Schicksale in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Der Roman „Der Wolkenatlas“ erschien bereits 2004 und wurde daraufhin weltweit ein großer Erfolg. Aber erst ein knapp sechsminütiges Video im Internet machte mich auf das Buch aufmerksam. Gemeint ist der erweiterte Trailer zu „Cloud Atlas“, einem Film von Tom Tykwer (Lola rennt, Das Parfum) und den Wachowski-Geschwistern, welche die Matrix-Trilogie kreierten.
In diesem Video werden mehrere Handlungen angeschnitten, die alle miteinander verwoben zu sein scheinen, jedoch in völlig verschiedenen Zeiten spielen. Dort trifft eine 70er Jahre-Halle Berry auf einen postapokalyptischen Tom Hanks, es gibt Zäune niederfahrende Senioren, fliegendes und zerberstendes Porzellan, futuristische Lasergefechte und vieles mehr. Kurz, der Film verspricht bildgewaltig zu werden. Dies war Grund genug für mich, die Romanvorlage genauer unter die Lupe zu nehmen. Tatsächlich bietet „Der Wolkenatlas“ dem Leser ein großes Reiseerlebnis, welches noch lange nach Ende der Lektüre anhält.
Sechs Schicksale werden erzählt. Es beginnt mit dem Tagebuch eines reisenden Anwalts aus dem 19. Jahrhundert, welcher auf der Heimreise von Neuseeland nach San Francisco schwer erkrankt. Sein Tagebuch wird von einem talentierten Komponisten gelesen, der in Briefen mit seinem Freund kommuniziert. Die Briefe wiederum fallen 50 Jahre später in die Hände einer Journalistin, der Hauptfigur eines Kriminalromans. Das Manuskript des Krimis wird einem Verleger in der Gegenwart zugeschickt, der dieses auf seiner Odyssee durch Großbritannien liest. So geht es weiter, bis schließlich alle Handlungsstränge ein großes Ganzes ergeben. Beim Lesen fallen immer wieder einzelne Motive auf, welche andeuten, dass alle Schicksale von ein und derselben Seele durchlebt werden. Wiedergeburt oder doch reiner Zufall? Diese Frage lässt der Autor offen.
In der Verfilmung wird Nägel mit Köpfen gemacht; hier schlüpfen Schauspieler in mehrere Rollen. Tom Hanks und Halle Berry spielen gleichzeitig vier Charaktere, Hugo Weaving und Susan Sarandon wechseln sogar für bestimmte Rollen ihr Geschlecht.
„Der Wolkenatlas“ gilt als teuerstes deutsches Filmprojekt aller Zeiten (gedreht wurde im Studio Babelsberg). Ob es an den Erfolg des Buches anknüpfen kann, wird sich zeigen. Am 15. November startet der Film in den deutschen Kinos.

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Dennis studiert Deutsch, Englisch und Russisch an der Uni Kiel. Seit 2011 ist er Teil der Redaktion. Bis zum Wintersemester 2013/14 war er für das Layout der Print-Ausgabe verantwortlich. Von Anfang 2012 bis Mai 2015 war er Chefredakteur für den Online-Bereich.

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