Down Head Generation

Ob im Supermarkt, in der Uni oder einfach nur irgendwo auf der Straße: Die typischen Bildschirmstarrer sind überall. Meistens stehen sie regungslos auf einer Stelle, ihre Köpfe sind gesenkt, die Augen starren scheuklappenartig auf das leuchtende Ding in der Handfläche, während der Daumen gekonnt über den Display gleitet. Spätestens abends, wenn sich Partygäste minutenlang schweigend gegenübersitzen, wird es wirklich deprimierend. Die rasend schnelle technische Entwicklung der letzten zehn Jahre, hat die ganze Gesellschaft so sehr in ihren Bann gezogen, dass wir uns (fast) nur noch im Chat bei Whatsapp unterhalten, uns über Profilbilder identifizieren, Freundschaften über facebook bewahren, und unsere große Liebe mithilfe von Flirtapps suchen. Klar, ein Smartphone hat viele Vorteile, aber es macht auch Angst zuzusehen, wie das Handy immer mehr Besitz von uns ergreift. Neben Messer und Gabel hat das Smartphone nun auch auf dem Mensatablett seinen festen Platz und beim Zubettgehen liegt es wie selbstverständlich neben dem Wecker auf dem Nachttisch. Fast scheint es, als wäre es schon ein Körperteil. Immer suspekter werden auch diese ständigen Schreib-Gespräche: Sie rauben uns nicht nur viel Zeit und Energie, sondern lassen auch aufgrund der fehlenden Mimik und Gestik einen riesigen Interpretationsspielraum. Das ewige Hin- und Her- und Aneinandervorbeigeschreibe ist nicht nur unglaublich nervenzehrend, sondern kann uns – besonders dann, wenn es um Beziehungen geht – ernsthaft psychisch belasten. Der im Moment sehr populäre Berliner Autor Michael Nast beschreibt das Phänomen in seiner Kolumne Die Bedeutung eines ‚Zuletzt Online‘ folgendermaßen: „Wir wissen nicht, was andere denken oder fühlen, wir interpretieren ihr Verhalten und sind dann wegen unserer eigenen Gedanken beleidigt.“ Im englischen Sprachraum werden wir als Down Head Generation bezeichnet und für Nast sind wir sogar die Generation Beziehungsunfähig. Wie dem auch sei, es ist eindeutig an der Zeit, sich diesen kleinen Zeiträubern und Gesprächskillern abzuwenden und mal wieder hochzugucken. Vielleicht gibt es dann auch bald wieder Partys, auf denen miteinander geredet wird. Wer weiß, vielleicht werden schon bald die ersten Without-Phone-Partys gefeiert. Wie viele werden dann wohl den Teilnehmen-Button auf facebook nutzen?

Titelbildquelle: Christian Hornick

Fenja Wiechel-Kramüller
Über Fenja Wiechel-Kramüller 10 Artikel
Fenja ist 22 Jahre alt und studiert Germanistik und Philosophie in Kiel. Sie schreibt seit November 2015 für den Albrecht.

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