Politik und CAU reagieren auf unsere Recherche

Über Sexismus am Institut für Informatik haben Eileen Linke und Nele Dauelsberg vom ALBRECHT vor einiger Zeit recherchiert. Zur Erinnerung: Etwa dieser Professor, der sehr kontraproduktiv immer dann den Vorlesungssaal zum Applaudieren brachte, wenn sich mal eine Studentin zu einem Wortbeitrag durchgerungen hat – angeblich aus Zwecken der Ermutigung. Oder auch unerfreuliche Nachrichteneingänge von männlichen Kommilitonen in Form von Dick-Pics tragen nicht unbedingt zu einem angenehmen Klima für Frauen bei. Wahrlich nicht, das ist klar sexuelle Belästigung. Geschweige vom ‚Hentai-Typ’, der in Vorlesungen pornografische Mangas konsumierte und eigentlich nur noch von einem masturbierenden Studenten übertroffen wurde. Diese Beispiele von Vorfällen geben einen guten Eindruck, weshalb der Frauenanteil in der Informatik so gering sein könnte – es muss sich also dringend etwas ändern. Und tatsächlich scheint es, als würde das Thema langsam ins Rollen kommen.  

Reaktion vom Institut für Informatik 

Wie die Lübecker Nachrichten und Kieler Nachrichten berichten, nimmt das Institut die Recherchen ernst und möchte aktiv gegen die Diskriminierung vorgehen. So wurde zügig eine Taskforce eingerichtet, in der Studierende, Dozierende und Lehrpersonen sich über die Problembewältigung austauschen und Maßnahmen auf den Weg bringen können. Außerdem sollen Informationen zur Diskriminierung vor Beginn von Lehrveranstaltungen Sensibilität schaffen.  

Stimmen aus der Opposition 

Auch für die Landespolitik sticht die Recherche in ein Wespennest. Die hochschulpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Sophia Schiebe, findet: „Was dank des Berichts im Albrecht öffentlich geworden ist, ist erschütternd. Das ganze muss jetzt schnell und vollständig aufgearbeitet und die richtigen Konsequenzen gezogen werden. Unsere Hochschulen müssen sichere Orte für die Studentinnen sein! Wir werden der Angelegenheit auch parlamentarisch nachgehen.“ Um den Worten auch Taten folgen zu lassen, hat die SPD-Fraktion aus dem Handwerkskasten der Opposition eine kleine Anfrage gezückt und die Landesregierung mit den Sexismus-Vorfällen konfrontiert. Über die Beantwortung wird der ALBRECHT natürlich zu gegebener Zeit berichten!

Für Christopher Vogt, bei den Freien Demokraten im Landtag für Hochschulpolitik zuständig, dürften die erschreckenden Grenzüberschreitungen nicht toleriert werden, er sieht die Universität und das Institut in der Pflicht, „gegen Sexismus und Diskriminierung aktiv zu werden“. Die ersten Maßnahmen seien ihm zufolge begrüßenswert. Grundsätzlich ist es für Vogt ein Anliegen, „dass die Informatik oder auch die Ingenieurswissenschaft keine ‚Männerfächer‘ bleiben. Daher sollte schon in den Schulen, z.B. mit geeigneten Projekten, verstärkt darauf hingearbeitet werden, dass Mädchen und junge Frauen für den MINT-Bereich begeistert werden.“

Auch Jette Waldinger-Thiering von der SSW-Fraktion haben die Vorfälle „aufgewühlt“. Ihrer Auffassung nach müsse die Universität einen sicheren Lernort für alle gewährleisten, „der ein umfangreiches Angebot an niedrigschwelligen Beratungs- und Beschwerdestellen vorhält, und an dem Verstöße gegen das Gleichbehandlungsgebot konsequent sanktioniert werden.“ Des Weiteren sei umfassende Präventionsarbeit wichtig, etwa durch Workshops, Befragungen der Studierenden oder einer Kommunikation der Nulltoleranz. Die erste Reaktion der CAU sei für Waldinger-Thiering als positiv festzuhalten. Doch: „Ob die getroffenen Maßnahmen ausreichen, um der sexualisierten Diskriminierung am Informatik-Institut den Garaus zu machen, bleibt abzuwarten. Wir werden das Thema weiterhin im Blick behalten“. 

Bildungsministerin Prien: „Berichte sind bestürzend“

Die Bildungsministerin des Landes Schleswig-Holstein, Karin Prien (CDU), erklärt: „Berichte über Machtmissbrauch an unseren Hochschulen und sexistische Vorfälle sind bestürzend. Hochschullehrerinnen und –lehrer haben eine besondere Verantwortung. Hochschulen als Orte des Denkens, der Freiheit und der Wissenschaft müssen sichere Orte sein.“ Deshalb habe das Ministerium die Hochschulen des Landes unverzüglich nach Mechanismen beim Umgang mit Sexismus und Machtmissbrauch befragt. Die Rückmeldung zeigen, so Prien, dass viel getan wird. So sind etwa Gleichstellungsbeauftragte eingeschaltet worden, außerdem gibt es Schulungen und Meldestellen. Die Bildungsministerin konstatiert: „Unsere Hochschulen haben gute Schutzmechanismen, die aber trotz allem natürlich im Einzelfall nicht ausreichend sein können. Als Rechtsaufsicht sind wir mit den Hochschulen regelmäßig im Austausch und fordern natürlich auch Berichte über die Maßnahmen gegen Machtmissbrauch und Sexismus ein.“

Wir vom ALBRECHT begrüßen selbstredend diese Schutzmechanismen. Ob sie aber wirklich die Probleme an der Wurzel packen, bleibt abzuwarten. Wir bleiben zumindest dran.

Autor*in
Ressortleitung Hochschule

Jesse ist 20 Jahre alt und studiert Politikwissenschaft und Geschichte an der CAU. Seit dem Sommersemester 2022 schreibt er für den ALBRECHT. Mittlereweile leitet er das Hochschulressort.

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