Comic-Blockbuster. (164 Seiten, Softcover. 19,99 Euro)

Peter J. Tomasi und Pat Gleason/Andy Kubert: „Robin Rises“: Eine völlig neue Stufe in der Trauerbewältigung: Nach dem Tod seines Sohnes Damian prügelt sich Batman mit einem Haufen Aliens um ein Artefakt, dass seinen Nachkommen wiederbeleben könnte. Selten wurde das Ableben einer Figur dramaturgisch so verschenkt und selten verlief eine Wiederbelebung (Ach, kommt schon Leute, das ist sicherlich kein Spoiler!) so lieblos. Vielleicht steckt man da als normaler Mensch einfach nicht drin. (196 Seiten; Softcover. 19,99 Euro)

Yves Sente/Iouri Jigounow: „XIII Bd. 23“: Sein Gedächtnis zu verlieren ist immer ärgerlich, besonders aber, wenn man als in Ungnade gefallener Geheimagent in eine Verschwörung verstrickt ist, die bis zu den ersten amerikanischen Siedlern zurückgeht. Zeitgleich mit dem ersten Teil der Gesamtausgabe der seit 1984 laufenden Serie erscheint die neue Episode „Botschaft eines Märtyrers“, die Jason Mac Lane, den Mann ohne Erinnerung, auf eine todernste Schnitzeljagd durch Holland schickt. Da kann man nichts mit falsch machen. (48 Seiten, Softcover. 12 Euro)

Frank Miller/John Romita jr.: „Der Mann ohne Furcht“: Daredevil – noch so ein TV-Superheld: 1993 nahm sich Frank Miller, der mehr als jeder andere für die Figur des blinden Vigilanten/Rechtsanwalts aus Hell’s Kitchen getan hat, noch einmal dessen Ursprünge vor. Trotz Zeichnungen von John Romita jr. („Kick-Ass“) gelang diese Aufarbeitung nach dem Muster des eigenen Klassikers „Batman: Year One“ nur bedingt: Zu gehetzt rast die Erzählung von Schlüsselerlebnis zu Schlüsselerlebnis und läuft erst bei der epischen Nacherzählung der ersten Heldentaten zu großer Form auf. (180 Seiten; Softcover. 16,99 Euro)

Milo Manara: „Werkausgabe“: Eklektizismus als Kompilationsprinzip: Ohne ersichtliche historische oder inhaltliche Klammer versammelt Band 16 der Werkausgabe die burleske Westernübung „Der Mann aus Papier“ (1982), das mythische Bergsteigerdrama „Der Schneemensch“ (1978) und die frivol-sozialkritische Sci-Fi-Dystopie „Flucht von Piranesi“ (2002). Historiker wenden sich mit Grauen ab, Connaisseure italienischer Comic-Kunst freut’s – Manaras Zeichnungen sind stets beherzt, formvollendet freilich erst in der letzten Geschichte. (172 Seiten, Harcover. 39,99 Euro)

Janwillem Dubil
Über Janwillem Dubil 58 Artikel
Janwillem promoviert am Institut für Neuere deutsche Literatur- und Medienwissenschaft. Er schreibt seit 2010 regelmäßig für den Albrecht über Comics und Musik, letzteres mit dem Schwerpunkt Festivalkultur.

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