Bunte Achselhaare als Statement

„Body hair in places boys don’t like“, singt die Künstlerin girli in ihrem Song Matriarchy. Doch meistens sind es nicht nur cis-Männer, die sich an weiblicher Körperbehaarung stören. Auch viele Frauen* finden ihre eigene Behaarung nicht schön. Kein Wunder, schließlich wird in der Werbung und verschiedenen Medien wie sozialen Netzwerken, Filmen und Pornos vorgegaukelt, dass Weiblichkeit unter anderem durch die Abwesenheit von Haaren an allen anderen Stellen außer dem Kopf definiert wird. Zu diesem Bild haben unter anderem auch Männer wie Tommi Schmitt und Felix Lobrecht beigetragen, die sich in der Vergangenheit in ihrem Podcast Gemischtes Hack darüber ausgelassen haben, wie abstoßend sie weibliche Beinhaare finden. 

Sich behaart der Öffentlichkeit stellen 

Ich selbst habe bereits vor einigen Jahren aus reiner Faulheit damit aufgehört, meine Beine zu rasieren. Allerdings kann ich mich auch noch gut an das Gefühl erinnern, als ich das erste Mal beim Schwimmtraining meine haarigen Beine präsentierte. Ich habe mich unwohl gefühlt und hatte Angst, dass jemand meine Behaarung kommentiert oder offensichtlich abwertet. Als ich letztes Jahr beschloss, meine Achseln nicht mehr zu rasieren, kamen die gleichen Sorgen hoch. Doch da ich persönlich Achselhaare bei Frauen* sehr ästhetisch und auch meine eigenen sehr schön finde, blieb ich bei meinem Entschluss. Trotzdem überkommt mich immer ein unwohles Gefühl, wenn ich in einer Gruppe mit weiblich gelesenen Personen bin und mir auffällt, dass ich die einzige Person bin, die fleißig wachsen lässt. Umso schöner ist es dann, wenn man auf Gleich-Behaarte trifft. 

Nicht allein 

Als während eines Fachergänzungsseminars das Gesprächsthema ‚weibliche Körperbehaarung’ aufkam, sprach eine Kommilitonin das aus, was viele von uns fühlten:  Es sei empowernd, dass so viele weiblich gelesene Personen mit Achsel- und Beinhaaren im Raum sitzen. Obwohl sie selbst nie ein Problem mit der Körperbehaarung anderer hatte – im Gegenteil, sogar Menschen dafür bewunderte – habe sie lange Zeit Probleme damit gehabt, ihre eigene Behaarung als schön anzuerkennen. Gerade weil sie sich häufig fremd zwischen glatt rasierten Frauen*körpern fühlt. Hinzu kommen Gedanken darüber, welche Urteile die Mitmenschen wohl über einen aufgrund der sichtbaren Körperbehaarung fällen. Kenne ich. Wir unterhielten uns und fassten den Plan, unsere Achselhaare zu färben, um  das Statement zu setzen, dass Körperhaare schön sind und eben kein Zeichen von Ungepflegtheit. 

Achselhaarfärbeaktion 

Folglich bleachten wir an einem Sonntagnachmittag die dunklen Haare unter unseren Armen und trugen anschließend eine lila Haarfarbe auf. Leider sah man trotz langem Einwirken nur einen violetten Schimmer. Dennoch war es schön, unsere Körperbehaarung so wertzuschätzen. Und auch wenn das Ergebnis nicht so intensiv wie gewünscht ist, freue ich mich über den Anblick im Spiegel und mit gefärbtem Achselhaar meine Bahnen im Schwimmbad zu ziehen. Denn Körperhaare sind natürlich und schön und nichts, für das Mensch sich schämen sollte. 

Autor*in

Franzi studiert Deutsch und Soziologie und schreibt seit Beginn des Wintersemesters 22/23 für den ALBRECHT.

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