Wochenend und Sonnenschein

Es schien ein Ding der Unmöglichkeit zu sein, doch auch in diesen Breitengraden ist endlich der Frühling angekommen. Und so zieht es alle nach draußen, um möglichst viele der langersehnten Sonnenstrahlen aufzunehmen. Doch warum bei blauem Himmel immer nur vor einer der Campus Suite-Filialen sitzen? Es gibt auch noch andere Möglichkeiten, das gute Wetter hier im Norden auszukosten.

Das südlich von Kiel gelegene Molfsee ist wahrscheinlich allen ein Begriff, die in Schleswig-Holstein zur Schule gegangen sind. Erinnerungen an Ausflüge in das Freilichtmuseum werden wach, bei denen mit Rucksack und Lunchpaket bepackt über das Gelände getrottet wurde. Auch wer diese Erinnerungen nicht gerade zu seinen besten zählt, sollte Molfsee noch eine Chance geben.

Idylle unweit der Stadt: Molfsee.
Idylle unweit der Stadt: Molfsee.

Seit Ende März hat das Museum wieder täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet und der Eintritt kostet für Studierende gerade mal 5 Euro. Anstatt, wie noch zu Schulzeiten, in einem vollen Reisebus zum Areal gekarrt zu werden, ist es jetzt möglich, sich kurzentschlossen in einen der 500er-Linienbusse Richtung Molfsee setzen. Und das kostet mit dem Semesterticket noch nicht einmal etwas. Bei der Ankuft eine Viertelstunde später ist der Eintritt durch das eindrucksvolle Torhaus wie der Gang in eine andere Zeit. An der Kasse wird einem ein Plan in die Hand gedrückt und dann geht es auch schon los. Das 60 Hektar große Gelände beheimatet fast 70 historische Gebäude. Darunter sind Wohnhäuser, Scheunen und Handwerksstätten aus ganz Schleswig-Holstein. Diese sind nach der Versetzung in das Freilichtmuseum originalgetreu hergerichtet und eingerichtet worden und geben deshalb einen guten Eindruck davon, wie der Alltag vor über 100 Jahren ausgesehen haben muss.

Gesichtsinteressierte kommen in Molfsee auf jeden Fall auf ihre Kosten. Dafür sorgen zahlreiche Schautafeln, historisches Mobiliar in erstaunlich gutem Zustand und jährliche Wechselausstellungen. Wie beispielsweise „Fremdes Zuhause“, eine Zusammenstellung von Zeitzeugenberichten, Fotos und Erinnerungsstücken, die ein Bild davon zeichnen, wie Flüchtlinge und Vertriebene im Norden nach 1945 gelebt haben. Die Ausstellung „Frauenbilder – Lebensmomente“, auf der anderen Seite bringt den Besuchern den Alltag von Landfrauen von 1860 bis heute näher.

Auch wer sich sonst nicht sonderlich für Museen interessiert, wird nicht leugnen können, dass Molfsee ein beeindruckendes Gesamtkunstwerk ist. Wie in eine andere Epoche versetzt, bewegt sich der Besucher auf dem Gelände zwischen reetgedeckten Häusern. Man hat den Geruch von frischgebackenem Brot in der Nase, hört aus der Schmiede, wie der Hammer auf den Amboss trifft, und sieht Ziegen und Schafe auf einer Wiese grasen.

In einem Backhaus, einer Imkerei, einer Meierei und einer Fischräucherei ist die Lebensmittelproduktion von vor der Industrialisierung erfahrbar. In Workshops, die vom Museum angeboten werden, ist es sogar möglich, sich selbst einmal daran zu versuchen. Dasselbe gilt für die Handwerksstätten. In diesen werden unter anderem Körbe hergestellt, Vasen getöpfert, und Stoffe gewebt. Wie viel körperliche Anstrengung damals in ein Produkt gesteckt wurde, ist so erst richtig nachvollziehbar.

Es ist bewundernswert, was für ein Aufwand von den Verantwortlichen im Freilichtmuseum betrieben wird, um den Besuchern die Vergangenheit so anschaulich wie möglich zu machen. Deswegen ist es auch keine Überraschung, dass schon Generationen von Schülern über das Gelände gelaufen sind.

Gerade für Studierende mit Kind ist Molfsee ein gutes Ausflugsziel und nicht nur, weil der Eintritt für Kinder unter 6 Jahren kostenlos ist. Es gibt einen Bollerwagenverleih, sowie eine von einem Trecker gezogene Museumsbahn, wegen derer allein sich schon ein Besuch lohnt. Wenn der Nachwuchs dann nicht darauf besteht, den ganzen Tag mit der Bahn auf dem Gelände hin und her zu fahren, ist vielleicht auch noch Zeit übrig, den historischen Jahrmarkt zu entdecken.

Am schönsten ist es, das Gelände bei gutem Wetter auf eigene Faust zu erkunden. Und wer irgendwann keine Lust mehr darauf hat, sich Schautafeln durchzulesen, kann es sich im Sonnenschein auf einer Bank am Wasser oder auf einer der weitläufigen Wiesen gemütlich machen. Dabei ist doch glatt vergessen, wie kalt es in den letzten Monaten war.

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Über Linda Kiowski 0 Artikel
Linda studiert seit dem Wintersemester 12/13 Anglistik und Germanistik. Sie ist 21 Jahre alt, begann im Dezember 2012 für den Albrecht zu schreiben.

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