Nie wieder heißt auch nie wieder. Das haben wir in den letzten Wochen überall gelesen. Und nie wieder bedeutet jetzt. Nicht nächstes Jahr, nicht in einer unbestimmten fernen Zukunft, sondern genau in diesem Moment und es gilt für uns alle – heute. Nicht für die nachfolgenden Generationen und wir wären fein raus.

Im Geschichtsunterricht haben wir gehört, was sich unter den Nationalsozialist*innen ereignet hat. Wir waren schockiert darüber, dass solche Verbrechen überhaupt möglich sein konnten und dass der Aufschrei in der Bevölkerung im Vorfeld nicht größer war. Damals dachten sie vielleicht noch, dass es schon alles gut gehen wird.

Heute haben wir diese Ausrede aber nicht mehr. Wir sind vernetzt, aufgeklärt und wissen zu viel. Deswegen ist es richtig und großartig, dass es riesige Demonstrationen überall in Deutschland gegen den Rechtspopulismus gab und immer noch welche stattfinden.

In Momenten wie diesen schaue ich die Nachrichten und weine nicht mehr des Frusts, sondern der Hoffnung wegen. Wir sind eine starke Gesellschaft, welche eine Wiederholung der Geschichte nicht zulassen will. Wir denken anscheinend nicht, alles regele sich schon von allein. Es wird ja niemand so doof sein, die AfD so groß werden zu lassen, oder? Die Gegenwart zeigt – doch.

Alles, was ich hier schreibe, haben wir schon woanders auf allen Plattformen gelesen. Ihr lest das nicht zum ersten Mal. Auch nicht zum ersten Mal in diesem Jahr. Und trotzdem brauchte es erst diesen einen Artikel von Correctiv, damit wir aufgeschreckt werden und in so großer Zahl auf die Straße gehen. Aber den Artikel hätten wir dafür eigentlich gar nicht gebraucht. Niemand kann ernsthaft überrascht sein, dass diese Gedanken und Pläne existieren.

Ich kann nur hoffen, dass die aktuelle Berichterstattung nicht nur ein Tropfen ist, der das Fass des Aufwachens kurzzeitig zum Überlaufen bringt, der Schwall der Empörung dann aber schnell wieder abflaut.

Wir müssen mit einem kräftigen Tritt das scheiß Fass umkippen, wir haben lange genug zugeguckt. Nie wieder heißt nie wieder. 

Autor*in

Eileen studiert Soziologie/Philosophie und ist seit Januar 2022 die Chefredakteurin. Sie leitete von Februar 2019 bis Anfang 2020 das Ressort für Gesellschaft. Danach war sie stellvertretende Chefredakteurin. Außerdem werden viele der Illustrationen im Albrecht von ihr gezeichnet.

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