STAR WARS – DAS ERWACHEN DER MACHT – Filmkritik

Nachdem die Originaltrilogie um Eine Neue Hoffnung, Das Imperium Schlägt Zurück und Die Rückkehr der Jedi-rittert die Star Wars Filme bis heute fest in der Popkultur verankerte und Schöpfer George Lucas mit seiner Prequel Trilogie zwar eine neue Generation anfütterte, die Fans der alten Filme aber verärgerte, liefert J.J. Abrams (Star Trek, Super 8, Lost) einen, zwar an die Urtrilogie angelehnten, aber trotzdem noch einmal ganz neuen Ansatz einen Star Wars Film zu gestalten.

Abrams hat in der Vergangenheit schon oft bewiesen, dass er nicht davor zurückschreckt Originalvorlagen zu verändern, wenn es seiner eigenen Story dienlich ist. So stellte er in Star Trek Into Darkness praktisch das ganze Trekkie-Universum auf den Kopf, indem er Figuren erlaubte, sich zwischen mehreren Planeten hin und her zu beamen und am Ende des Films sogar ein reproduzierbares Heilmittel gegen den Tod erfand. In Star Trek III bräuchte man demnach weder Raumschiffe noch müsste man Angst vor dem Tod haben, was den neuen Machern große Steine in den Weg legte und Regisseur Justin Linn (The Fast and the Furious 7) dazu brachte, Abrams zweiten Star Trek Film komplett zu ignorieren. Das, was im Nachbaruniversum schief gelaufen ist, bringt der Regisseur als Stärke mit in die Welt der neuen Star Wars Saga.

Wäre Erfinder George Lucas noch am Drücker, würde dieser zum Beispiel im Traum nicht darauf kommen, Star Wars zur Abwechslung auch einmal aus der Sicht eines Sturmtrupplers zu erzählen. Natürlich gibt es bei Abrams neuem Ansatz zwangsweise auch zwei, drei Technik-GAUs (z.B. ein Raumschiff, das mit Warp-Antrieb aus einem verschlossenen Hangar startet), ingesamt bringt der freiere Ansatz dem Film aber jede Menge frischen Wind, womit die wenigen Logikprobleme durchaus zu verkraften sind.

Finn (John Boyega), Chewbacca (Peter Mayhew) und Han Solo (Harrison Ford) Ph: David James © 2015 Lucasfilm Ltd. & TM. All Right Reserved.
Finn (John Boyega), Chewbacca (Peter Mayhew) und Han Solo (Harrison Ford) / Foto: David James / © 2015 Lucasfilm Ltd. & TM. All Right Reserved.

Die Marketing Strategie, in der riesigen Werbekampagne um Das Erwachen der Macht so gut wie nichts von der Handlung des Films zu verraten, spielt Abrams gleich bei zwei Dingen in die Hände:

Zum einen lassen wir uns als Zuschauer besonders stark auf die Reise durch die Filmhandlung ein: Wir wissen genauso wenig wie die Hauptfiguren und sind von neuen Planeten, fantastischen Wesen und überraschenden Wendungen unseres Abenteurers ebenso überwältigt wie die aus der Monotonie ausbrechende einsame Wüstenkämpferin Rey. Das Erwachen der Macht entfaltet über die Spielzeit von 136 Minuten sowohl eine Sogwirkung, als auch einen Abenteuercharakter, den man von heutigen Kinoblockbustern überhaupt nicht mehr gewohnt ist. Es ist eben genau das Gefühl vom ersten Star Wars Film Eine Neue Hoffnung, in welchem zwar einiges an Handlung passiert, die zwei Stunden Spielzeit aber trotzdem wie im Flug vergehen. Trotz dieser starken Parallele fühlt sich Episode 7 aber trotzdem noch einmal ganz anders an, als alle zuvorigen Star Wars Filme.

Das liegt größtenteils am zweiten Pluspunkt der aufwendigen Geheimniskrämerei des Films: Dadurch, dass wir in Trailern und Inhaltsangaben so gut wie nichts über die neuen Hauptcharaktere erfahren, dürfen wir die neue Star Wars Generation erst im fertigen Film richtig kennenlernen. Da der Cast um Daisy Ridley, Oscar Isaac und John Boyega das Herzstück des Films darstellt, verleiht dieser Marketing Move dem neuen Star Wars zusätzliche Wirkung. Auf der anderen Seite nehmen sich „die Neuen“ nicht so ernst wie beispielweise die meist reservierten Prequel Darsteller, andererseits überrascht der neue Star Wars mit nie dagewesenen Charakterperformances. Allen voran Adam Driver verleiht dem neuen Bösewicht Kylo Ren in seinen wenigen Szenen ohne Maske eine Ambivalenz und Verletzlichkeit, die seine gesamte Vorgängerriege in den Schatten stellt.

Star Wars: The Force Awakens L to R: Kylo Ren (Adam Driver), Finn (John Boyega), and Rey (Daisy Ridley) Ph: David James © 2015 Lucasfilm Ltd. & TM. All Right Reserved.
Kylo Ren (Adam Driver), Finn (John Boyega) und Rey (Daisy Ridley) / Foto: David James / © 2015 Lucasfilm Ltd. & TM. All Right Reserved.

 

Zu allerletzt kombinieren Abrams und Drehbuchautor Lawrence Kasdan (Der Jäger des Verlorenen Schatzes, Star Wars 5 + 6) die epische Vergangenheit der alten Hauptfiguren um Darth Vader, Luke Skywalker und Han Solo mit dem neuen Cast und verleihen so Rey, Finn, Poe Dameron und Kylo Ren zusätzlichen Hintergrund und Tiefe, die weit über Das Erwachen der Macht hinausgeht.

Zu der Technik des Films ist durchweg nur Positives zu sagen. Die Aufwendig angekündigten praktischen Filmeffekte im Gedenken an die alten Star Wars Teile fügen sich homogen mit neuen Techniken, wie die von Andy Serkis (Gollum in Der Herr der Ringe) unterstützten ‚Motion Capture Performances‘ ein. Aliens, Roboter und Science-Fiction-Gerätschaften dienen zu jedem Zeitpunkt entweder Story oder Atmosphäre und sind niemals reiner Selbstzweck. John Williams Soundtrack ist souverän, aber leider nicht so mutig wie in beispielweise Episode I: Die Dunkle Bedrohung, in welchem Williams gleich zwei neue und gleichermaßen erinnerungswürdige Stücke schaffte. Als ein Drehbuchmanko könnte der obligatorische siebzehnmal größere Todesstern gesehen werden, der genauso nebensächlich eingeführt, wie abgehandelt wird. Wenn man sich offensichtlich nicht einmal Mühe gibt, in dieser Facette an die Urtrilogie heranzukommen, hätte ein so offensichtlicher Remake-Ansatz im Sinne von „größer, höher, weiter“ nicht wirklich sein müssen. Schätzungsweise war dieser Teil des Drehbuchs aber eine Vorgabe von Disney, die Abrams im fertigen Film damit abfederte, dass er diesen Handlungsstrang ausschließlich dafür nutzte, den wichtigsten Charaktermoment des Films zu untermauern.


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FAZIT

Das Erwachen der Macht ist abgesehen von seinen Remake Tendenzen ein voller Erfolg. Star Trek Regisseur und Geheimniskrämer J.J. Abrams bringt seine positivsten Charaktereigenschaften in das Projekt mit ein und macht den neuen Star Wars zu einem grandiosen Abenteuertrip, der filmisch an den Klassiker Eine Neue Hoffnung heranreicht. Das neue Schauspielerensemble bringt die Lockerheit und den Spaß von Kultcharakteren der alten Trilogie zurück, zeigt aber gleichermaßen, dass es für epische und tiefgründige Momente der nächsten Star Wars Jahrzehnte gewappnet ist. Die im Film teilweise aufgedeckten, teilweise nur angedeuteten  monumentalen Hintergründe der Figuren machen Lust auf mehr und lassen vor allem Fans der Urtrilogie keine Wahl, als das neue Star Wars Universum anzunehmen und sich erneut in dieser fantastischen Welt zu verlieren. Das Erwachen der Macht möchte man nach Filmende sofort noch einmal erleben und gleichermaßen eine sofortige Fortsetzung. Somit ist der erste Teil von Disneys (der sich wahrscheinlich über die nächsten Jahrzehnte erstreckenden) Star Wars Saga ein voller Erfolg.


WERTUNG: 9,0 Kinokatzenpunkte


Autor*in
René Baltrusch
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René war vom Wintersemester 2014 bis Februar 2017 Teil der Redaktion sowie von April 2015 bis Februar 2017 Chefredakteur für den Online-Bereich. Als Spezialist zum Thema Film rief er Ende 2015 die Kultur-Sparte 'KinoKatze' ins Leben.

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