Inside Hochschulpolitik: Die Pläne des neuen AStA-Vorstandes 

Wir haben viele Möglichkeiten, uns politisch zu engagieren, unsere Meinung zu teilen und mit unseren Stimmen die Politik zu beeinflussen. Auch bei uns an der CAU. Um euch die politischen Themen der Studierenden näher zu bringen, haben wir mit zwei Menschen gesprochen, die einen wichtigen Teil unserer Hochschulpolitik darstellen. Stella Thomsen und Max Härtel wurden im Juli zum neuen AStA-Vorstand gewählt. Wir haben sie gefragt, welche Pläne sie für das kommende Semester haben und weswegen wir uns alle mehr für Unipolitik interessieren sollten.  

Mit welchen Themen seht ihr euch in den nächsten Monaten konfrontiert?  

Die Pandemie wird uns voraussichtlich weiterhin beschäftigen. Dazu kommen noch Inflation, die Energiekrise und Wohnungsnot. Wir sind die Stimme der Studierenden, ihre Sorgen und Nöte wollen und werden wir in Gremien und der Öffentlichkeit angemessen vertreten. In Bezug auf die Vorkehrungen einer möglichen Energiekrise werden wir es nicht zulassen, dass Studierende zum Beispiel nach Hause an den Computer geschickt werden.

Es kann nicht sein, dass die Heizkostenlast womöglich auf sie abgeladen werden könnte. Mindestens der Universitätsbibliotheksbetrieb und Präsenzseminare müssen gewährleistet werden. Gerade die UB ist als Gebäude ideal, in dem viele Menschen Platz haben, arbeiten und sich treffen können. Die UB ist essentiell für die Lehre und auch mit Sicht auf Energiesparpotentiale macht der UB-Betrieb jeden Tag in der Woche Sinn.  

Außerdem sind beim Studentenwerk schon wieder über 900 Menschen auf der Warteliste für einen Wohnheimplatz. Wir werden weitere Gespräche mit dem Studentenwerk, der Stadt, dem Land und der Uni-Leitung führen. Falls nichts hilft und die Wohnungsnot in den nächsten Monaten nicht besser wird, haben wir kein Problem damit, die Besetzung von leerstehenden Wohngebäuden als äußerstes Mittel zu erwägen. Eigentum verpflichtet. Zudem scheint es keine ausreichende Kommunikation zwischen der Stadt und der Uni-Leitung zu geben. Auch da wollen wir vermitteln. Nur gemeinsam und durch den Bau von Wohnheimen ist das Wohnungsproblem nachhaltig und dauerhaft lösbar. 

Welche konkreten Pläne habt ihr darüber hinaus für das kommende Semester? 

In den letzten zwei Jahren mussten Studierende einiges aushalten und der Unicampus war meist eine menschenleere Öde. Wir wollen studentisches Leben auf den Campus zurückholen. Hochschulgruppenübergreifende Forderungen nach mehr Raum für Studierende, wie einem Studierenden-Haus auf dem Campus, gibt es schon seit über sieben Jahren. Das soll endlich angegangen werden. Wir haben dafür zwei Projektstellen geschaffen, um die Wünsche von Studierenden aufzunehmen und mit konkreten Zahlen an die Universitätsleitung und das Bildungsministerium heranzutreten.

Jetzt ist die Zeit, unsere Forderungen bei der Raumplanung einzubringen. Es ist wie mit der Stadtbahn in Kiel: Bis man das Endprodukt nutzen kann, werden noch mindestens zehn Jahre vergehen. Damit wir aber das Ziel realisieren können, müssen jetzt die Weichen für die Zukunft gestellt werden. Ohne Druck passiert da nichts. 

Die Mensapreise sind ein anderes Thema, aber diese hängen auch mit dem Studentenwerk zusammen. Dieses erhält seit Jahren eine jährliche Förderung von lediglich 2,4 Millionen Euro. Um die Relationen zu verdeutlichen: Der Landeshaushalt von Schleswig-Holstein plant mit rund 14,6 Milliarden Euro an Ausgaben. Wie egal müssen wir Studierende der Landesregierung sein? Es ist überfällig, die Förderung endlich zu erhöhen. Mensapreise, Mietpreise in den Wohnheimen – wir Studierende brauchen das Studentenwerk und das braucht eine angemessene Förderung. Ergänzend dazu bedarf es direkte finanzielle Entlastungen der Studierenden, aber das muss vom Bund kommen. Wir wollen uns daher noch besser mit den anderen ASten in der Bundesrepublik vernetzen, um gemeinsam lauter zu sein. 

Warum sollten sich eurer Meinung nach mehr Studierende für die Hochschulpolitik interessieren? 

Hochschulpolitik ist ein ganz eigener Mikrokosmos, der für viele schwer zu fassen ist. Wer sich aber damit beschäftigt, sieht, dass sie sehr viele Mitgestaltungsmöglichkeiten am Leben an der Uni bietet. In Gremien der CAU können Studierende mitsprechen und gehört werden. Zudem bietet der AStA die Möglichkeit, sich zu engagieren und in einer sicheren Umgebung erste Erfahrungen im Planen und Durchführen von themenbezogenen Projekten zu sammeln. Im StuPa und im Senat können Studierende sich einbringen und merken, dass es sich lohnt und dass es im Ganzen auch Spaß macht.

Sie sollten sich mehr dafür interessieren, weil unsere Hochschule, genauso wie ihre WG oder Wohnung, unsere Stadt am Meer und ihre Hobbies und Freunde ein Teil von ihnen ist. Wir sind die Universität. Das ist unser Leben an unserer Uni. Es müssen ja auch nicht immer gleich 120 Prozent Engagement sein. Es ist schon ein erster Schritt, eine Mail oder Nachricht auf Instagram zu schreiben, was man gut findet und was noch verbessert werden könnte. 

Vielen Dank für das Gespräch. 

Autor*in

Eileen studiert Soziologie/Philosophie und ist seit Januar 2022 die Chefredakteurin. Sie leitete von Februar 2019 bis Anfang 2020 das Ressort für Gesellschaft. Danach war sie stellvertretende Chefredakteurin. Außerdem werden viele der Illustrationen im Albrecht von ihr gezeichnet.

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