Unten ohne

Es gibt eine Frage, die auch dich nachts bestimmt nicht schlafen lässt, nicht wahr? Das ist: Wie habe ich politisch korrekten Sex? Eine große Frage. Doch keine Sorge! … als offiziös anerkannte/r Genderguru_in sag ich eins gleich vorweg: Sex darf nicht eindimensional männlich dominiert sein! Solch überlebte Floskeln wie „Gib’s mir!“ suggerieren das, wo sich doch Alternativen anbieten, wie die Ansage „Wir schaffen das!“ oder als emanzipatorischer Kontrapunkt: „Ich nehm’s mir!“

Doch erstmal auf Anfang: Eine Schriftstellerin hat mal gesagt, dass Frauen mit ihrer Seele Liebe machen (die Wurzel des Wutsex), Männer hingegen mit ihrem Körper. Als Ausgleich sei hier empfohlen, dass der Mann sich zum seelischen Vorspiel durch Verse Brechts erregen lässt und diese während der Durchführung immer wieder losbrüllt: „Alle Laster sind zu etwas gut / Und der Mann auch … der sie tut / … Seid nur nicht so faul und so verweicht / Denn Genießen ist bei Gott nicht leicht.“

Wer seine halbstarken Phantasien aber zu weit treibt, der muss sich auf ein Nachspiel gefasst machen: dazu gehört die pantomimische Reflexion darüber, in welchen Momenten man sich wie ein Objekt behandelt vorkam. Denn sei’s du auch im Bett gewandt, vergiss dabei nicht unsern Kant: Den Menschen niemals nur als Mittel, sondern immer auch als Zweck behandeln. Damit wollte er uns sagen: Sex ist ein Geben, wie ein Nehmen.

Erst die Romantik hat Kants sexuelle Revolution zu Nichte gemacht. Die Menschen damals wussten noch nicht, dass es diskriminierend ist, eine Frau allein wegen ihres Aussehens zu besingen. Das hat uns erst wieder die Lookism-Bewegung bewusst gemacht. Doch was hier oft übersehen wird: Es gibt auch einen Soulism! – also allein darum mit jemanden zu schlafen, weil er einen guten Charakter hat.

Überhaupt sind Errungenschaften des Feminismus bis heute nicht ins Bett vorgedrungen – dem Urhort des Barbaren. Frauen ist erlaubt, sich als Krankenschwester zu verkleiden, der Mann als Altenpfleger lässt warten! Doch der Hoffnungsschimmer leuchtet schon, der neuste Segen freier Chancengleichheit (die Frauenquote) ist nun spürbar im Kommen! Männer sind gehalten, sich zurückzuhalten; Frauen gehören nach ganz oben. Wer aber gleichen Lohn für gleiche Arbeit will, der kann als eigentlichen Fair-Trade nur die Neunundsechzig annehmen. Um aber das Zepter des Patriarchats vollends zu durchbrechen, merke mensch sich die Faustformel der österreichischen Frauenkampagne: „Schluck’s nicht! Spuck’s aus und schlag zurück!“ Bam! Bitte um Vergebung! Amen.

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Über Patrick Jütte 7 Artikel
Patrick ist 21 Jahre alt und studiert Philosophie und Geschichte an der Uni Kiel. Seit dem Wintersemester 2012/13 ist er Teil der Redaktion, seit dem Sommersemester 2013 Ressorleiter für gesellschaftliche Themen. In seinen Artikeln befasst er sich vor allem mit Sozialkultur und Politik.

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