Rock ’n‘ Roll, ein bisschen Horror und ganz viel Sex

Die Rocky Horror Show begeistert das Publikum im Schauspielhaus Kiel

Die Rocky Horror Show, die bereits seit ihrer Uraufführung 1973 gängige Geschlechterrollen über den Haufen wirft, hat in den vergangenen 40 Jahren einen Kult-Status sondergleichen erreicht. Mit seiner Inszenierung des Bühnenstoffs holt Regisseur Ingo Putz das wohl berühmteste Rockmusical zurück nach Kiel.

In einer regnerischen Nacht befindet sich das frisch verlobte Paar Janet Weiss (Maxine Kazis) und Brad Majors (Christian Kämpfer) gerade auf dem Weg zu Brads altem Freund Dr. Scott, als deren Auto eine Panne erleidet. Janet und Brad müssen notgedrungen in einem nahegelegenen Schloss nach Hilfe fragen, doch sofort nimmt das Unglück seinen Lauf. Denn die Bewohner des Schlosses sind keine normalen Wesen. Bereits die beiden Diener Riff Raff (Zacharias Preen) und Magenta (Yvonne Ruprecht) erweisen sich als äußerst skurril. Als dann auch noch der Hausherr Frank´N´Furter (Imanuel Humm), seines Zeichens verrückter Wissenschaftler und Transvestit, und sein muskulöses Retortengeschöpf und Sexobjekt Rocky (Marko Gebbert), auf der Bildfläche erscheinen, ist für das spießige Paar das Unheil komplett.

Immanuel Hamm ist in seiner Rolle als Frank N Furter der Star der Show.  Foto: Olaf Struck
Imanuel Humm ist in seiner Rolle als Frank´N´Furter der Star der Show.
Foto: Olaf Struck

Mit der Besetzung der zentralen Figur Frank´N´Furter steht und fällt die Inszenierung der Rocky Horror Show. Hier wurde mit Imanuel Humm, der nicht nur makellos singt, sondern auch selbstsicher in Strapsen und High Heels auf der Bühne agiert, definitiv die richtige Wahl getroffen. Doch auch die weiteren Darsteller und Darstellerinnen überzeugen sowohl im Gesang als auch im Schauspiel.

Das symmetrisch aufgebaute Bühnenbild besteht aus zwei Ebenen, die durch einen Fahrstuhl in der Mitte und durch Treppen links und rechts miteinander verbunden sind. Dadurch findet die Band in Frank´N´Furters Laboratorium auf der oberen Ebene seinen Platz. Die Kostüme von Mirjam Benkner erinnern an die Ausstattung der Filmadaption The Rocky Horror Picture Show von 1975. Lediglich die Perücke von Rocky wirkt billig und unglaubwürdig. Besonders hervorzuheben ist aber die Umsetzung der Sexszenen, die als Schattenspiel auf eine Leinwand projiziert und gleichzeitig auf der Bühne synchronisiert werden. So konnten die Szenen etwas entschärft werden ohne dabei an Ausdrücksstärke zu verlieren.

Die Bediensteten Riff Raff und Magenta haben ihren eigenen geheimen Pläne.  Foto: Olaf Struck
Die Bediensteten Riff Raff (Zacharias Preen) und Magenta (Yvonne Ruprecht) haben ihre eigenen geheimen Pläne.
Foto: Olaf Struck

Ein wesentlicher Bestandteil der Popularität des Stücks ist sicherlich auch der interaktive Charakter der Rocky Horror Show, der in jeder Aufführung weltweit integriert ist. So dürfen die Zuschauer unter anderem während der Szene, in der es regnet, mit Wasserpistolen spritzen und in der Hochzeitsszene mit Reis werfen. Beliebt sind auch die Zwischenrufe aus dem Publikum; wann immer der Erzähler das Wort ergreift, brüllt das Publikum „Langweilig!“ und sobald der Name Janet Weiss fällt, ertönt ein leises Zischen im Raum. Die notwendigen Gegenstände konnten entweder von zu Hause mitgebracht oder vor Ort samt Anleitung gekauft werden. Die Zuschauer nahmen hier lebhaft teil, doch leider wurde der berühmte Time Warp erst in der Reprise wirklich erfolgreich mitgetanzt.

Der Rezeption tat dieser Aspekt jedoch keinen Abbruch; das Ensemble erhielt für seine Darbietung stehende Ovationen vom Publikum. Zu Recht war die Rocky Horror Show während der gesamten Spielzeit ausverkauft, sodass zusätzliche Vorstellungen angeboten wurden. Wer auch für die Zusatztermine keine Karten mehr bekommen konnte, hat jedoch Glück gehabt; in der kommenden Spielzeit im Herbst 2014 wird die Rocky Horror Show erneut aufgeführt. Let’s do the time warp again!

Fotos: Olaf Struck

Autor*in

Dennis studiert Deutsch, Englisch und Russisch an der Uni Kiel. Seit 2011 ist er Teil der Redaktion. Bis zum Wintersemester 2013/14 war er für das Layout der Print-Ausgabe verantwortlich. Von Anfang 2012 bis Mai 2015 war er Chefredakteur für den Online-Bereich.

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Dennis studiert Deutsch, Englisch und Russisch an der Uni Kiel. Seit 2011 ist er Teil der Redaktion. Bis zum Wintersemester 2013/14 war er für das Layout der Print-Ausgabe verantwortlich. Von Anfang 2012 bis Mai 2015 war er Chefredakteur für den Online-Bereich.

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