Studentische Elite auf sozialen Pfaden unterwegs

Maria Roers (22) spendet ihr zusätzliches Geld.

Geld macht nicht glücklich? Doch, wenn man es spendet. So denkt zumindest die Theologiestudentin Maria Roers (22). „Ich habe schon viel bekommen, ich brauche nicht mehr“, sagt sie. Ihre finanzielle Situation ist mehr als komfortabel. Als Stipendiatin der Studienstiftung des Deutschen Volkes hat sie es nicht nötig arbeiten zu gehen. Sie studiert im 6. Semester in Kiel und wird bald nach Greifswald wechseln. Durch die Erhöhung des Büchergeldes von 80 Euro auf 150 Euro hat die 22-Jährige in Zukunft noch ein wenig mehr Geld zur Verfügung. Aber: „Ich finde, dass ich der Gesellschaft etwas zurückgeben sollte. Stipendiaten sind schon privilegiert genug.“

Zum Hintergrund: Das Büchergeld ist der einkommensunabhängie Teil des Stipendiums, der Rest orientiert sich an den Bafög-Sätzen. Anlässlich der Einführung des einkommensunabhängigen Deutschlandstipendiums in Höhe von 300 Euro pro Stipendiaten und Semester zum vergangenen Sommersemester wurde das Büchergeld von 80 Euro auf 150 Euro angehoben. 2013 soll es auf 300 Euro steigen. Vor der Erhöhung hatte es eine große Diskussion um die Einkommesunabhängigkeit des dann erhöhten Büchergeldes gegeben. Bei zwei konträren Internetpetitionen unterzeichneten 3717 Personen für eine moderate Steigerung und 3025 Personen für die avisierte Steigerung auf 300 Euro.

Nachdem der Widerstand gegen die Erhöhung nicht fruchtete, gibt es nun eine Plattform im Internet auf der Stipendiaten ihr Büchergeld spenden können (www.stipendienspenden.de). Zur Auswahl stehen drei soziale Projekte. „Ich sehe es nicht so, dass ich mich dem Gesetz widersetze – ich gebe das Geld an die weiter, die es brauchen“, meint Maria Roers. Die Spenderstatistiken werden quartalsweise auf der Internetseite veröffentlicht. Zum Redaktionsschluss waren noch keine Daten vorhanden, aber Ende des Jahres sollten die ersten Spenderzahlen veröffentlicht werden.

Brauchen Stipendiaten denn mehr Geld für Bücher als alle anderen Studenten? 150 Euro im Monat sind immerhin 900 Euro pro Semester. Die Frage entlockt Ines Burckhardt nur ein Schmunzeln. Die Studentin ist die Sprecherin der Initiative Stipendienspenden. „Am liebsten wäre es uns, wenn das Büchergeld gar nicht erhöht werden würde“, sagt sie. „Außer für die Bedürftigen“. Brauchen Stipendiaten denn generell mehr Geld als alle anderen Studenten? „Studien zeigen, dass Stipendiaten meist aus guten Elternhäusern kommen“, sagt Ines Burckhardt. Die Erhöhung des Büchergeldes erfolgte ihrer Meinung nach eher aus dem Grunde, dass die Begabtenförderwerke in ihrem Werben um Stipendiaten nicht durch das neue Deutschlandstipendium schlechter gestellt sind.

Befürworter der Erhöhung verweisen dagegen darauf, dass das Büchergeld letztmals 1980 erhöht wurde, also ein deftiger Inflationsausgleich fällig ist. Auch sehen sie Forderungen nach einer bedürftigkeitsorientierten Steigerung als „eine unglückliche Verquickung von Exzellenz- und Sozialförderung“ an. Die Argumente sind auf www.petitiononline.com/Stip300/petition.html zusammengefasst.

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Über Ove Bornholt 0 Artikel
Ove war bis Anfang 2012 Chefredakteur für den Online-Bereich des Albrechts.

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