Ein Guide zum wissenden Kaffeetrinken

Seit etwa tausend Jahren beherrscht Kaffee das Leben der Menschen. Zugegeben – nicht in jeder Ecke der Welt ist Kaffee bereits so lange kultiviert. Der Geburtsort des Kaffees, wie wir ihn heute kennen, liegt ohne jeden Zweifel in Afrika. Durch einen äthiopischen kuriosen Mythos erhärtet sich die These, dass Kaffee dort erstmalig nutzbar gemacht wurde. Doch die Mythen und Kuriositäten rund um Kaffee machen nicht in Afrika halt. Im Folgenden daher ein kleiner Abriss des Weges hin zu unserem Morgen-Gesöff. 

Es ist eine Legende, über die jede*r Kaffeeliebhaber*in eines Tages stolpern muss: Die Begebenheit beginnt beim äthiopischen Hirten Kaldi, der mit hibbeligen Ziegen durch die Kaffa-Region zieht. Bald hat er eine Vermutung, warum seine Tiere so unruhiges Verhalten an den Tag legen: Seine Herde frisst nämlich rote Beeren von einem Strauch, die offenbar eine bewusstseinsverändernde Wirkung haben. Mit dieser Vermutung im Gepäck bringt er die Früchte in ein Kloster, damit ihrer Wirkung auf den Grund gegangen werden kann.  

Die äthiopischen Mönche kochen die Beeren alsbald mit Wasser auf und entwickeln ein höchst koffeinhaltiges Getränk aus der Kaffeekirsche, welches es ihnen ermöglicht, nächtelang zu beten. In anderen Versionen dieser Geschichte waren die Mönche angeekelt von dem entstandenen Trunk und warfen aus Frust die Reste der Kirschen ins Feuer, wodurch ein aromatischer Duft die Luft erfüllte – der erste Kaffee war geröstet. Diese zweite Fassung ist jedoch nicht ganz schlüssig für all jene, die schonmal in den Genuss eines Cascara-Tees kommen durften. Denn nichts anderes hätten die Mönche an dieser Stelle verschmäht. 

Wie viel tatsächlich dran ist an dieser Legende, ist fraglich. Inzwischen ist aber immerhin ausfindig gemacht, dass die ältesten Kaffeesorten unter anderem in der Kaffa-Region ihren Ursprung finden. Die Arabica-Varietät, die heute weltweit den größten Umsatz generiert, hat sich in Äthiopien als Kreuzung zweier Sorten entwickelt. Diese Ur-Sorten hatten wiederum ihren Ursprung in der heutigen Demokratischen Republik Kongo und eventuell Madagaskar. Unklar ist, ob das Wörtchen ‚Kaffee’ an diese Ursprungs-Region Kaffa angelehnt oder nicht eher aus dem Arabischen inspiriert ist. 

„Ich weiß nicht mehr, welcher Humorist einst zu Recht behauptet hat, man könne eine Kulturgeschichte schreiben, indem man sich auf die Kultur der Cafés beschränkt.”

Léon-Paul Fargue

Kultivierte Monopolstellung 

Erst im 14. Jahrhundert kam mit dem Sklavenhandel der Kaffee in die arabische Welt. In der Hafenstadt Mokka im Jemen wurde man auf das mitgebrachte Gut aufmerksam und errichtete erste Plantagen zur Kultivierung der Pflanze.Während bislang überwiegend aus den Blättern und Kirschen Getränke gebrüht wurden, ersann sich die arabische Welt einen Weg, um die sogenannten ‚Bohnen’ im Inneren der Kirsche zu verarbeiten. Erste Röst- und Mahlverfahren sowie eine neue Pflanzenvarietät führten zum jemenitischen Mokka

In der islamisch geprägten Kultur, in der man auf alkoholische Getränke verzichtet, traf das koffeinhaltige Getränk auf fruchtbaren Boden. Das arabische Wort  قهوة  (qahwa) bedeutet im Urprung so viel wie ‚Wein’ oder ‚anregendes Getränk’ – unser Wort ‚Kaffee’ entstammt vermutlich diesem arabischen Lexem. Die anregende Wirkung ebnete den Weg für akademisch genutzte Kaffeehäuser, in denen der Kaffeegenuss und das Zusammenkommen zelebriert wurden und werden. 

Mit der kommerziellen Nutzbarmachung des Kaffees errang das osmanische Reich eine Monopolstellung für dieses Handelsgut. Während im arabischen Raum also bereits Wasser abgekocht und aufgebrüht serviert wurde, schlugen sich die Europäer noch mit Alkohol aus überwiegend unreinem Trinkwasser die Köpfe ein. Doch ein Glück gab es Papst Clemens VIII., dessen überaus denkwürdige Aussage den Durchbruch ebnete: „Dieses Getränk des Satans ist köstlich – Wir können es nicht den Ungläubigen überlassen.” 1632 gelang es endlich, Europa in Italien ihr erstes Kaffeehaus schmackhaft zu machen. 

Kaffeeintelligenz und preußische Panik 

Da Kaffeehäuser Orte des Intellekts waren, ist es wohl kaum verwunderlich, dass ‚Jakob der Jude’ das zweite europäische Kaffeehaus in Oxford errichten konnte. Ausgerechnet in England, der Tee-Nation! (Übrigens eine Tradition, die dem Kolonialismus entspringt.) Das Konzept ging auf und bald sind in ganz Europa Kaffeehäuser mit philosophierenden Denkern gefüllt; Denkerinnen wurden unter anderem in Verona nicht zugelassen. Doch beinahe wäre es insgesamt mit Kaffeehäusern in Deutschland nichts geworden: Der jüdische Handel ging insbesondere Friedrich dem Großen gegen den Strich, der sich in seiner Devise „Mein Volk muss Bier trinken!” bedroht fühlte. 

Seine Gegenmaßnahmen waren radikal wie sinnlos. Die verordnete Biersuppe als Alternativmenü schlug nicht wirklich an. Auch das private Röst-Verbot von 1781 konnte den abhängigen Deutschen keinen Koffein-Riegel vorschieben. Obwohl eigens dafür 400 invalide Soldaten als Kaffeeschnüffler engagiert wurden, blieben die Menschen hartnäckig beim Import-Produkt. Und schlussendlich musste auch der preußische König klein beigeben. Das Gerücht, er habe seinen Kaffee mit Champagner statt Wasser brühen lassen, kommt sicher nicht von ungefähr. 

Kultgetränke heute 

Wenn es auch Lebensmittel aus Mythen und Geschichten sind, gibt es sie wirklich und wahrhaftig: Den Cascara-Tee, Mokka und die Biersuppe. Cascara galt noch bis Anfang 2022 in der EU als schwer importierbares Produkt. In Röstereien gibt es mit einer neuen Verordnung aber eine langsame Entwicklung hin zu dem ursprünglichsten aller Kaffee-Getränke. Bei THE BARN Berlin kann man die Kirsche als Rohprodukt kaufen, auch ROAST in Kopenhagen vertreibt Getränke und Rohprodukt. In Kiel gibt es im Café Loppo (Grasweg 8) eine Limonade aus der Kirsche. Einen Mokka kann man in Kiel recht traditionell im Café Resonanz (Mittelstraße 23) genießen. Biersuppe hatte nach der anfänglichen Ablehnung einen kurzen Höhepunkt als Frühstücks-Mahlzeit. Heute ist sie ein eher seltenes Fundstück auf Speisekarten. Das Donnerlüttchen (Knooper Weg 131) hatte sie schon einmal im Programm. 

Autor*in
Ressortleitung Kultur

Lena studiert Deutsch und Englisch und ist seit November 2020 Teil der Albrecht-Redaktion. Sie schreibt gern Kultur-Artikel und leitet seit Januar 2024 das Kultur-Ressort.

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