Warum das Fediverse die Zukunft ist

In den sich ständig verändernden Weiten des digitalen Universums hat sich eine bemerkenswerte Entwicklung abgezeichnet, die die Art und Weise, wie wir in den sozialen Medien interagieren, auf den Kopf stellt. In den letzten Wochen und Monaten haben Nutzer*innen weltweit bemerkt, wie Werbung und Pop-Ups ihre Social-Media-Feeds infiltrieren und dabei auffällig für kostenpflichtige Modelle werben, die ein angeblich verbessertes Nutzungserlebnis und zahlreiche Vorteile versprechen. 

Einmal als renommiertes Symbol für offizielle Konten von Unternehmen und Prominenten auf Plattformen wie Twitter oder Instagram angesehen, ist der berühmte ‚blaue Haken’ mittlerweile zu einem zweifelhaften Markenzeichen geworden. Er zeigt nicht mehr zwangsläufig die Authentizität eines Profils an, sondern vielmehr, dass ein Account durch finanzielle Mittel im Feed prominenter platziert wird. 

Beispielsweise können Privatpersonen und Unternehmen ihre Accounts bei Instagram bereits seit einiger Zeit für 16,99 Euro pro Monat verifizieren lassen – sich also einen blauen Haken kaufen. Außerdem erhalten Abonnent*innen von ‘Meta-Verified’, namentlich passend zum Instagram-Mutterkonzern Meta, erweiterten Customer-Support. Ähnlich handhabt es auch X (ehemals Twitter) nach der viel kritisierten Übernahme durch Elon Musk, die zu massiver Unzufriedenheit der User*innen geführt hat. Hass und Hetze stehen heute an der Tagesordnung. Für knapp 100 Euro pro Jahr oder 9,50 Euro pro Monat ist der blaue Haken beim Kurznachrichtendienst zu haben. TikTok bietet als letzte der drei größten Social-Media-Plattformen die Verifizierung eines Kontos noch kostenlos an. 

Frischer Wind – Segel setzen! 

Völlig anders handhaben es Plattformen, beziehungsweise Protokolle im sogenannten ‘Fediverse’. Dienste wie Mastodon oder Pixelfed bieten eine Alternative zu X/Twitter und Instagram. Bei Mastodon muss ein*e User*in lediglich über die eigene Webseite mithilfe eines speziellen Links zurück aufs eigene Profil verlinken und schon taucht im Mastodon-Profil der diesmal grüne Haken auf. 

Anstatt von zentralisierten Großkonzernen kontrolliert zu werden, werden diese Protokolle dezentral auf verschiedenen Servern, sogenannten Instanzen, betrieben. Sie sind Open Source und vernetzen sich miteinander, was den Nutzer*innen die Freiheit gibt, über Plattformen hinweg zu kommunizieren und ihre Datenhoheit zurückzuerlangen. So können auch User*innen von Pixelfed mit solchen von Mastodon in Kontakt bleiben. Dieses dezentrale Prinzip kennen heutzutage bereits alle von E-Mails. Man sendet eine Mail vom eigenen Server zum Server der angeschriebenen Person – kein einzelnes großes Unternehmen steuert den gesamten E-Mail-Verkehr. Wird also ein einzelner Server abgeschaltet, können User*innen anderer Server ungehindert weiter miteinander kommunizieren. Das führt zu einer totalen Unabhängigkeit der Nutzer*innen von den ursprünglichen Entwickler*innen der Protokolle. Und das Beste: Werbung sucht man in seinem Feed vergeblich. Stattdessen werden die Kosten für die Server über Crowdfunding-Konzepte wie Patreon finanziert. 

An vielen Stellen wird das ‘Fediverse’ immer wieder als ‚kompliziert’ und ‚nerdig’ diskreditiert. Doch dem ist heute ganz und gar nicht mehr so. Möglicherweise benötigt der erste Schritt ins ‘Fediverse’ eine Stufe mehr als die Registrierung bei Instagram und Co: Ich muss mir einen Server aussuchen. Doch das musste eine jede Person auch bei der Erstellung ihres E-Mail-Kontos.  

Wer also keine Lust auf die immerwährende Kommerzialisierung von Social-Media hat, sollte eine Alternative zumindest in Betracht ziehen, nur so kann irgendwann ein echter Wandel stattfinden.  

Das Profil des ALBRECHTs auf Mastodon findet ihr unter www.troet.cafe/@der_albrecht.

Autor*in
Chefredakteur

Finn ist seit Februar 2024 Chefredakteur des ALBRECHTs. Zuvor hat er ein Jahr lang das Kulturressort geleitet. Er studiert seit dem Wintersemester 20/21 Englisch und Geographie auf Lehramt und ist seit dem WiSe 22/23 Teil der Redaktion.

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