Spitzensportler – Studenten wie alle anderen?

Aktuell studieren an der Christian-Albrechts- Universität rund 20 der besten Athleten Deutschlands. Darunter sind fünf Beachvolleyballer, eine Ruderin, ein Leichtathlet und 14 Segler – alle stehen in ihrer Disziplin im Kader der Nationalmannschaft. Bis vor drei Jahren war auch ein Medaillengewinner der letzten Olympischen Spiele dabei: Hannes Peckolt holte in Peking in seiner Segelklasse die Bronzemedaille. Nach den Olympischen Spielen hat er seine Karriere aufgegeben und widmet sich seitdem ganz seinem Medizinstudium an der CAU.

Die studentischen Spitzensportler genießen im Rahmen ihres Studiums einige Sonderregeln, um ihr hartes Pensum – bis zu 20 Stunden Training pro Woche und lange Reisen zu Wettbewerben und Trainingslagern – neben dem Studium absolvieren zu können. So können sie aus sportlichen Gründen Urlaubssemester, beispielsweise für die Olympiavorbereitung, beantragen. In den Lehrveranstaltungen gibt es die Möglichkeit, öfter als zweimal zu fehlen, ohne aus dem Kurs zu fliegen und es ist möglich, Prüfungen und Klausuren zu verschieben. Auch besteht die Option, bei der Anmeldung zu Veranstaltungen bevorzugt zu werden.

„All diese Ausnahmeregeln bedürfen aber immer der Zustimmung des jeweiligen Dozenten“, sagt Hochschulsportleiter Bernd Lange, es gibt also keinen Rechtsanspruch auf diese Privilegien. Die rechtliche Lage ist in der Tat verzwickt. Es wäre immerhin möglich, dass andere Studenten gegen die Priviligierung der Spitzensportler klagen. „Die Förderung solcher Sportler liegt uns sehr am Herzen, sie sind Botschafter der Universität und für Sportler ohne üppige Werbeverträge ist ein erfolgreiches Studium sehr wichtig“, begründet Uni-Präsident Prof. Gerhard Fouquet die Erleichterungen.

Die Generalbevollmächtigte der Kieler Volksbank, Dr. Caroline Toffel, überreicht Moana Delle die Stipendiumsurkunde foto: bor
Die Generalbevollmächtigte der Kieler Volksbank, Dr. Caroline Toffel, überreicht Moana Delle die Stipendiumsurkunde foto: bor

Zusätzlich zum Entgegenkommen der Uni gibt es seitens der Kieler Volksbank jährlich zwei Stipendien über jeweils 3000 Euro. Die beiden Stipendiatinnen dieses Jahres, Surferin Moanne Delle (22, Geografie) und Ruderin Claudia Mack (25, Medizin), freuten sich sehr über die Auszeichnung und das Geld. „Ich kann mich jetzt besser auf die Qualifikation für die Olympischen Spiele in London 2012 konzentrieren“, sagt Moanna Delle.

Die Stipendien kommen der CAU als zweckgebundene Spenden zu, als Gegenleistung gibt es im Sportforum Werbung für das Kreditinstitut. „Aus universitären Mitteln gibt es keine finanzielle Förderung“, stellt Lange klar. „Wir schenken hier niemandem etwas, es geht hier nicht um das Erlassen von Studienleistungen, sondern um die Vereinbarung von Studium und Spitzensport“, sagt er. Eine vierköpfige Jury wählt jedes Jahr die Stipendiaten aus. Dieses Jahr standen der Marketingleiter der Volksbank, Jens Harder, Petra Homeyer vom Olympiastützpunkt Hamburg/Schleswig-Holstein, Daniela Geißler als persönliche Referentin von Uni-Präsident Prof. Gerhard Fouquet und Bernd Lange vor der schwierigen Wahl.

In Deutschland gibt es zurzeit nach Angaben des Allgemeinen Deutschen Hochschulverbandes 176 sogenannte „Partnerhochschulen des Spitzensports“. Die beteiligten Unis erklären sich bereit, studierenden Spitzensportlern bei der Organisation des Studiums entgegenzukommen. Allerdings haben nur eine handvoll Unis ein Stipendienprogramm, wie es in Kiel vorzufinden ist, organisiert.

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Ove war bis Anfang 2012 Chefredakteur für den Online-Bereich des Albrechts.

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