„Schau nicht weg, sondern sprich es an!”

Ein Interview mit dem Referat für Feminismus und Antirassismus des AStA

Bild: AStA Uni Kiel

Gleichberechtigung ist auch für unseren Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) ein wichtiges Anliegen: Seit Juli 2020 gibt es hier das Referat für Feminismus und Antirassismus, das ein eigenes Stimmrecht besitzt und so die Ausrichtung des AStA mitgestaltet. Maxie und Sultan sind im AStA die Gesichter für Feminismus und Antirassismus. Als Referentinnen setzen sie sich gegen jegliche Form der Diskriminierung ein. Sie wollen Studierende dazu befähigen, rassistische, sexistische und jegliche andere diskriminierende Strukturen sowohl innerhalb der Universität als auch in ihrem Alltag zu erkennen und alternative Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Sie sind als Ansprechpersonen für alle Fragen, Anregungen und Hilfegesuche der Studierenden da und kooperieren dafür mit zahlreichen weiteren Interessensvertretungen. Für unsere Themenwoche Rassismus haben wir nach Stimmen auf dem Campus gesucht und drei Interviews geführt.

DER ALBRECHT: Was muss an der CAU bezüglich Antirassismus noch passieren? 

Maxie: Strukturellen Rassismus gibt es überall. Die CAU sollte sich und ihre Strukturen daher selbst hinterfragen und von Rassismus Betroffene miteinbeziehen, um die Uni zu einem Ort zu machen, der Vorbildcharakter hat und möglichst frei von Rassismus ist. Dazu gehört für uns explizit auch die Abschaffung des Niqab-Verbots. Wir würden es begrüßen, wenn wir an der CAU eine feste Beauftragung für Rassismus beziehungsweise Rassismuserfahrungen haben würden, so wie wir auch eine zentrale diversitätsbeauftragte Person und Gleichstellungs- und Diversitätsbeauftragte an jeder Fakultät besitzen. Vielen Studierenden ist nämlich gar nicht bewusst, an wen sie sich wenden können, wenn es mal zu entsprechenden Situationen an der Universität kommt. Es sollten also eine Transparenz für Themen wie Antirassismus geschaffen und Ansprechstellen hervorgehoben werden. 

 Habt ihr ein gutes Beispiel für rassismuskritische Lehre beziehungsweise eigene Ideen dafür? 

Bild: Sultan Algin | Maxie Schrinner

Maxie: In der Geographie wird sich oft kritisch mit (Neo-)Kolonialismus auseinandergesetzt. Und selbst in Fachdidaktik-Vorlesungen der Biologie wird mittlerweile aufgegriffen, wie Rassismus biologisch entkräftet werden kann. Generell gibt es aber noch zu wenig Seminare an der Universität, welche das Thema Antirassismus aufgreifen. Das fällt uns als Lehramtsstudentinnen vor allem im Bereich der Pädagogik auf. Angehende Lehrer:innen müssen  geschult werden, um ihre Schüler:innen später aufklären zu können. Sie sollten bereits am Anfang ihrer Karriere Seminare besuchen, welche die Erkenntnis und das Bewusstsein über Rassismus stärken.  

Sultan: Ein gutes Beispiel ist der Blue Eyed-Workshop, welcher von Jane Elliot entwickelt wurde. Er fungiert als Denkanstoß und stellt eine fiktive Diskriminierungserfahrung auf Grundlage der Augenfarbe dar. Der Workshop ist sehr sinnvoll und effektiv, um Rassismus entgegenzutreten und vor allem entgegenzuwirken. Denn Erfahrungen, die wir selbst machen, haben einen stärkeren Einfluss auf uns. 
Hervorheben wollen wir noch die regelmäßigen Veranstaltungen der Diversitätsbeauftragten, die für alle Studierenden offen und sehr empfehlenswert sind. In der Germanistik setzt sich zum Beispiel Diana Nacarlı mit den Themen Rassismus und Sprache auseinander. 

Welche Hürden und welche Bereicherungen bringt die Auseinandersetzung mit Gleichstellung mit sich? 

Sultan: Gleichstellung und Antirassismus sind fundamentale Bausteine einer friedlich orientierten Gesellschaft und sollten deshalb selbstverständlich sein. Nur merken wir bedauerlicherweise auch heutzutage noch, dass viele Menschen als „deplatziert“ abgestempelt werden und in Kategorien einsortiert werden. Es ist sehr traurig, wenn wir sehen, dass sich täglich Menschen für diese Themen einsetzen und Aufklärungsarbeit leisten müssen, während viele andere Menschen stets bei ihrem Standpunkt bleiben. Gerade, wenn du dich mit Herzblut und aus tiefer persönlicher Überzeugung für ein Thema einsetzt, kann es fast schon verletzend sein, wenn dir Menschen widersprechen oder sich nicht abschätzig äußern bzw. dein Thema kleinreden und Probleme verharmlosen. 

Maxie: Gleichzeitig werden wir durch unsere Arbeit damit belohnt, dass wir das Gefühl haben, uns für etwas Gutes einzusetzen, Menschen helfen zu können und dadurch viel Dankbarkeit zu erfahren. Außerdem ist es toll, andere engagierte Menschen kennenzulernen und von ihnen zu lernen. 

Black Lives Matter auf der einen, AfD auf der anderen Seite – glaubt ihr, wir sind „auf dem richtigen Weg”? 

MaxieEs ist traurig zu sehen, dass es in den letzten Jahren spürbar einen politischen Rechtsdruck gab. Gleichzeitig ist es toll zu sehen, wie viele Menschen sich solidarisieren und auch politisieren. Wir sind auf jeden Fall optimistisch, dass die Diskussion eröffnet ist und damit auch Platz ist für mehr Aufklärung, durch die viele Menschen reflektierter werden. Außerdem ist Aufgeben keine Option – sonst wäre doch alles umsonst!  

Habt ihr Empfehlungen für Studierende, die sich mit antirassistischer Arbeit beschäftigen wollen? 

Sultan: Zunächst einmal ist großartig, wenn DU das machen willst. Es ist sehr wichtig immer bei sich selbst anzufangen und nicht erst darauf zu warten, bis sich von selbst etwas entwickelt. Wir haben bereits eine Veranstaltung mit dem Titel Engagiert an der CAU! zu diesem Thema veranstaltet. Bei dieser Veranstaltung ging es primär darum, dass die Studierendenschaft einen Einblick davon bekommt, welche Möglichkeiten es an der CAU und in Kiel gibt, um sich in den Bereichen Feminismus und Antirassismus engagieren zu können.  

Wichtige Akteur:innen und Hochschulgruppen, die wir als Referat empfehlen können: 

  • Eddi-Steinfeldt-Mehrtens (Diversitätsbeauftragung) 
  • Esther van Lück (stellvertretende Diversitätsbeauftragung) 
  • Diana Nacarlı (stellvertretende Diversitätsbeauftragung der Philosophischen Fakultät) 
  • Iris Werner (Gleichstellungsbeauftragung der CAU) 
  • EmBIPoC (Empowerment von Black, Indigenous und People of Color) 
  • Ihg Kiel (Islamische Hochschulgruppe) 
  • Kulturgrenzenlos 
  • Das Frauenbündnis und das junge Frauenbündnis 
  • Zebra (Zentrum für Betroffene rechter Angriffe) 
  • Koa (Kollektiv afrodeutscher Frauen) 
  • Amnesty International Hochschulgruppe 

Selbstverständlich kannst DU dich auch jederzeit bei uns melden und wir stehen dir immer für ein Gespräch zur Verfügung. Gerne versuchen wir dich auch bei deinem Vorhaben zu unterstützen und sind dir eine helfende Hand.  

Was wollt ihr zum Schluss noch sagen? 

Sultan: „Gestern war ich klug und wollte die Welt verändern. Heute bin ich weise und möchte mich verändern.“ – Rumi. 

Glück ist das Einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt.“ – Albert Schweitzer. 

Maxie: Guck nicht weg, wenn du rassistische, sexistische oder anderweitig diskriminierende Sprüche erlebst. Sprich es an! Die Universität ist ein Ort, wo du immer die Möglichkeit hast, deine Meinung zu äußern. Wenn du Rassismus oder Sexismus erlebst oder beobachtest, trau dich und reich Beschwerde ein. Wir können dich dabei jederzeit unterstützen, aber auch andere Lehrende, Beratungsstellen und Diversitäts- und Gleichstellungsbeauftragte der CAU sind für dich da. Und engagiere dich! Es gibt so viele Hochschulgruppen, Fachschaften, Initiativen und Vereine, denen du dich anschließen und wertvolle Erfahrungen sammeln kannst. Denn du lernst ja nicht nur für deine Credits, oder? 

Vielen Dank für das Gespräch! 

Autor*in

Frederik ist 25 Jahre alt und studiert an der CAU Gegenwartsliteratur und Medienwissenschaft im Master. Er ist seit April 2019 Teil der Redaktion des Albrechts.

Über Frederik Bahr 18 Artikel
Frederik ist 25 Jahre alt und studiert an der CAU Gegenwartsliteratur und Medienwissenschaft im Master. Er ist seit April 2019 Teil der Redaktion des Albrechts.

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