Quidditch im Wandel

Wie der renommierte Besensport zu den Muggeln kam

von Johanna Rädecke

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22. Mai 2018

Kiel ist aus seinem Winterschlaf erwacht. Dies zeigt sich nicht nur an austreibenden Bäumen und knöchelfreien Jeans zu Sneakern, auch eine generelle frühlingshafte Dynamik ergreift Besitz von der Stadt. Immer mehr Sportler zeigen sich im freien urbanen Umfeld, manch einer nahm vielleicht schon am Hamburger Marathon teil. Auch bei der Uniliga wurde wieder geschwitzt und alle Helfer machen sich bereit für die Special Olympics.
Und dann ist da noch diese sonderbare Gruppe Sportbegeisterter, die mit einem Stock zwischen den Beinen Bälle wirft. Es handelt sich hierbei um die Kiel Kelpies, eine Gruppe Nicht-Magischer, die zusammen nach Muggel-Art Quidditch spielen.

Die "Kiel Kelpies" brachten Quidditch nach Kiel

Die „Kiel Kelpies“ brachten Quidditch nach Kiel (Foto: Jessica Dahlke)

In der Geschichte des Quidditch stellt die Muggel-Art eine der jüngsten Transformationen dieser altehrwürdigen Sporttradition dar. Es ist interessant zu sehen, wie sich selbst Nicht-Magier von der internationalen Begeisterung für diesen Besensport anstecken ließen und ihn so umformten, dass sie ihn selbst spielen können. Natürlich müssen sie hierfür einige Abstriche machen: Das internationale Statut zur Geheimhaltung der Magie verbietet es Zauberern und Hexen, quidditchbegeisterte Muggel aus Mitleid mit fliegenden Besen auszustatten, weswegen diese nun auf Stäbe ausweichen, die sie sich zwischen die Beine klemmen. Bedeutende Historiker versuchen nach wie vor zu rekonstruieren, warum ausgerechnet der schlichte Besen zum einzigen Gegenstand geworden ist, der Hexen und Zauberern als Transportmittel erlaubt ist. Gerade für die Muggel wäre es wohl einfacher geworden, hätte sich die westliche Zaubereigemeinde für die im Orient allseits beliebten Teppiche entschieden – farblich abgestimmt hätten sie sogar die Trikots der Muggelspieler ersetzen können.

Eine weitere Transformation im Muggel-Quidditch stellen die Bälle dar: Statt aus rotem Leder und Eisen sind Quaffel und Klatscher gegen Volleyball und Dodgeball ausgetauscht. Gewöhnungsbedürftig und doch kreativ scheint der Schnatz-Ersatz: Der kleine goldene Ball mit Flügeln wich einem ebenfalls kleinem Ball, der in einer Art Socke einem unabhängigen Mitspieler hinten aus der Hose baumelt. Wer die Socke als erstes ergattert, beendet das Spiel und holt wichtige Punkte für sein Team. Im Jahr 1473 fand die erste Quidditch-Weltmeisterschaft statt, allerdings nahmen an ihr nur europäische Mannschaften teil. Mit dem Muggel-Quidditch verhielt es sich anders. Es wurde 2005 in den USA entwickelt und breitete sich von dort aus, seit 2008 gibt es Meisterschaften. Die Kiel Kelpies gründeten sich im Mai 2017 und reihen sich hiermit in eine Vielzahl renommierter Mannschaften: Chudley Cannons, Holyhead Harpies, Tübinger Testrale. Mehr dazu hier.

Über Johanna Rädecke

Johanna Rädecke

Johanna schreibt seit Anfang 2015 vornehmlich für das Ressort Gesellschaft. Seit Februar 2017 ist sie Chefredakteurin des ALBRECHT. Sie studiert seit dem Wintersemester 2014 Deutsch und Soziologie an der CAU.

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